Amphibienschutz in Herne 2020 (Tag 17)

Tag 17: Mo. 13.4.2020 – Rettung mit Eigennutzen…

Umquartierung von Regenwürmern

Beim diesjährigen Abbau des Amphibienschutzzauns kam es zu einer ungeplanten Rettungsaktion, die durch Steigerung der Humus-Produktion im heimischen Komposthaufen und einer damit einhergehenden Verbesserung der Bodenqualität einen positiven Nebeneffekt mit sich bringen sollte. In den zwei Monaten, während der Krötenzaun in der Botanik an der Berliner Straße im LSG Pluto V steht, sind im Bereich am Zaun und in der Erde, die zum Abdichten des Zauns angeschleppt und auf den Zaunsaum verteilt wurde, allerlei Pflanzen gewachsen. Neben Massen von Knoblauchsrauke findet sich eine Vielzahl weiterer Ackerkräuter.

Rechts im Bild die wuchernde Knoblauchsrauke.

Von der Knoblauchsrauke bis zum Löwenzahn finden sich eine ganze Reihe von Wildkräuterpflanzen, die durch den Brombeerrückschnitt profitieren konnten und den neugeschaffenen Freiraum effektiv für sich genutzt haben. Neben den Pflanzen haben sich auch Regenwürmer in dem neugeschaffenen Habitat eingelebt.

Regenwürmer – da war doch was…

Aufmerksame Leser des Blogs erinnern sich natürlich, dass das Thema Regenwürmer kurz nach den Starkregen-Ereignissen Mitte Februar schon einmal im Blog angeschnitten wurde. Damals waren es nämlich Regenwürmer, die uns im Rahmen des Amphibienschutz-Projektes 2020 veranlasst hatten, Löcher in die Böden der Fangeimer zu stanzen. Diese regenwurmgerechte Modifizierung wurde nötig, da aufgefallen war, dass sich nach den massiven Niederschlagmengen (>25 Liter/ Quadratmeter) vermehrt Regenwürmer in den Fangeimer befunden hatten, von denen darüber hinaus viele im gestauten Wasser ertrunken sind.

Gerettete Regenwürmer aus dem Fangeimer (Februar 2020).

Hätten man auch früher drauf kommen können

Eine proaktive Herangehensweise an diese Problematik hätte zugegebenermaßen längst erfolgt sein können, allerdings hieß es dazu bisher immer, dass die Maßnahme aufgrund der Bodenbeschaffenheit im oberen Bereich auf der Böschungskante – ein steiniger und zu verdichteter Untergrund – wenig Aussicht auf Erfolg hätte. Inwieweit die Löcher tatsächlich hilfreich waren, lässt sich im Nachhinein aufgrund der anhaltenden Trockenheit im Zeitraum danach nicht abschließend beurteilen. Aber genau diese Regenwürmer, die durch den massiven Regen im Februar an die Erdoberfläche „gespült“ wurden und denen die damalige Maßnahme galt, leben unter anderem in der Erde, die auf dem Zaunsaum aufgeschüttet ist.

Modifizierung der Fangeimer mit einem Zaunbodenanker.

Mit dem Abbau ergibt sich Gefahrenlage

Durch den Abbau und das Freiräumen des Zaungeflechts von der Abdichterde liegen die Würmer hilflos an der Erdoberfläche und konnten ganz einfach aufgesammelt werden, was insofern erforderlich wurde, da die umliegenden Bodenschichten aufgrund des ausbleibenden Niederschlags ausgetrocknet und somit steinhart waren. Darüber hinaus sind diese Bereiche nach dem Abbau des Zauns unbeschattet und der Sonnenbestrahlung ausgesetzt, was mich in meiner Annahme bestärkte, dass die auf Feuchtigkeit angewiesenen Würmer möglicherweise Trockenschäden erleiden könnten.

Mit dem Abbau des Zauns schwindet auch der Sonnenschutz der direkten Bereiche hinter dem Zaun, der die letzten 2 Monate mehr oder weniger sonnen- und windgeschützt war. Mit dem Abbau des Amphibienschutzzauns haben sich die Lebensbedingungen also erheblich verschlechtert. Die Regenwürmer steckten teilweise in den verkrusteten Erdbrocken, die vom Zaunsaum geräumt wurden. Inwieweit es ihnen bei diesen suboptimalen Bodenverhältnissen trotzdem möglich gewesen wäre, sich in den Boden wieder einzugraben, war mehr als fraglich.

Regenwürmer sind robuster als gedacht

Zugegebenermaßen kenne ich mit den Lebensgewohnheiten von Regenwürmern noch weniger aus, als ich mich mit denen von Kröte und Frosch auskenne, weshalb ich die meisten von ihnen aufgesammelt und in die Jackentasche gesteckt habe. Natürlich mit der Absicht sie zeitnah wieder freizulassen. Bei der gefolgten Internet-Recherche konnte ich dann allerdings in Erfahrung bringen, dass Regenwürmer wohl mit Hitze und Trockenheit kein großes Problem haben, da ihre Wohlfühltemperatur zwischen 10 und 15 Grad liegt, sie sich aber einfach tiefer in die Erde graben können, wenn es ihnen zu warm und zu trocken wird. Im Extremfall können sie sich sogar zu einem Knäuel zusammenringeln und eine Art Sommerschlaf halten. Wobei dazu gesagt werden muss, dass die Eingrabe-Taktik am Zaun auch nicht klappt, da die aufgeschüttete Erde maximal 10-20 cm hoch ist und der engmaschige Zaunsaum aus Kunststoffgeflecht ein Eingraben in tiefere Regionen unterbindet.


Improvisierte Heimfahrt im Wurm-Taxi

Nachdem das Zaungeflecht des Amphibienschutzzauns zusammengerollt und die Abbauarbeiten für den Tag beendet waren, ging es mit dem Fahrrad nach Hause, um die Regenwürmer im heimischen Kompost der Natur zurückzugeben. Während des Transports der Regenwürmer in meiner Jackentasche hatte sich das Wurmallerlei bestehend aus 30 Würmern verschiedener Größen und Arten zu einem kompakten Knäul umwunden.

Das „Transport-Kugel“ – als Einheit gegen die äußeren Bedingungen.

Erklärungsversuche für dieses Verhalten

Meine Vermutung ist, dass die Knäul-Formation eine Möglichkeit bietet, die lebensnotwendige Feuchtigkeit zu erhalten und im inneren des Wurmgebildes ein optimales Mikroklima zu schaffen. (Vergleichbar mit der Wintertraube bei den Bienen im Bienenstock, die sich auf dieser Weise vor dem negativen Einfluss einer zu tiefen Außentemperatur schützen).

Möglicherweise sind es auch die ersten Vorbereitungen, um kollektiv in den Sommerschlaf-Modus zu fallen. Schließlich war es in der Tasche meiner Jacke alles andere als feucht, und eingraben konnten sie sich auch nicht, um der Trockenheit zu entfliehen, also empfiehlt die instinktive Regenwurm-Taktik, die heikle Situation auszuschlafen. Ganz nach dem Motto eines ewigen Optimisten – Morgen wird die Welt schon eine bessere sein und wenn nicht Morgen, dann Übermorgen?!


Willkommen im Schlaraffenland für Destruenten

Direkt nachdem das Wurmknäul auf den Kompost gelegt war, entwirrte sich der Gordische Knoten und jeder Wurm begann sodann sich in das Schlaraffenland aus organischem Allerlei einzugraben. Sollte es den Würmern auf dem Kompost entgegen meiner Erwartung dennoch nicht so gut gefallen, besteht jeder Zeit die Möglichkeit, dass sie sich durch die Unmengen an Biomasse hindurchgraben und über den offenen Kompostboden zurück ins Erdreich gelangen.

Das Wurmknäul entknotet sich und verschwindet unmittelbar in der Biomasse.

Kritische Selbstreflexion…

Aus Perspektive des Naturschutzes kann man natürlich geteilter Meinung sein, inwieweit es gutzuheißen bzw. zu rechtfertigen ist, Tiere aus dem einen Habitat zu entnehmen, um sie in einem anderen wieder freizulassen. Andererseits bestand durch den Zaunabbau akute Gefahr durch die Sonneneinwirkung bei gleichzeitig verkrustetem und steinhartem Boden. Und wenn ich bedenke, dass Regenwürmer auch gesammelt werden, um sie als Köder bei der Fischjagd zu verwenden, schwinden meine Bedenken hinsichtlich dieser Zwangsumsiedlung unmittelbar und vollkommen. Zumal die lokale Wurmpopulation durch die Schröpfung von 30 Exemplaren sicherlich nicht in ihrer Existenz bedroht sein wird.


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