Heureka! Die Baum-Teich-Undichtigkeits-Relation

Ende Februar kontaktierte mich X. via Email zwecks Erfahrungsaustauschs. Er engagiert sich schon seit langer Zeit als Landschaftswächter. Sein Spezialgebiet ist die Flora und Fauna auf Mikrobasis, weshalb er am hiesigen Feuchtbiotop im LSG Pluto V regelmäßig Gewässerproben nimmt, bei denen im Labor unter anderem die Konzentrationen von Protozoen (Urtierchen), Daphnia (Wasserflöhe) oder Saprobien (Fäulnisbewohner) ermittelt werden. Über diese Bioindikatoren lassen sich Aussagen zum Zustand eines Gewässers treffen.

Von den meisten der Begrifflichkeiten hatte ich zugegebenermaßen zuvor noch nicht einmal etwas gehört. Besonders spannend war für mich aber die Tatsache, dass man anhand der Daten ohne Kenntnis unserer Amphibienstatistiken, die Hypothese aufstellen konnte, dass vom Sommer 2015 zum Sommer 2016 die Zahlen massiv zurückgegangen sein müssen, was sich nach Abgleich mit unseren Aufzeichnungen bestätigen ließ.

Probleme am Teich im LSG PLTUO V

Die Kommunikation mit X. ergab außerdem, dass es in den letzten Jahren im und am Teich einige Probleme gegeben hat. Neben seiner Tätigkeit als Landschaftswächter ist er gleichzeitig Teichpate des Gewässers im LSG Pluto V, zu dem wir unsere Amphibien vom Schutzzaun bringen. Neben des Monitorings der Wasserqualität, die durch die Bestimmung der Konzentration an Kleinstlebewesen ermittelt wird, kümmert er sich auch um die Teichpflege. Im Rahmen dieser Teichpflege, die vor allem aus dem Grund erfolgt, den Sauerstoffverbrauch im Teich zu reduzieren, ist für Ende April ein Teilrückschnitt des Schilfs geplant gewesen.

Wieso, weshalb, warum, wer nicht fragt bleibt dumm

Auf meine Nachfrage hin, warum man den Termin nicht in die Trockenzeit Anfang Juni verschiebt und die Pflanzen dann samt Wurzeln entfernt, statt sie bei hohem Wasserstand zurückzuschneiden, erklärt er mir, dass dies nicht so einfach möglich sei, da durch das Rausreißen der Wurzeln die sensible Sperrschicht, die aus einer dünnen Lage Lehm besteht, weiter zerstört werden könnte. Zudem ist die Sperrschicht bei Trockenheit rissig und besonders anfällig, weshalb ein Hantieren mit Spaten unbedingt zu vermeiden ist.

Vermutung: Undichte Sperrschicht

Eine Undichtigkeit des Teichs vermutet er unabhängig von der Schilfteilbeseitigung sowieso. Diese Vermutung begründet er mit der Beobachtung, dass die Bereiche auf der hangabwärts gelegenen Teichseite regelmäßig unter Wasser stehen, was daran liegen kann, dass der Wasserdruck aufgrund der topografischen Gegebenheit des Geländes in diese Richtung drückt. Dieser Defekt könnt nach dieser Theorie neben dem aktuellen Klima eine weitere Ursache für das relativ frühe Austrockenen des Teichs im Jahresverlauf der letzten drei Jahre sein.

Der Baum im Uferberich des Feuchtbiotops an der Berliner Straße im LSG Pluto V.

Heureka!

Bei einer Ortsbegehung in den letzten Tagen bemerkte ich dann, dass sich im direkten Uferbereich seit einigen Jahren ein Baum befindet, was natürlich nur vor dem Hintergrund unserer Konversation relevant ist, weil Bäume gibt es einige im LSG Pluto V. Zudem war der Baum dort schon seit 4-5 Jahren, ist in den letzten Jahren aber ordentlich gewachsen. Und da bei Baumarten grundsätzlich zwischen Flach- und Tiefwurzler unterschieden wird, rückte er in den Fokus meiner Wahrnehmung.

Da ich die Baumart nicht eindeutig bestimmen kann, ist es aktuell nicht möglich zu sagen, ob es sich tatsächlich um einen Tiefwurzler handelt. Sollte das aber der Fall sein, könnte das Wurzelwachstum eine potentielle Erklärung für seine Undichtigkeits-These darstellen, da die Wurzeln die Sperrschicht perforiert haben könnten.

Lösung aller Probleme?!

Inwieweit der Baum zukünftig entfernt werden muss, falls es sich tatsächlich um einen Tiefwurzler handelt oder ob die Hypothese des leckenden Teichs grundlegend falsch war, wird sich zeigen. Ich werde auf jeden Fall an dem Thema dranbleiben, wäre doch genial, wenn man den Baum entfernen und die Sperrschicht mit Lehm wieder schließen könnte, dann wären auch keine Evakuierungsmaßnahmen mehr erforderlich. Naja, schauen wir mal. Sobald sich Neuigkeiten ergeben sollten, werde ich davon berichten.


5 Gedanken zu „Heureka! Die Baum-Teich-Undichtigkeits-Relation

    • Amphibienschutz in Herne 2020 (Tag 13)
      Sinnlose Maßnahmen ohne Fachkenntnisse. Welche Parameter liegen vor pH Wert, Saprobien Werte, Welche Algen art ist im Teich, Sauerstoffgehalt im Teich u.s.w

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      • Sinnlos war vor allem Dein Anonymisierungsversuch, sich eine neue Email-Adresse zuzulegen und zu meinen man ist unbekannt!!! 😀

        Die Reihenfolge und die Schreibweise Deiner verwendeten Begrifflichkeiten sind verräterisch!!!

        Du als Experte sollest die mikroskopischen Kennwerte doch wohl am besten kennen.

        Und die Algenart anhand eines Fotos zu bestimmen dürfte doch eigentlich auch kein Problem darstellen.

        Wir haben getan, was mit einfachen Mittel getan werden konnte, zum einen Nährstoffe aus dem Teich geschafft. Und vor allem haben wir dafür gesorgt, die kompakte Algenschicht zu entfernen, die den Amphibienlaich zu ersticken drohte.

        Zudem frag ich mich, warum man erst die Kommunikation für beendet erklärt, um dann pseudo-inkognito doch wieder beginnt zu kommunizieren.

        in diesem Sinne Beste Grüße

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