Amphibienschutz in Herne 2020 (Tag 3)

Tag 1: alle Jahre wieder…
Tag 2: weiter geht es…
Tag 3: Aufbau letzter Akt…
Tag 4: de Zoch kütt früh…
Tag 5: Gullys entschärfen…
Tag 6: Tödlicher Liebesrausch…
Tag 7: Ende gut, alles gut…
Tag 8: Zaunkontrolle statt TV-Koma…
Tag 9: Laich überall Laich…
Tag 10: Nachkontrolle Gullys…

Tag 3: Freitag 14.02.2020 – Aufbau letzter Akt…

Wir zählen den dritten Tag des diesjährigen Aufbaus. Nach den Solostunden des zurückliegenden Wochenendes verspricht der heutige Aufbautag wesentlich kommunikativer zu werden, da Didi angekündigt hat, mit mir gemeinsam die restlichen Arbeiten zu erledigen. Nachdem zum Wochenanfang die stürmische Sabine über NRW gefegt war und der Spuk bis zur Mitte der Woche andauerte, war es nicht früher möglich, ins LSG Pluto V zurückzukehren, um die letzte Runde des Zaunaufbaus 2020 an der Berliner Straße einzuläuten.

Die Meteorlogen prognostizieren an diesem Wochenende (14-16.02.2020) für Süddeutschland surreale Temperaturen von bis zu 20°C und auch bei uns in NRW soll das Thermometer auf 16°C klettern. Die Chancen eines Lastminute-Wintereinbruches schwinden zunehmend, zumal am 20. März schon der kalendarische Frühlingsanfang wartet. Der Winter 2019/2020 war, wie überall zu hören ist, viel zu warm – kein Schnee, kein Dauerfrost und die Tage an denen es etwas kälter war, lassen sich an einer Hand abzählen.

Didi bei der Feinjustierung des Krötenschutzzauns an der Berliner Straße im LSG Pluto V.

Sobald die stürmischen Tage gezählt sind und die Temperaturen in einem vergleichbaren Rahmen bleiben, sollte es in einer der kommenden frostfreien und bewölkten Nächte losgehen. Spätestens dann sollte der Schutzzaun bereit für die amphibischen Klienten sein. Welche Auswirkungen die aktuellen klimatischen Entwicklungen auf die diesjährige  Wanderung haben, wird sich dann zeigen. Doch bevor es soweit ist, dass ein Lurch in eine unsere Eimerfallen tappen kann, sind zwingend noch ein paar Aufbauarbeiten zu erledigen.

… und Aktion !!!

Alle Eimer müssen zunächst bündig am Zaun platziert werden. Um das zu erreichen, muss entweder der Zaun minimal an den Eimer heran versetzt werden oder das Loch für die Eimer neu gegraben werden. Da letztgenannte Alternative mit massiver Mehrarbeit verbunden ist, kommt für uns nur das Zaunverrücken in Frage.

Nachdem dies geschehen ist, muss der Zaunbereich hinter dem jeweiligen Fangeimer mit Steinen und Stöcken so hinterfüttert werden, dass sich ein steiles und damit schwerüberwindbares Hindernis auf der dem Eimer zugewandten Zaunseite ergibt. Von der Theorie her sollen die Lurche beim Versuch diese Passage zu überklettern, vom grünen Kunststoffzaun abrutschen und in den Fangeimer fallen.

Beim Spannen des Zauns ist außerdem drauf zu achten, dass sich am Zaun keine Falten bilden, da diese das Hinaufklettern des Zauns und ein potentielles Überklettern desselben erleichtern. Ideal ist es zudem, den Zaun so auszurichten, dass sich durchgehend eine negative bzw. überhängende Steigung ergibt, was dadurch zu erreichen ist, dass die metallischen Bodenanker leicht in die gewünschte Richtung gebogen werden.

Die Endposition des Fangeimers – bündig am Zaun und mit Steinen hinterfüttert.

Zu guter Letzt ist dann noch jeder Eimer mit einem Stock zu bestücken, damit sich andere Tiere wie beispielsweise Mäuse, die unbeabsichtigt auch in einen der Eimer landen könnten, von selbst wieder befreien können. Damit diese Selbstrettung nicht auch den Molchen gelingt, ist hierbei darauf zu achten, dass der Durchmesser der verwendeten Stöcker nicht zu groß gewählt ist. Denn während Mäuse dank ihrer Kletterfähigkeit selbst die dünnen Äste zu ihre Rettung nutzen können, bleibt den Molchen diese Möglichkeit verwehrt – und den klobig-fetten Kröten fehlt diese Fähigkeit sowieso.

Nach insgesamt 4,0 Stunden an diesem trocken-bewölkten Freitag steht der Zaun dann endgültig in der Botanik, womit der diesjährige Aufbau erfolgreich abgeschlossen ist. Unter dem Strich stehen 14,0 Stunden teilweise körperlich harter Schufterei. Im Nächsten Jahr sollten wir vielleicht doch mal darüber nachdenken, die Unterstützung vom THW anzunehmen.

Geplante Ergänzung der Datenerfassung 2020

Für die diesjährige Dokumentation haben Didi und ich uns überlegt, neben der Standardstatistik zum zahlenmäßigen Aufkommen der jeweiligen Amphibienart und ihrer Geschlechterverteilung auch Daten darüber zu erheben, in welchem Bereich des Zauns die meisten Exemplare in einen der Fangeimer fallen. Dazu haben wir die Eimer durchnummeriert und ermitteln dementsprechend die Anzahl der Exemplare am jeweiligen Fangeimer.

Nummerierter Fangeimer in der Enposition mit Stock.

Wie und wann es die Lurche aus ihren Winterquartieren ziehen wird, zeigen die nächsten Tage. Dieses Wochenende wartet mit Victoria erst einmal der nächste Wintersturm, der zwar laut Meteorologen weniger stark ausfallen soll, wie es Orkantief Sabine noch vor einer Woche getan hatte, aber dennoch ist zu starker Wind genauso wie zu tiefe Temperaturen im wahrsten Sinne des Wortes ein No-Go-Kriterium.

Jetzt heißt es warten und die Eimer regelmäßig zu kontrollieren. Aber sowohl die hohen Niederschlagmengen als auch die steigenden Temperaturen sind Anzeichen dafür, dass der Starttag der diesjährigen Wanderung nicht mehr lange auf sich warten lassen wird. Im letzten Jahr fiel der Startwandertag auf den 22.02.2019.

Wann es an unserem Zaun in diesem Jahr genau losgeht, wie sich die Zahlen nach diesem Winter und der Heißzeit des letzten Sommers entwickeln und in welchen Bereichen am Zaun das Amphibienaufkommen am höchsten sein wird, das werde ich im Rahmen eines Beitrages im Anschluss an die Wandersaison (Ende April/ Mitte Mai) thematisieren.


Tag 1: alle Jahre wieder…
Tag 2: weiter geht es…
Tag 3: Aufbau letzter Akt…
Tag 4: de Zoch kütt früh…
Tag 5: Gullys entschärfen…
Tag 6: Tödlicher Liebesrausch…
Tag 7: Ende gut, alles gut…
Tag 8: Zaunkontrolle statt TV-Koma…
Tag 9: Laich überall Laich…
Tag 10: Nachkontrolle Gullys…

6 Gedanken zu „Amphibienschutz in Herne 2020 (Tag 3)

  1. Pingback: Amphibienschutz in Herne 2020 | Der Landschaftsmeldeläufer

  2. Pingback: Amphibienschutz in Herne 2020 (2) | Der Landschaftsmeldeläufer

  3. Pingback: Amphibienschutz in Herne 2020 (1) | Der Landschaftsmeldeläufer

  4. Pingback: Amphibienschutz in Herne (Tag 6) | Der Landschaftsmeldeläufer

  5. Pingback: Guerilla Gardening XXL: Blumige Aussichten – Herne wird bunter | Der Landschaftsmeldeläufer

  6. Pingback: Amphibienschutz in Herne 2020 (Tag 7) | Der Landschaftsmeldeläufer

Hinterlasse jetzt ein Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s