Aktuelles aus der Landschaft – die tote Rotfeder und die Forderung eines Aktionsplans Stadtgewässer

Problemfeld Kleingewässer im Stadtgebiet von Herne

Forderung: „Herne braucht einen Aktionsplan für resiliente Feuchtbiotope

Die erste Augustwoche 2020 mit ihren Tageshöchsttemperaturen stetig über 30°C hat den Feuchtbiotopen auf Herner Stadtgebiet nach den ohnehin schon wiederholt niederschlagsarmen Vormonaten erheblich zugesetzt. Die Wasserstände vieler Gewässer haben aber nicht erst seitdem einen mindestens kritischen Pegel erreicht, denn einige Kleingewässer wie beispielsweise die beiden Feuchtbiotope im LSG Pluto V oder auch der Tümpel auf der Plutohalde im NSG Berghalde Pluto-Wilhelm liegen schon mindestens seit Anfang Juli komplett trocken.

Der kritische Punkt im Sommer 2020 scheint erreicht?!

Dennoch hat die jüngste Hitzeperiode die Situation weiter verschärft und dazu beigetragen, dass nun auch Gewässer in Bedrängnis geraten sind, die bis zum jetzigen Zeitpunkt noch keine gravierenden klimabedingten Stresssymptome aufgewiesen hatten. Zu diesen resilienteren Gewässern auf Herner Stadtgebiet zählen eigentlich auch die sieben Feuchtbiotope, die um die Thyssenhalde herum angelegt sind, über eine vernünftige Tiefe verfügen und regelmäßig über das Drainagesystem mit Haldenoberflächenwasser gespeist werden.

  • Feuchtbiotop an der Thyssenhalde im NSG Berghalde Pluto-Wilhelm
  • Feuchtbiotop an der Thyssenhalde im NSG Berghalde Pluto-Wilhelm
  • Feuchtbiotop an der Thyssenhalde im NSG Berghalde Pluto-Wilhelm
  • Feuchtbiotop an der Thyssenhalde im NSG Berghalde Pluto-Wilhelm
  • Feuchtbiotop an der Thyssenhalde im NSG Berghalde Pluto-Wilhelm
  • Feuchtbiotop an der Thyssenhalde im NSG Berghalde Pluto-Wilhelm
  • Feuchtbiotop an der Thyssenhalde im NSG Berghalde Pluto-Wilhelm

Todesursache akuter Sauerstoffmangel?!

Die gestrige Beobachtung einer toten Rotfeder, die eine stattliche Größe von geschätzt 35 cm aufwies, ist allerdings ein deutliches Indiz dafür, dass mittlerweile auch diese Gewässer für aquatische Lebensformen zunehmend zur Todeszone werden. Neben dem Totfund weisen auch faulige Gerüche im unmittelbaren Umfeld der Feuchtbiotope auf die aktuellen hochsommer-typischen Probleme dieser künstlich geschaffenen Ersatzgewässer hin.

Die zahlreichen Fliegen auf dem Fischkörper sind ein sicheres Zeichen dafür, dass der Fisch schon einige Tage tod sein wird. Die genaue Todesursache lässt sich nicht ermitteln (BILD 14.08.2020).

Hintergrund, Theoretische Überlegungen & Problemanalyse

(1.) Anstieg der Wassertemperatur wird durch gleichzeitige Abnahme des Wasservolumens im Gewässer begünstigt und verstärkt. Da die Löslichkeit von Sauerstoff in Wasser stark temperaturabhängig ist, führt ein Temperaturanstieg folglich zur Abnahme der Konzentration vom im Wasser gelösten Sauerstoff.

(2.) Höhere Wassertemperaturen katalysieren die sauerstoffzehrenden Zersetzungsprozesse am Gewässerboden (vgl. RGT-Regel), was den Sauerstoffgehalt weiter herabsetzt.

(3.) Mit abnehmendem Wasservolumen steigt die Konzentration an Nährstoffen (Phosphaten, Nitrate, etc.), was im Sommer durch die jahreszeitbedingte vermehrte UV-Bestrahlung zu einem Anstieg des Algenwachstums führt.

(4.) Die jahreszeitbedingte Sommer-Stagnation führt außerdem dazu, dass die Zirkulation, also die natürliche Durchmischung von Wasserschichten aus unterschiedlichen Temperatur-zonen innerhalb des Gewässers, nahezu zum Stillstand kommt.

(5.) Vermehrt in den Sommermonaten auftretende Starkregenereignisse, die mit einer Einbringung großer Mengen organischer Stoffe (Pollen, Pflanzenteile, etc.) ins Gewässer einhergehen, können das sogenannte Umkippen bzw. die Eutrophierung des Gewässers begünstigen und beschleunigen. Denn die mit dem Einleitungswasser eingebrachten organischen Stoffe werden im Gewässer mit Hilfe von Bakterien unter erheblichem Sauerstoffbedarf abgebaut.

Das sollten aus meiner persönlichen Sicht als Nicht-Ökologe im Prinzip die wesentlichen Kausalitäten und Faktoren sein, warum Gewässer vor allem im Sommer umkippen und somit zur Todesfalle für viele aquatische Lebensformen werden.

Zusammenfassung, Resümee, Zwischenfazit

Abnahme der Wasserstände, Anstieg der Wassertemperatur und Zunahme sauerstoffzehrende Abbauprozesse mit vermehrter Faulgasproduktion führen in der Summe zum Absinken des Sauerstoffgehaltes im Wasser. Da die verschiedenen aquatischen Lebensformen (Fische, Amphibien, etc.) für ihre Lebensfähigkeit von bestimmten Habitat-Bedingungen abhängig sind, wozu auch ein Mindestgehalt an im Wasser gelöstem Sauerstoff gehört, gehen Abweichungen von diesen Mindestanforderungen mit dramatische Folgen einher. Sinkt der Sauerstoffgehalt unter einen kritischen Wert ab, führt dies unweigerlich zum Sterben der Arten deren Anforderungen an das Habitat nicht mehr hinreichend erfüllt sind.

Viel Zeit zum Handeln bleibt nicht!!!

Da sich die Situation klimawandelbedingt auch in den nächsten Jahren aller Voraussicht nach nicht von selbst gelöst haben wird, sondern sich wohl eher weiter verschlechtern wird, muss die Stadt im Sinne des Artenschutzes über Strategien nachdenken, um diesen problematischen Entwicklungen proaktiv entgegenzuwirken.

Auch wenn die Stadt schon heute an einigen Standorten beispielsweise in Form von Auffüllaktionen wie am Feuchtbiotop im Landschaftspark Pluto V regulierend interveniert, so sind diese Aktionen doch aktuell nur ein Tropfen auf dem heißen Stein.

Die Stadt Herne benötigt für die nicht ausreichend resilienten Feuchtbiotope auf Herner Stadtgebiet m.E. unbedingt einen verbindlichen Aktionsplan („Mir ist nicht bekannt, dass es einen solchen Zukunftsplan aktuell gibt, sollte es doch einen geben, ist meine „Forderung“ natürlich obsolet.“), um den aquatischen Lebensformen trotz eines fortschreitenden Klimawandels und der damit einhergehende Wasserknappheit auch in Zukunft ihr Überleben zu sichern.

Denn eins sollte Jedem klar sein, bei den teilweise defizitär geschaffenen Ersatzgewässern im Stadtgebiet führt Warten und Nichtstun in einigen Habitaten unweigerlich zum Verlust der dortigen Artenvielfalt.


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