Kurioses aus der Landschaft – Hightech auf der Pferdekoppel I: Die Möchtegern-Zebras

Karneval auf der Pferdekoppel bei strahlendem Sonnenschein

Was auf dem ersten Blick zugegebenermaßen ziemlich bescheuert aussieht und mich auf der heutigen Laufrunde zumindest innerlich auflachen lassen hat, basiert bei näherer Betrachtung der Fakten auf einer genialen Anwendung wissenschaftlicher Erkenntnisse.

Aber was soll die Maskerade auf der Pferdekoppel?

Zebradecke in Kombination mit den rosa Ohren – bei der Optik bleibt zu hoffen, dass Pferde nicht über ein zu sehr ausgeprägtes Schamgefühl verfügen.

Charles Darwin (1809-1882) – Begründer der Evolutionstheorie

Schon im Biologie-Unterricht an der Schule lernt man, dass das, was die Natur über Jahrtausende hervorgebracht hat, zumindest unter Gesichtspunkten der Darwin’schen Evolutionstheorie nützliche Vorteile aufweisen sollte, denn sonst hätte es beim „struggle of the fittest“ (= struggel for live + survival of the fittest) wohl keine Chance gehabt, sich durchzusetzen. Auch die typische Fellzeichnung der in Afrika heimischen Zebras ist nicht bloß eine Laune der Natur. Sie bietet Schutz vor Angreifern, das sind vor allem Prädatoren wie Löwen und Hyänen, aber der Effekt des Farbmusters wirkt auch bei blutsaugenden Parasiten wie Bremsen und Stechfliegen.

Was bringt die Fellzeichnung dem Zebras ?
Insektenschutz? Schutz vor Beutegreifern? Klimaanlage? Kommunikation?  

Die Funktionen der Zebrastreifen werden kontrovers diskutiert. Einige dieser Erklärungsversuche wurden widerlegt, andere konnten dahingegen bewiesen werden, während andere noch einer genauen Analyse standhalten müssen. Die gängigsten und ältesten Erklärungsversuche gehen davon aus, dass das Zebrastreifenmuster durch Verwirrung und Tarnung dem Schutz vor Beutegreifern wie Löwen und Hyänen dient.

Neben der Schutzfunktion werden weitere Erklärungsansätze diskutiert. Ein anderer Ansatz verortet den Nutzen der Zebrastreifen in der innerartlichen Kommunikation. So sollen die Mustervariationen der Identifizierung von Individuen innerhalb einer Herde dienen. Einen thermoregulatorischen Effekt des Schwarz-Dunkel-Farbwechsels wird ebenfalls diskutiert, allerdings konnte dieser in Studien bisher nicht eindeutig belegt werden.

Statt mit rosafarbener Gesichtsmaske – hier im dezenten Schwarz und mit Augenpaar drauf. Warnen und Tarnen aus menschen Hand!

Die neusten Erkenntnisse der Wissenschaft

Neuste wissenschaftliche Untersuchungen (vgl. Melin 2016) konnten allerdings keine Hinweise finden, die den von Darwin postulierten Tarneffekt zum Schutz vor Prädatoren belegen. Nach den Forschern wäre ein wirksamer Tarneffekt gegenüber Prädatoren evolutionär dermaßen bevorteilt, dass er sich auch bei vielen anderen Arten hätte durchsetzen müssen, die in Umgebungen mit ähnlicher Vegetation und unter ähnlichem Beutegreiferdruck existieren.

Die Untersuchungen des Forscherteams hätten zudem ergeben, dass ein optischer Mustereffekt in einer Entfernung zum Tragen kommt, in der Geruch und Gehör für eine erfolgreiche Jagd ausreichend sein würden. Aus den angeführten Gründen wird die Tarn-Hypothese für wenig plausibel bewertet. Die neusten wissenschaftliche Ergebnisse des Forscherteams hätten vielmehr gezeigt, dass die Funktion der Fellzeichnung nicht der Tarnung vor Prädatoren dienen kann, sondern die Zebras lediglich vor lästigen Attacken blutsaugender Parasiten schützt.

Der Insektenschutz basiert auf der physiologischen Tatsache, dass sich die Funktionsweise von Facettenaugen der Insekten im Vergleich zur Funktionsweise des menschlichen Auges grundlegend unterscheidet. Der durch den Schwarz-Weiß-Wechsel erzeugte Effekt täuscht die Insektenwahrnehmung dermaßen, dass ein Landen auf der Oberfläche des Zebras verkompliziert ist. Der Effekt verstärkt sich, wenn das Zebra in Bewegung ist, was bei einem Fluchttier ständig der Fall ist. Da die Tsetsefliege nicht nur lästig ist, sondern auch als Überträger der für Pferde tödlichen Tierseuche Nagana gilt, ist ein Schutzmechanismus vor den Parasiten durchaus eine evolutionär begünstigte Eigenschaft.

Geteiltes Leid, ist halbes Leid! Die Zebra-Connection auf einer Pferdekoppel in Bochum-Hordel.

Und was hat das alles mit Pferden auf der Koppel im Ruhgebiet zu tun?

Auch Pferde werden von lästigen Parasiten vor allem Bremsen gepiesackt. Durch die Verwendung dieser Decken im Zebra-Look verspricht sich der besorgte Pferdebesitzer denselben Effekt zu erreichen, die das natürliche Streifenmuster der Zebras  bei der Tsetsefliege in Afrika bewirkt. Inwieweit diese kommerziellen Pferdedecken auch einhalten, was sie versprechen, dazu kann ich zwar nichts sagen, glaubt man aber den Personen, die diese Decken für ihre Pferde erworben und eine Produktbewertung verfasst habe, so sind die meisten dieser Kunden davon überzeugt, dass ihre Pferde Dank der Decken weniger von den Blutsaugern malträtiert werden und sich die Pferde dadurch ruhiger auf der Koppel verhalten.


WEITERE BEITRÄGE ZUM THEMA:

Aber nicht nur Zebradecken kommen beim Kampf gegen die blutsaugenden Bremsen zum Einsatz, in einem anderen Beitrag mit dem Titel „Kurioses aus der Landschaft – Hightech auf der Pferdekoppel II“ erfährst Du welche Maßnahme besorgte Pferdebesitzer noch ergreifen, um ihre Pferde vor Bremsen zu schützen und inwieweit diese Maßnahme im Sinne des Artenschutzes ist oder auch nicht.


QUELLE:

Melin AD, Kline DW, Hiramatsu C, Caro T (2016) Correction: Zebra Stripes through the Eyes of Their Predators, Zebras, and Humans. PLOS ONE 11(3): e0151660


Ein Gedanke zu „Kurioses aus der Landschaft – Hightech auf der Pferdekoppel I: Die Möchtegern-Zebras

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