Amphibienschutz in Herne 2020 (Tag 16)

Demontage des Amphibienschutzzauns im LSG Pluto V

Tag 16: Sonntag 14.04.2020 – Schicht am Schacht

Der Amphibienzaun steht seit dem 15.02.2020 auf der Böschungskante an der Berliner Straße im LSG Pluto V. Der zurückliegende Monat war ernüchternd, denn seit dem 12.03.2020 hat es nicht einen weiteren Eimerfunde gegeben, womit sich die Befürchtungen dahingehend bewahrheitet haben, dass sich das diesjährige Amphibienaufkommen im Vergleich zum Vorjahr dramatisch reduziert hat.

Abbau – umgefahrene Leitpfosten zweckentfremdet als Zaunersatz zum Schutz der Amphibien.

Da laut Wetterprognose auch in den nächsten Tagen der sehnlichst erwartete Niederschlag ausbleibt, ist die Zeit gekommen, das Amphibienschutzprojekt 2020 für beendet zu erklären und den Schutzzaun alsbald abzubauen. Der zeitige Abbau ist auch deshalb erforderlich, um den zurückwandernden Amphibien den Weg ins Sommer- und Winterquartier barrierefrei zu ermöglichen.

Abbau des Amphibienschutzzauns in 7 Schritten

Der Abbau entspricht grob dem Aufbau logischerweise in entgegengesetzter Reihenfolge der Arbeitsschritte. Die Hauptaufgabe bei der Demontage des Schutzzauns besteht darin, alle Zauneinzelteile auf der 300-Meter-langen Böschungskante zusammenzusammeln und zum Depotplatz zu bringen. Für die eigentliche Demontage müssen lediglich alle Zaunanker und die Heringe aus dem Boden gezogen sowie die Zaunelemente aus dem grünen Kunststoffgeflecht sorgfältig zusammengerollt werden. Waren die beiden Endgegner beim Aufbau die Brombeeren und die Abdichterde gewesen, so ist es beim Abbau definitiv das Zusammenrollen des grünen Kunststoffzauns, was aufgrund der Platzsituation oben auf der Böschungskante mindestens genauso so ätzend ist, wie die Brombeerbekämpfung im Rahmen des Aufbaus, allerdings mit dem wesentlichen Unterschied, dass hierbei kein Blut fließt.

Abbau ist wie Aufbau, nur schneller!

Im Vergleich zum Aufbau ist der Abbau selbsterklärend und da lästige und zeitintensive Arbeitsschritte wie die Brombeerbeseitigung, das ausheben der Löcher für die Fangeimer und die Schlepperei der Abdichterde entfallen, ist es wenig überraschend, dass die Arbeiten wesentlich weniger Zeit in Anspruch nehmen. Was beim Aufbau mit zwei Personen noch zehn Stunden gedauert hat, benötigt beim Abbau im Zwei-Mann-Team nur noch zwei Stunden. Beim Abbau ergibt sich eine Erschwernis daraus, dass der Zaun teilweise mit Pflanzen und Gräsern durchwachsen ist. Die feinen Wurzeln der Pflanzen stecken im Gewebe des Zauns und müssen davon entfernt werden. Vermehrt am Kunststoffgeflecht klebende Schnecken müssen entfernt werden, wohingegen Verunreinigungen durch Vogelkot unbeachtet bleiben.

Sorgfalt ist trotzdem geboten!

Durch den fortschreitenden Vegetationsschub ist die freie Fläche oben auf der Böschungskante wesentlich kleiner geworden, doch Platz und eine gerade Strecke benötigt man für das sorgfältige Zusammenlegen des Kunststoffgeflechts. Die Betonung liegt hierbei unbedingt auf dem Wort sorgfältig, weil ansonsten im Folgejahr das Problem eines verdrillten Zauns auftritt, der viel Zeit beim Entwirren in Anspruch nimmt und zu einem erhöhten Aufbaustress führt. Sollte ich es bisher noch nicht erwähnt haben, dann hole ich das hiermit nach – das sogfältige Zusammenlegen des Zaungeflechtes ist der Endgegner des Abbauens, was auch daran liegt, dass sich die getrockneten Reste des Brombeerrückschnitts im Kunststoffgeflecht verfangen und vorsichtig davon befreit werden muss.


Die 7 Arbeitsschritte beim Abbau:

  1. Spannleine von den Zaunankern lösen
  2. Zaunbodenanker aus trockenen Boden ziehen
  3. Etiketten der Eimer-Nummerierung einsammeln
  4. Eimer aus den Aushebungen nehmen und die Löcher mit den Steinen verfüllen, die zum Aufrichten des Zauns genutzt wurden (Sichern der Löcher und des Materials für das Folgejahr)
  5. Erde/ Abdichtmaterial vom Zaungewebe schütten, Pflanzen lösen, grob anheftenden Verschmutzungen abklopfen
  6. Zaun so akkurat  in Bahnen zusammenlegen & dann zusammenrollen, dass man ihn im nächsten Jahr, ohne viel Stress auf der schmalen Böschungskante wieder ausrollen kann.
  7. Das ganze Material (Zaunsegmente, Bodenzaunanker, Erdheringe, Eimer) zum Depotplatz schleppen

Ende im Gelände

Nach 2-stündiger Solo-Vorarbeit am Vortag, an dem ich schon zwei der drei Zaunsegmente geräumt hatte, dauerte es heute zusammen mit Didi eine weitere Stunde bis alle Zauneinzelteile endgültig am altbewährten Depotplatz zur Abholung bereit liegen.

Material eines 300-Meter-Amphibienschutzzauns am altbewährten Sammelplatz.

Zum letzten Mal offiziell um den Teich

Bei einem abschließenden Rundgang um das größere der beiden Feuchtbiotope im LSG PLUTO V konnten die ersten kleineren Kaulquappen-Schwärme beobachtet werden. Kröten sind auf dem ersten Blick nicht zu sehen, was vermutlich mit ihrer bevorzugten Nachtaktivität und der tageszeitbedingten UV-Strahlung zusammenhängt.

Der Teich im LSG Pluto Mitte April – die Trockenphase hat ordentlich Volumen gekostet.

Didi ist sich bei den Kaulquappen sicher, dass es sich hierbei um Larven der Erdkröte handelt. Molche unterscheiden sich dadurch, dass sie im Gegensatz zu den Erdkröten-Kaulquappen Einzelgänger sind und andere Arten aktuell nicht im Habitat vorkommen. Da auch die Kreuzkröten erst später unterwegs sein werden, ist seine These einleuchtend.

Unser Lohn – die ersten Kaulquappen der Erdkröte sind zahlreich im Uferbereich zu entdecken.

Darüber hinaus ist das typische Schwarmverhalten der Erdkröten zu erkennen. Die Strategie beruht auf der Täuschung potentieller Beutegreifer und ist mit dem Verhalten von Fischen oder Staren vergleichbar, die zum Schutz vor Beutegreifern ebenfalls einen großen Gesamtorganismus imitieren. Eine Strategie die sich gegen Beutegreifer, wie es scheint, evolutionär bewährt hat.

Wasserstandsmeldung auch nach Projektende nötig

Obwohl das diesjährige Amphibienschutz-Projekt im LSG Pluto V mit dem Abbau beendet ist, werden wir den Teich an der Berliner Straße im LSG Pluto V auch in den nächsten Wochen weiter im Auge behalten müssen, da dieser schon Mitte April einen Wasserstand aufweist, der höchstbedenklich ist und möglicherweise auch in diesem Jahr wieder eine Evakuierungsmaßnahme erfordern wird.

Auswertung braucht länger…

Da es nach dem Zwischenfazit bis zum Tag des Zaunabbaus hinsichtlich des Amphibienaufkommens zahlenmäßig keinerlei Veränderungen gegeben hat, entsprechen die Zahlen der Halbzeitbilanz den Zahlen des diesjährigen Krötenzaun-Projektes 2020, was einer weiteren Betrachtung unter Verweis auf den Beitrag zum Zwischenfazit überflüssig werden lassen könnte. Doch an dieser Stelle sei schon darauf hingewiesen, dass zur ausführlichen Analyse der Ergebnisse und potentieller Ursachen noch ein separater Beitrag folgt.

Zwischenfazit der ersten 4 Wochen des Amphibienschutz-Projektes 2020.

Blick nach Vorne oder was 2020 noch zu erwarten ist

In der theoretischen Auswertung werde ich unter Anwendung einfacher Methoden der Deskriptiven Statistik versuchen, die erhobenen Daten in Form von Tabellen und Abbildungen plakativ darzustellen, um etwaige Zusammenhänge optisch ableiten zu können. Abschließen werde ich den theoretischen Teil mit einem Resümee und einem Ausblick auf die Krötensaison 2021 – was war gut, was bedarf einer Anpassung?!

Daüber hinaus wartet im Herbst, wenn es die aktuellen CORNA-Beschränkungen tatsächlich erlauben sollten, auch noch das „Nachspiel“ der Gully-Aktion im Eickeler Park, wo die städtische Behörde mit uns zusammen eine langfristige Lösung für die prekäre Gully-Situation im Park finden möchte. Spätestens nach diesem konstruktiven Treffen wird es einen weiteren Beitrag zum Thema Amphibienschutz in Herne geben.


2 Gedanken zu „Amphibienschutz in Herne 2020 (Tag 16)

    • Vielleicht solltest Du Dein Verständnis von Umsiedlung vorab definieren. Denn das kurzweilige Fangen und der Transport von Tieren, über eine stark frequentierte Straße zum Schutz dieser Tiere, um sie zeitnah auf der anderen Straßenseite wieder auszusetzen, entspricht nach meinem Verständnis keiner Umsiedlung.

      Wenn man Tiere von Ort A entnimmt und sie zu einem entfernten Ort B bringt, dann sollte sich diese Maßnahme direkt auf die Population sowohl an Ort A als auch an Ort B auswirken?! Einen „solchen Effekt“ impliziert ja die Logik einer Umsiedlung?!

      Nur leider hast Du entweder den Beitrag nicht gelesen oder Du bist kognitiv nicht in der Lage den Inhalt des Beitrages zu verstehen. Bei ersterem würde ich Dir raten, den Beitragstext zu lesen, bei dem anderen Problem kann Dir vielleicht ein Neurologe weiterhelfen?!

      Also Klein Erna, Locker vom Hocker oder wie auch immer Du dich nennen willst – ich wünsche Dir einen schönen Tag!!!

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