Illegale Müllablage 2020-2

Nachdem ich die erste „Wilde Müllhalde“ des Jahres schon Anfang Januar melden musste, hat die zweite Meldung etwas länger auf sich warten lassen. An der Hofstraße im LSG Röhlinghausen liegen auf Höhe der Erzbahntrassenbrücke direkt am Aufgang zur Erzbahntrasse 6 komplette Reifen. Vermutlich hat jemand seine Winterreifen illegal entsorgt?!

Kurioses aus der Landschaft – Pottsteine No. 1

Auf meiner heutigen Laufrunde, die mich hoch zur Aussichtsplattform ins NSG Berghalde Pluto-Wilhelm geführt hat, durfte ich meinen ersten „Pottstein“ finden. Die bunt bemalten und verzierten Steine wollen gefunden, gepostet und wieder versteckt werden – und sollen dem Finder vor allem ein Lächeln ins Gesicht zaubern. Bei meinem Fundstück hält sich der künstlerische Mehrwert zugegebenermaßen in Grenzen, aber gefreut habe ich mich dennoch.

Die kleinen Kunstwerke sind Teil eines weltweiten Trends, die Idee dazu soll, wie kann es auch anders sein, aus den USA stammen . Dort wird der Trend „Painted rocks“, also bemalte Steine genannt. So wie ich das Ganze mitbekommen habe, gibt es mittleriwele in vielen Region Deutschlands eine eigene Szene von Künsterlern und Suchern. Und es scheinen immer mehr zu werden.


Kurioses aus der Landschaft – Geocache

Auf meiner heutigen Runde durch die Weiten meines Reviers habe ich ein Vogelhäuschen entdeckt, das im LSG Röhlinghausen an der kleinen Berghalde mit einem völlig durchgeknallten Design auf Bodenhöhe hängt. Zusätzlich ist das Häuschen mit Drahtseil gesichert. Meine erste Vermutung war, dass sich das Seil wohlmöglich durch den relativ starken Wind der letzten Tage gelockert haben könnte.

Doch bei näherem Inspizieren, vor allem um sicher zu stellen, dass sich nicht doch irgendein bunter Vogel auf Ecstasy drin verirrt hat, erklärte sich mir, um was es sich bei diesem Etwas handeln sollte. Das „Vogel Paradies“ war nämlich eigentlich ein verstecktes Cache vom Geocaching. Und ich hatte mir schon Gedanken gemacht, wie ich das Häuschen in meinem Laufdress und ohne Werkzeug in luftiger Höhe an den Baum befestigt bekomme. Was es doch alles für Sachen zu sehen gibt, wenn man mit offenen Augen durch die Welt läuft?!


Guerilla Gardening XXL: Blumige Aussichten – Herne wird bunter

Guerilla Gardening meets Upcycling. Während die Stadt noch am Anfang ihrer Aktion „HERNE BLÜHT AUF“ steht, war ich schon aktiv und habe meinen Beitrag geleistet.

Denn beim diesjährigen Aufbau des Amphibienschutzzauns an der Berliner Straße im LSG Pluto V Mitte Februar kam mir recht spontan die Idee, einen begrenzten zuvor aus artenarmer Wiese bestehenden Bereich mit einer Fläche von einem mal drei Meter nicht nur optisch aufzuwerten, sondern dabei auch etwas für die Artenvielfalt zu tun. Ok, die Grundidee hatte zugegebenermaßen einen etwas längeren Vorlauf, da ich mich schon im Sommer 2019 mit den Samen von Blühwiesen eingedeckt hatte, die von der Stadt auf diversen Grünflächen im Stadtgebiet angelegt waren. Eigentlich hatte ich die Samen auch mit der Absicht gesammelt, um mir daraus zusammen mit Katzenstreu Seedbombs zu basteln. Es ist allerdings bei der Absicht geblieben, wobei die jetzige Verwendung nicht weniger im Sinn des Arten- und Naturschutzes ist.

WAZ Artikel zur Aktion „HERNE BLÜHT AUF“ und meine Saatmischung vom letzten Sommer.

Von der Idee zur Umsetzung

„Handeln kommt von Hand und nicht von Maul, sonst würde es ja Maulen heißen“, habe ich mir irgendwo mal sagen lassen müssen. Deshalb stand schnell fest, wenn nicht jetzt, wann dann.

Schrit 1: Obere Bodenschicht abtragen

Also folgte unmittelbar nach der Grundidee zum Guerilla Gardening prompt die Umsetzung. Und nachdem der erste Arbeitsschritts erfolgreich geschafft war, sprudelten die Ideen zur Optimierung des Vorhabens regelrecht aus mir heraus. Doch im ersten Schritt wollte zunächst die obere knapp 5-10 cm breite Grasschicht mit dem Spaten abgetragen werden. Hierbei ist unbedingt darauf zu achten, dass die Wurzeln mit entfernt werden.

Beim Abtragen der oberen Vegetationsschicht drauf achten, dass alle Wurzeln entfernt sind.

Schritt 2: abgetragenes Volumen ausgleichen

Nach Entfernung der oberen Schicht lag das Beet im Vergleich zur direkten Umgebung etwas tiefer, was mich befürchten ließ, dass die zukünftige Blühwiese bei Regen absaufen könnte. Also musste für dieses Problem eine schnelle Lösung her. Und was liegt da näher, als die Muttererde zu verwenden, die wir zum Abdichten des Schutzzaunes sowieso nicht mehr benötigten haben. Also gesagt, getan und das Volumen des Aushubs war mit acht Eimern Muttererde, die zuvor die Böschung hinaufgehievt werden mussten, ausgeglichen.

Das Volumen des Aushubs mit Mutterede ausgleichen, aber vorher ist Schleppen angesagt.

Schritt 3: Beetumrahmung einfügen

Die überflüssig gewordenen Stützpfosten eines Baums von der gegenüberliegenden Straßenseite , mit denen Jungbäume nach der Pflanzung ausgestattet werden, haben kurzerhand eine 2. Chance bekommen, indem sie für die Beetumrahmung upgecycelt wurden. Das ist doch mal eine steile Karriere vom nutzlosen Stützpfahl zur optischen Beetaufhübschung. Und so eine angelegte Blühwiese muss natürlich auch schon vor der eigentlichen Blütenpracht ästhetischen Maßstäben genügen. Zudem ist Upcycling ja aktuell mindestens genauso populär, wie es das Guerilla Gardening selbst ist. Und beide Ökotrends in einem Projekt zu vereinen, wirkt sich bestimmt doppelt positiv auf mein Karma aus.

Mit der impprovisierten Beetumrahmung sieht es doch gleich noch mehr anch Profi aus.

Schritt 4: Aussaat des selbstgeernteten Saatgutes

Anfang März wurden dann das Saatgut ausgestreut, das ich im Vorjahr ernten konnte. Nach der Ernte hatte ich das Saatgut getrocknet und seitdem an einem trockenen und zugleich dunklen Ort aufbewahrt. Ob ich bei der letztjährigen Saaternte irgendwas falsch gemacht habe, wird sich frühetens in 4-5 Wochen zeigen. Mit dem Festtreten der zuvor aufgelockerten Erde samt der ausgestreuten Saat war der letzte Arbeitsschritt getan. Auf das Anwässern konnte ich glücklicherweise verzichten, da sich in der Folgezeit regelmäßiger Regen angekündigt hatte. Jetzt heißt es für mich solange zu warten, bis hoffentlich die ersten zarten Pflänzchen ihren Kopf gen Sonne strecken. Zudem hoffe ich inständig, dass die Samen nicht restlos von Mäusen oder Vögeln vertilgt werden. Sollten solche Anzeichen erkenntlich werden, muss ich wohl erneut nachsäen. Ausreichend Samen hätte ich noch, aber ich bleibe positiv und habe eigentlich ein gutes Gefühl.

Das selbstgeerntete Saatgut großzügig auf der vorbereiteten Erde verteilen.

Schritt 5: Nachsäen

Weil die Menge an Samen beim ersten Aussäen für die komplette vorbereitete Fläche nicht ausgereicht hatte, musste ich ein paar Tage darauf noch mal ein bisschen Saatgut nachstreuen. Das Anwässern übernahme danach wie beim esten Mal wieder der Regen. Um das Saatgut besser verteilen zu können, wäre es vielleicht auch schon beim ersten Mal ratsam gewesen, das Saatgut mit Sägespähne oder trockenem Sand zu vermischen. Welche Konsequenzen es haben wird, dass ich beim ersten Mal auf die Volumenvergrößerung des Saatguts verzichtet hatte, wird sich zeigen. Sparsamer, was die Menge des benötigten Saatgutes betrifft, wäre es in jedem Fall gewesen. Zudem musste die ich die Fläche erneut aufgelockern, was mit dem passenden Werkzeug, aber easy von der Hand ging.

Erst die Erde aufgelockern und dann aussäen, danach festtreten und warten.

Ausblick

Wie, wann und ob sich die Blühwiese in spe überhaupt im Laufe des Jahres entwickeln wird, werde ich weiter im Auge behalten. Sobald sich etwas tun sollte, werde davon im Rahmen eines Beitrages berichten. Im Sommer werden wir dann sehen, wie sehr sich meine Wiese von dieser prachtvollen Blühwiese der Profis unterscheiden wird. Ich bin gespannt, was aus meiner Spontan-Low-Budget-Aktion werden wird. Doch eins steht jetzt schon fest, ich hatte verdammt viel Spass und die Natur wird davon provitieren.


Guerilla Gardening meets Upcycling. Es bleibt abzuwarten, inwieweit die Stadt ihre Aktion „HERNE BLÜHT AUF“ trotz Einschränkungen durch die Corona-Pandemie vollumfänglich umsetzen kann, aber in meinem Beet tut sich mittlerweile was.

Official Gardening: Blumige Aussichten – Herne wird bunt

Heute ging es nach Wanne zum Bürgerlokal auf der Hauptstraße 210. Das Ziel war es dort Infomaterial zur Aktion „HERNE BLÜHT AUF. Gemeinsam Herne grüner machen – jeder Quadratmeter zählt“ zu erhalten, um diese an Interessierte in der Nachbarschaft und im Bekanntenkreis weiterzugeben. Neben dem Informationsmaterial verteilt u.a. das Bürgerlokal in Wanne zurzeit auch 5000 Tütchen mit Saatmischungen, die jeweils für einen Quadratmeter Blühwiese ausreichen.


Mit vereinten Kräften für mehr Biodiversität

Im Rahmen der  Aktion „HERNE BLÜHT AUF“ werden die Kompetenzen verschiedener Herner Akteure aus dem Bereich Umwelt- und Naturschutz sowie Stadtmarketing gebündelt, um gemeinsam dem fortschreitenden Insektensterben entgegenzutreten.

Der Fachbereich Stadtgrün wird im Rahmen seiner allgemeinen Tätigkeiten zahlreiche Blumenwiesen im Stadtgebiet anlegen. Die Biologische Station Östliches Ruhrgebiet führt anschließend Erfolgskontrollen durch und lädt die Bürger zu kostenlosen Infoveranstaltungen in allen 4 Stadtbezirken ein. Der NABU-Herne erstellt eine umfangreiche Fotodokumentation zu den privat angelegten Blühwiesen. Jeder der sich auf freiwilliger Basis daran beteiligen möchten, kann hierzu den NABU-Herne über diese E-Mail-Adresse kontaktieren: vorsitzender@nabu-herne.de. Zudem spendiert der NABU 150 Saatgutmischen für jeweils 10 Quadratmeter Blühwiese, die im Rahmen der Infoveranstaltungen verteilt werden. Das Stadtmarketing Herne startet eine Plakatkampagne,  um auf die Aktion „Herne blüht auf“ aufmerksam zu machen. Zudem werden insgesamt 5.000 Samentütchen am Ticketshop der Stadtmarketing Herne, an der Pforte des Herner Rathauses sowie im  Bürgerlokal in Wanne verteilt.


Aufruf der Bürger zur Beteiligung

Stadtmarketing Herne und Biologische Station Östliches Ruhrgebiet ruft die Bürger auf sich an der Mitmachaktion „HERNE BLÜHT AUF“ aktiv zu beteiligen. Die Bürgerbeteiligung wird unterstützt durch kostenlose Beratungen und die Ausgabe des Saatguts. 150 Samentüten für jeweils 10 Quadratmeter spendet der NABU im Rahmen dieser Infoveranstaltungen, die in allen Stadtbezirken stattfinden werden. Die wichtigsten Infos zur Aktion sind darüber hinaus auch im Faltblatt zusammengefasst, dass in Kooperation von Stadtmarketing Herne und Biologischer Station Östliches Ruhrgebiet zur Aktion HERNE BLÜHT AUF. Gemeinsam Herne grüner machen – jeder Quadratmeter zählt“ erstellt wurde.

Die Biologische Station lädt zu kostenlosen Infoabend* ein:

  • Montag 10. März                            Bürgersaal der Akademie Mont Cenis
  • Donnerstag 19. März                     VHS Wanne
  • Dienstag 24 März                          Sud- und Treberhaus in Eickel
  • Montag 02. April                             Haus der Natur

*Die Informationsveranstaltungen beginnen jeweils um 19.00 Uhr.


Zahlen und Fakten:

Wo wird wieviel neue Blühfläche in Herne im Sommer entstehen?

Jeweils 550 Quadratmeter
auf der Sodinger Straße (Bezirk Sodingen)
Bochumer Straße (Bezirk Mitte)
Westring (Bezirk Mitte)
Claudiusstraße (Bezirk Wanne)
Knapp 300 Quadratmeter jeweils
Wakefieldstraße (Bezirk Eickel)
Königsgrube (Bezirk Eickel)


in Parks jeweils 300 Quadratmeter
Stadtgarten Herne
Volksgarten Eickel
insgesamt 2200 Quadratmeter
diverse Friedhöfe

Bürgerbeteiligung I
5000 Saattütchen á 1 Quadratmeter
Bürgerbeteiligung II
150 Saattütchen á 10 Quadratmeter
Blühstreifen aus mehrjährigem Regional-Saatgut und einjährigem Saatgut im Straßenbegleitgrün pro Standort verteilt auf das gesamte Herner Stadtgebiet.

Nach Adam Ries und Eva Zwerg

Auch viele Kleingärten haben sich bereit erklärt Grünflächen zu Blühwiesen werden zu lassen. Die anfallenden Kosten übernimmt die Stadt, für die benötigen Flächen und die anschließende Pflege sorgen die Gärtner. Insgesamt sollen allein durch die Maßnahmen von Stadt und Kleingärtner Blühwiesen auf einer Fläche von 11.000 Quadratmeter entstehen – dazugerechnet werden müssten noch die geschaffenen Flächen der Bürger aus den 5000 Saattütchen á 1 Quadratmeter, die vom Stadtmarketing verteilt werden. Dazu dann noch die Flächen aus den 150 Saattütchen á 10 Quadratmeter der Spende des NABU, die bei den Infoveranstaltungen kostenslos abgegeben wurden.

Unterm Strich ergibt dies eine Gesamt-Blühfläche von 17.500 Quadratmetern, was rund 2,5 Fußballfeldern (68m x 105m) entspricht.

Die Kosten der Aktion für die Stadt belaufen sich auf rund 26.000 €.


Fazit:

Diese Aktion ist natürlich großartig. Viele Rasenflächen, die von der Biodiversität her nichts anderes darstellen als grüne Wüsten, die intensiv gepflegt, regelmäßig geschnitten und ohne Mehrwert für Mensch und Tier sind, können so aufgewertet werden. Wenn die Stadt es forciert gegen das Insektensterben vorzugehen, kann man das nur gut finden. Ich bin schon heuer gespannt, von welcher Maßnahme ich als nächstes berichten darf. Von der Regelmäßigkeit der präsentierten Vorhaben, welche die Stadt Herne lebenswerter und bunter machen, bin ich positiv überrascht. Nach den Bienenhaltestellen kommen jetzt die Blühwiesen – vielleicht sollte ich mir doch bald mal überlegen, ein paar Bienenvölker anzuschaffen?!

Also, wenn ich Euch eins verprechen kann, dann dass 2020 in Herne bunt werden wird. Ich freu mich schon jetzt auf ein paar tolle Bilder von Blüten und Insekten und spätestens gegen Ende des Sommers auf eine erfolgreiche Samenernte.

Geschenktipp des Tages – statt langweiligen Schnittblumen

Ein Deckelglas gefüllt mit einer selbst gesammelten Saatmischung und mit einer roten Schleife drum eignet sich für meinen Geschmack als kreative Zwischendurch-aufmerksamkeit viel besser als ein Strauß Schnittblumen. Blumen sind schnell gekauft und noch schneller verwelkt. Während dieses Geschenk seinen zweiten Wow-Effekt erst im nächsten Sommer haben wird. Also ich verschenke, wenn es um Blumen geht, auf jeden Fall lieber ein altes Marmeladenglas mit einer selbst gesammelten Saatmischung.


Quelle:
Flyer „Herne blüht auf“
WAZ-Artikel vom 25.02.2020

News aus den lokalen Printmedien – mehr Blühwiesen für Herne

Herne blüht auf: Stadt legt Wiesen an

Seitenstreifen, Grünflächen in Parks und Friedhöfen sollen zu Blühstreifen umgewandelt werden. Ziel ist es dem fortschreitenden Insektensterben entgegenzuwirken. Hierbei sollen auch die Herner Bürger aktiv mitwirken.

Auch wenn es in letzter Zeit schon den Anschein macht, als wolle sich die Stadt Herne grüner präsentieren als sie ist, gefallen mir viele der geplanten Vorhaben recht gut. Ich hoffe allerdings, dass diese zubegrüßende Umweltoffensive nicht Teil einer PR-Imagekampange ist, die mit den Negativschlagzeilen rund um das Heizkraftwerk der STEAG zusammenhängt.

WAZ -Artikel über Blühwiesen mit meiner Samenernte von Blühwiesen des letzten Jahres.

Erst vor rund einem Monat berichtete nämlich noch die WAZ in einem Artikel davon, dass über Jahre Raffenierie-Rückständen, die eigentlich Sondermüll darstellen, durch Mauschelei mit den Behörden zu Brennstoffen umdeklariert wurden. Und auf diesem Wege im Herner Heizkraftwerk legal verbrannt werden konnten. Mit dieser dubiosen Masche sollen allein in den Steag-Kraftwerken Herne und Lünen insgesamt mehr als 150.000 Tonnen des so genannten Petrolkoks, das u.a. mit Schwermetallen belastet ist, gelandet sein.

Blick auf eine blühende Blühwiese im Sommer 2019 irgendwo im Wanner Stadtgebiet.

Unabhängig von diesen Meldungen gibt es von mir für diese farbenfrohen Aussichten, die diese Aktion mitsichbringt und die für mehr Biodiversität im Herner Stadtgebiet sorgt, einen Daumen hoch! Die Blumenbeete haben mich mit ihrer Blütenpracht schon im letzten Jahr positiv überrascht und zu zahlreichen Fotostopps animiert.

QUELLE: WAZ 25.02.2020 & 31.02.2020

News aus den lokalen Printmedien – blühende Haltestellen für Herne

Die Stadt Herne will erste Bienenhaltestelle einrichten.“

Übersetzt bedeutet das wohl so viel wie, dass einige Dächer von Halltestellen des ÖPNVs bepflanzt werden sollen. Utrecht hat es vorgemacht, viele europäische Städte haben die innovative Idee aufgegriffen und sie nachgemacht. In diesem Jahr will auch Herne dazu gehören und die ersten Wartehäuschen zu „Bienenhaltestellen“ umgestalten. Während es in Utrecht mittlerweile stolze 316 Dächer sind, die hauptsächlich mit Sukkulenten bepflanzt wurden, sollen es in Herne vorerst bis zu drei Haltestellen werden. Auch die genauen Standorte für die ersten Herner Dachoasen stehen noch nicht fest.

Feinstaub runter, Mikroklima verbessern & Biodiversität hoch

Begründet wird das Vorhaben mit Untersuchungen, die gezeigt haben, dass sich die Insektenbestände in Deutschland um 75% dezimiert haben. Deshalb will man mit der Aktion einen kleinen Beitrag leisten, dem fortschreitenden Insektensterben entgegenzuwirken. Neben der optischen Aufwertung, bringen die grünen Wartehäuschen weitere Vorteile mit sich. So können die Öko-Fahrgastunterstände Feinstaub aus der Luft filtern und Regenwasser speichern, womit die Luftqualität im direkten Umfeld verbessert werden könnte. Gleichzeitig wird die Biodiversität gefördert. Honigbiene und Hummeln können sich also schon freuen.

Umweltschutz gibt es nicht zum Nulltarif

Einen kleinen Haken hat die ganze Sache allerdings doch. Im Vergleich zur Standardhaltestelle, die rund 6000€ kostet, entstehen bei der begrünten Variante einmalige Mehrkosten von bis zu 3000€. Die laufenden Kosten, die für die Pflege der Dachbeete zusätzlich pro Jahr anfallen würden, könnten noch nicht beziffert werden.

Trend geht in die tichtige Richtung

Ich bin noch etwas skeptisch, denn es bleibt abzuwarten, wann es tatsächlich so weit sein wird, dass ich die erste Haltestelle mit ökologischem Mehrwert im Stadtgebiet sehen werde. Auffallend ist, dass ähnliche Berichte von Aktionen und Vorhaben mit einem Umwelt- und Naturkontext in den letzten Monaten spürbar zugenommen haben. Das Bewusstsein für diese Themen ist nicht nur in der Bevölkerung gestiegen, auch die Stadt Herne scheint aktuell eine regelrechte Umweltoffensive zu fahren, die ganz nach meinem Geschmack ist.

Mein Fazit

Ich werde die Situation um die Bienenhaltestellen weiter beobachten und berichten, sobald sich was getan hat. Inwieweit von solchen medienwirksamen Aktionen tatsächlich positive Effekte für die Umwelt und Natur zu erwarten sind, bleibt mehr als fragwürdig. Der indirekte Effekt, der sich aus der Sensibilisierung der Bürger für diese Themen ergibt, verdient Lob und Beachtung, weshlab die Mehrkosten aus meiner Sicht mehr als vertretbar sind. Dennoch müssten noch viel mehr von diesen Aktionen folgen, es darf nicht bei einem Tropfen auf dem heißen Stein bleiben.


QUELLE: Westdeutsche Allgemeine Zeitung vom 24.02.2020

Amphibienschutz in Herne 2020 (Tag 6)

Tag 1: alle Jahre wieder…
Tag 2: weiter geht es…
Tag 3: Aufbau letzter Akt…
Tag 4: de Zoch kütt früh…
Tag 5: Gullys entschärfen…
Tag 6: Tödlicher Liebesrausch…
Tag 7: Ende gut, alles gut…
Tag 8: Zaunkontrolle statt TV-Koma…
Tag 9: Laich überall Laich…
Tag 10: Nachkontrolle Gullys…

Tag 6: Freitag 28.02.2020 – Tödlicher Liebesrausch…

Beim Rundgang um das Gewässer wird deutlich, dass der Frühling unaufhaltsam vor der Tür steht. Das Wachstum der Wasserpflanzen hat in den letzten Tagen erheblich zugenommen. Große Bereiche an und unter der Wasseroberfläche des Feuchtbiotops sind frischgrün. Zudem scheint es so, als würde das Wasser sprudeln. An den Algen befinden sich Unmengen von kleinen Gasbläschen. Diese Gasbläschen, die von den Wasserpflanzen ins Wasser abgeben werden, sind das Nebenprodukt der Fotosynthese. Denn jedes Kind weiss, dass beim Prozess der Fotosynthese Pflanzen mit Hilfe des in ihnen enthaltenen Chlorophylls und unter Sonneneinstrahung Kohlendioxid und Wasser in Glukose und Sauerstoff umwandeln. Die dabei entstehende energiereiche Glukose wird unter anderem zum Pflanzenwachstum benötigt und der Sauerstoff als Abfallprodukt ins Wasser abgegeben. Doch außer dem zu beobachtenden Vegetationsschub ist im Teich aktuell noch nicht viel los. Von den wenigen Amphibien, die wir bisher in dieser noch jungen Wandersaison hierher gebracht haben, können wir keine entdecken. Für Libellen ist es sowieso noch zu früh im Jahr.

Massives Algenwachstum und aufsteigende Gasbläsche, der Frühling naht.

Dann erblicke ich im nahen Uferbereich doch noch etwas Amphibisches. Verschwommen durch das Wasser lässt sich ein Kröten-Doppeldecker sehen. Allerdings fällt mir sofort die atypische Form des Doppeldeckers auf. Es macht den Anschein als würden es nicht wie normal 2 sondern 3 Kröten sein, die sich in der typischen Paarungsumklammerung befinden. Nachdem sich Didi die Situation auch nochmal angeguckt hat, sind wir uns einig, es ist ein so genanntes Todesrad. Bei einem Todesrad klammern sich mehrere Krötenmännchen an ein Krötenweibchen. Didi erzählt mir davon, dass er in der Vergangenheit schon Todesräder mit über 6 Tieren beobachten konnte.

Unförmiger Kröten-Doppelpack im Feuchtbiotop an der Berliner Strasse im LSG Pluto V.

Zufall, Schicksal oder Fügung?

Erst in einer der Mails aus der Vorwoche erwähnte Didi noch, dass er derzeit gezielt im Teich auf dieses Phänomen besonders achtet. Als Todesräder bezeichnet er das Resultat, das durch das Fehlverhalten der hormongesteuerten Krötenmännchen bei der Paarung auftritt. Das Problem bei diesen so genannten Todesrädern ist, dass das Weibchen ab einer gewissen Last von Männchen so schwer beladen ist, dass es nicht mehr in der Lage ist, zum Lufthohlen an die Wasseroberfläche zu gelangen und ertrinken kann.

Wenn immer Didi ein solches Todesrad beobachtet, versucht er mit einen langen Stock die umklammerten Kröten ans Ufer zu holen. Dann nimmt er das „Krötenbündel“ in die Hand, um es „behutsam auseinander zu zuppeln“, indem er vorsichtig mit dem Zeigefinger zwischen die Krötenköper geht. Dieser Trennvorgang erfordert ein bisschen Fingerspitzengefühl, um dem Männchen nicht die Vorderbeine zu brechen. Nach seiner Meinung sollte man hierbei, „genauso wie bei Fehlpaarungen zwischen Grasfrosch und Erdkröte oder umgekehrt, ruhig in die Natur eingreifen“. Denn täte man dies nicht, „laicht das Weibchen ab und der Laich ist dahin“, da der Befruchtungsversuch erfolglos bliebe.

Schwer zu erkennen, aber in diesem Knubbel sind tatsächlich 3 Kröten.

Schnell ist klar, dass man aufgrund der potentiellen Gefahr im Sinne des Naturschuzes engreifen sollten. Deshalb „opfere“ ich mich, ziehe mir Schuh und Socken am rechten Fuß aus und steige ins arschkalte Wasser. Glücklicherweise befindet sich das Krötengebilde nur einen Schritt vom Ufer weg, sodass es bei dem einen Schritt bleiben kann. Jeder weitere Schritt hätte außerdem mein hochgekrempeltes Hosenbein erreicht, da das Wasser doch tiefer war, als es von Außen ausgesehen hatte. Die geringe Wassertemperatur sorgt dafür, dass das Trio keinen Fluchtversuch startet. Nach einem beherzten Griff ins kühle Nass habe ich sie in der Hand.

Die Kälte steigt langsam mein Bein hinauf, deshalb gebe ich sie direkt an Didi weiter und zieh mir schnellstmöglich den Socken, dann den Schuh wieder an. Und dann musste ich schnell sein, denn von diesem Szenario wollte ich unbedingt ein Bild für den Blog haben, weshalb ich meine Cam aus dem Rucksack packe und ein einige Bilder festhalten kann. Während Didi das Krötenknubbel für die Cam präsentiert, löst sich das obere der Männchen von selbst und er hält schließlich einen Doppeldecker und ein Solomännchen in den Händen.

Das gelöste Todesrad – aus drei mach zwei plus eins.

Didi erzählt mir außerdem, dass er auch schon Todesräder gesehen hat, bei dem unterschiedliche Arten in einer Paarungsumklammerung waren. Erdkröte mit Grasfrosch oder Kreuzkröte mit Erdkröte. Solche Paarungsversuche empfiehlt er ebenfalls zu lösen, da sie ohne Aussicht auf Befruchtungserfolg wären. Beim Lösen des Todesrades ist Fingerspitzengefühl gefragt, da sonst die Beine des kleineren Männchens, die sich um den Körper des Doppeldeckers klammen, filigran gebaut sind und leicht brechen können.


Spekulationen ins Blaue hinein:

Welchen biologischen Zweck könnte dieses  teilweise tödliche Verhalten erfüllen? Worin liegt der evolutionäre Vorteil? Warum hat „die Natur“ davon?

  • eine Vermutung ist, dass es zum Todesrad vor allem dann kommt, wenn ein kleines und schwaches Männchen auf einem Weibchen sitzt und es nicht in der Lage ist mit seinen Hinterbeinen weitere lästige Konkurrenten abzuwehren. Schutzmechanismus zur Vermeidung der Weitergabe schwacher Gene?!
  • unsere Datenlagen vom Zaun spricht auch dafür, dass das Verhältnis von Männchen zu Weibchen bei ungefähr 3:1 liegt, was zwangsläufig dazu führt, dass viele Männchen kein Weibchen abbekommen und vielleicht so versuchen doch noch zum Erfolg zukommen. „Todesrad als Reaktion auf eine Art von Torschusspanik“
  • Taktik/ Strategie um zumindest einen Teil der Laichschnüre befruchten zu können
  • Anderer Erklärungsansatz – Liebe macht blind – Hormoncocktail der triebgesteuerten Männchen führt über einen Wahrnehmungsverlust zum gezeigten Fehlverhalten.

*Augenzwinker


Tag 1: alle Jahre wieder…
Tag 2: weiter geht es…
Tag 3: Aufbau letzter Akt…
Tag 4: de Zoch kütt früh…
Tag 5: Gullys entschärfen…
Tag 6: Tödlicher Liebesrausch…
Tag 7: Ende gut, alles gut…
Tag 8: Zaunkontrolle statt TV-Koma…
Tag 9: Laich überall Laich…
Tag 10: Nachkontrolle Gullys…