Kurioses aus der Landschaft: der ferngesteuerte Mähroboter bei der Deichpflege am Hüller Bach

Anfang Juli konnte ich bei einer meiner Laufrunde durch das Revier rund um Hüller Bach und Erzbahntrasse ein Novum bei der Deichpflege beobachten. Wer jetzt eine Beweidung der Landschaft durch Ziegen und Schafe erwartet, der liegt falsch. Denn die hatten erst ein paar Wochen später im September ihren Einsatz in der Landschaftspflege im LSG Röhlinghausen. Bei dem im Juli beobachteten Novum handelte es sich um ein ferngesteuertes und kettenbetriebenes Novum. Während auf den Hangflächen ein gewöhnlicher Aufsitzmäher mit langer Schneide zum Einsatz kommt, sorgte im Bereich unterhalb der Fußgängerbrücke ein kettenbetriebener Mähroboter für den akkuraten Rasenschnitt.

Hauptgrund für den Einsatz des Spezialwerkzeugs ist der Schutz des Mitarbeiters, der aufgrund der Steilheit und der damit einhergehenden Absturzgefahr notwendig wird. Das Hauptziel nahezu jeder Deichpflegemaßnahme ist dahingegen der Funktionserhalt der technischen Anlage Deich und damit die Gewährleistung des Schutzes der unmittelbar hinter den Deichen liegenden Wohngebiete vor Überschwemmungen.

Deichpflege – Rasenmähen für mehr Sicherheit im Hochwasserschutz

Bei uns im Dreistädteeck von Bochum, Herne und Gelsenkirchen sind es vor allem Starkregenereignissen, die die Wasserstände von Goldhammer Bach, Dorneburger Bach oder Hüller Bach innerhalb von Minuten schlagartig ansteigen lassen und das Potential haben, einen vorgeschädigten Deich zu zerstören. Denn im Fall eines starkregenbedingten Hochwassers wirken auf die Anlage für einen begrenzten Zeitraum relativ hohe Kräfte, die von der technischen Anlage kompensiert werden müssen. Auch den Anforderungen anhaltender Hochwasserlagen muss der Deich genügen. Der Untergrund des Hangs darf auch bei längerer Belastung unter keinen Umständen zu schnell aufweichen, weil ein aufgeweichter Untergrund in Kombination mit den Kräften der Wassermassen zur Destabilisierung des Deichs führen kann.

Eine gesunde Grasnarbe Grundvoraussetzung für Stabilität

Damit die Deichanlage des Hüller Bachs funktionsfähig ist und bleibt, bedarf es einer intakten und kompakten Grasnarbe, die Bodenerosionen verhindert und nur durch regelmäßige Pflegemaßnahmen zu erreichen ist. Denn jeder Gärtner weiß, dass sich auf einer Wiesen, die längere Zeit nicht gepflegt wird, nach und nach Beikräuter, Gräser und Stauden einschleichen oder es früher oder später zu kahlen Stellen und Löchern kommt, die die Kompaktheit der Fläche und damit vor allem die Fähigkeit reduziert, fließendes Wasser widerstandsarm vorbeilaufen zu lassen.

Destabilisierung des Deichs durch erodierende Einflüsse

Aus dem Grund ist im Rahmen der Deichpflege auch die gesamte Vegetation zu entfernen, die Stabilität und Funktionsfähigkeit des Deiches stören oder negativ beeinträchtigen könnten. Da mit zunehmender Bewuchshöhe auch die Kräfte zunehmen, die durch das fließende Wasser im Hochwasserfall auf die Pflanzen wirken, haben die Pflegemaßnahmen regelmäßig zu erfolgen. Kritisch wäre auch, dass blütenreichere Pflanzenarten unter Umständen Insekten anlocken, die durch ihre Bauten die Deichstabilität gefährden, was unbedingt zu vermeiden ist. Die Pflegemaßnahmen dienen darüber hinaus auch immer der visuellen Kontrolle, da sich vor allem Kleintierbauten von Hase, Fuchs und Maulwurf, aber auch Ameisenhügel nachteilig auf die Deichstabilität auswirken, wird der Bestand der relevanten Arten durch eine angepasste Vegetationspflege und Bejagung im Deichumfeld reguliert.

Anthropogener Einfluss als Ursache vieler Probleme

Während es beim heimischen Hüller Bach als größten Zufluss der Emscher die spontanen Starkregenereignisse sind, die durch den fortschreitenden Klimawandel in den nächsten Jahren in Anzahl und Intensität bedeutend zunehmen werden, haben die großen Flüsse Deutschlands wie die Donau, der Rhein, die Elbe oder die Oder regelmäßig mit steigenden Pegeln zu kämpfen. Doch das eigentliche Problem ist keinesfalls das natürliche Hochwasserereignis, das Grundproblem vieler Fließgewässer ist wieder einmal mehr der Mensch und die Tatsache, dass wir die Flüsse einbetoniert, begradigt und schiffbar gemacht haben. Zudem sind viele Flüsse zu dicht bebaut und verfügen deshalb über zu wenig Platz, um folgenlos über die Ufer austreten zu können, weshalb es Jahr für Jahr zu lokalen Überschwemmungen kommt.


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