Kurioses aus der Landschaft – Hightech auf der Pferdekoppel III: Die Bremsenfalle

Gefahr erkannt – Gefahr gebannt! NRW-Umweltministerium reguliert räumlichen und zeitlichen Einsatz von Bremsen-Fallen.

In einem früheren Beitrag im Blog hatte ich von Beobachtungen aus der Landschaft berichtet, die ich im Zusammenhang mit Bremsenfallen zufällig gemacht hatte sowie von einer dazu passenden Studie, bei der mit wissenschaftlichen Mitteln die Effektivität und Selektivität dieser Fangmethode analysiert wurden. Die Studienergebnisse hatten meine Beobachtungen und die daraus resultierenden Bedenken hinsichtlich des Nutzens auf idealer Weise wiedergegeben. Mittlerweile wurde auch schon durch das Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen ein Runderlass zur Reglementierung des Einsatz von Bremsenfallen verfasst.


…Gefahr erkannt!

In dem Runderlass vom 11.09.2020 gibt das Ministerium Hinweise und Vollzugsanweis-ungen zum Einsatz von Bremsenfallen. Das Umweltministerium bezieht sich in dem Schreiben, das an die zuständigen Unteren Naturschutzbehörden aller Kreise und kreisfreien Städte adressiert wurde und diese zur zeitnahen Umsetzung anweist, auf die Studie von Jäckel et all (2017). Im Rahmen dieser Studie wurde gezeigt, dass Bremsenfallen auf Pferdekoppeln vor allem (> 96 %) für andere Insektenarten und nur zu einem geringen Anteil für Bremsen (< 4 %) zur tödlichen Falle werden.

…Gefahr gebannt!

Aufgrund dieser nicht gegebenen Selektivität der Fangmethode Bremsenfalle werden die „artenschutzrechtlichen Verbotstatbestände“ regelmäßig erfüllt, was für geschützte Arten laut Bundesnaturschutzgesetz, da ein grundsätzliches Fang- und Tötungsverbot besteht, von besonderer Relevanz ist. Und auch nach § 4 Absatz 1 Nummer 1 BArtSchV ist es verboten, wildlebenden Tieren der besonders geschützten Arten mit Fallen nachzustellen, sie anzulocken, zu fangen oder zu töten.

Auszüge aus dem Runderlass des NRW-Umweltministeriums:

(1.)      Ein generelles Verbot von Bremsenfallen innerhalb von Nationalparks,
FFH- oder Naturschutzgebieten oder gesetzlich geschützten Biotopen.

In dem Erlass vom 11.09.2020 heißt es hierzu, dass „die Naturschutzbehörden im Rahmen ihrer Zuständigkeit gemäß § 2 Absatz 3 LNatSchG sicherzustellen haben, dass Bremsenfallen nicht innerhalb des Nationalparks, eines FFH- oder Natur-schutzgebiets oder eines gesetzlich geschützten Biotops aufgestellt werden, da deren Einsatz grundsätzlich als Verstoß gegen die artenschutzrechtlichen Bestimmungen des § 44 Abs. 1 BNatSchG zu werten ist.“

In der Begründung des Verbots heißt es weiter: „Insbesondere in den naturschutz-fachlich wertvollen Schutzgebietskulissen sind regelmäßig Vorkommen hoch-spezialisierter besonders geschützter Arten (v.a. Schmetterlinge und Wildbienen) zu erwarten, sodass hier nicht mit der nötigen Sicherheit ausgeschlossen werden kann, dass durch den Einsatz von Bremsenfallen die Verbotstatbestände eintreten werden.“

(2.)      Zeitliche Begrenzung des Einsatzes außerhalb der unter (1.)
geführten Schutzgebiete auf die Hauptflugzeit vom 01.06. bis 15.09..

„Außerhalb der zuvor genannten Schutzgebiete lässt sich durch eine zeitliche Beschränkung des Einsatzes von Bremsenfallen auf die Hauptflugzeit der Bremsen (01.06. bis 15.09.) der Beifang anderer, besonders geschützter Insekten im Regelfall so vermindern, dass die artenschutzrechtlichen Verbote nicht erfüllt sind.“


Abschließende Gedanken:

Der neuerliche Erlass des MULNV NRW vom 11. September 2020 ist sicherlich nur als ein kleiner Schritt in die richtige Richtung hinzu mehr Artenschutz in NRW zu bewerten. Dennoch zeigt dieses Beispiel sehr anschaulich, wie es Dank einer relativ kleinen Studie und den passenden Ergebnisse gelingen kann, einen kleinen Beitrag zur Verbesserung der Gesamtsituation leisten zu können. Denn letztendlich sind es ja die vielen kleinen Schritte, die erst zusammen das Potential entwickeln, ein weitentferntes Ziel oder ein angestrebten Zustand eines Tages irgendwann zu erreichen. Steter Tropfen höhlt den Stein und Rom wurde schließlich auch nicht an einem Tag erbaut. Es gibt viel zu tun, die Natur benötigt jeden noch so kleinen Beitrag. Jeder von uns kann seinen Beitrag leisten und selbst wenn der Beitrag im ersten Moment unbedeutend erscheint, kann er entscheidend sein, um das große Ganze zu erreichen!!!


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2 Gedanken zu „Kurioses aus der Landschaft – Hightech auf der Pferdekoppel III: Die Bremsenfalle

    • Ich hatte ehrlichgesagt auch lange Zeit überhaupt keine Ahnung. Ich war erst davon ausgegangen, dass es sich dabei um irgendwelche Instrumente für ein Insektenmonitoring handeln würde, bis ich dann bei der Online-Recherche zu den Pferdedecken im Zebradesign auf den Seiten eines Anbieters für Pferdeutensilien zufällig auf das Bild einer angebotenen Bremsenfalle gestoßen bin. Dinge, die die Welt nicht braucht!!! Aber zum Glück wurden die Gefahren erkannt und dementsprechende Reglementierungen durch’s Umweltministerium NRW erlassen…
      LG Christian

      Gefällt 1 Person

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