Kurioses aus der Landschaft: Hidden Stone – ein kleines Meisterwerk zu Weihnachten

In den zurückliegenden Monaten habe ich einige Hidden Stones finden dürfen. Bis auf wenige Ausnahmen waren die Funde eher von geringer künstlerischer Qualität. Doch bei diesem Pottstein, den ich am zweiten Weihnachtsfeiertag gefunden habe, sah dies gänzlich anders aus.

Kleines Meisterwerk auf Stein gefunden auf der Wittenbergstraße in Röhlinghausen [BILD: 26.12.2020].

Maltechnik ausgereift, Motiv- und Steinauswahl mit Bedacht gewählt

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Kurioses aus der Landschaft: Besondere Zeiten erfordern besondere Maßnahmen – Weihnachtssegen-to-Go

Weihnachten und Kirche in Zeiten von Corona…

Für einige gehört der Weihnachtsspaziergang wie der Gänsebraten oder ein Besuch der Christmette am Heiligen Abend zum Pflichtprogramm der weihnachtlichen Feierlichkeiten. Dank der Bewegung an der frischen Luft kann dem in den besinnlichen Tagen schnell mal aufkommenden Weihnachtskollaps kurzzeitig entflohen und die Verdauung nebenbei auf die nächste Runde der kalorischen Völlerei vorbereitet werden. Darum ist ein Spaziergang spätestens am zweiten Weihnachtstag seit Jahren ein dankbarer und zugleich kalorienfreier Programmpunkt meines alljährlichen Weihnachtstreibens.

Zweiter Weihnachtsfeiertag, Wetter herrlich, Sonne satt, entspannte Gassi-Runde mit Bodo durch die weihnachtliche Landschaft von Hüller Bach und Erzbahntrasse.

Die diesjährigen Einschränkungen, die ein jeder durch den unerwünschten Dauergast Namens Covid-19 ertragen musste, waren sowohl was die vorweihnachtliche Adventszeit als auch die weihnachtlichen Festtage betreffen omnipräsent. So gab es weder Glühwein noch Weihnachtsmarkt, die feuchtfröhlichen Weihnachtsfeiern ob auf der Arbeit oder im Verein mussten ausfallen, auch die Kirche am Heiligen Abend konnte in diesem Jahr nicht stattfinden und selbst das familiäre Miteinander wollte und musste den bestehenden Corona-Beschränkungen untergeordnet werden und fiel zum Großteil denselben schlussendlich zum Opfer. Unabhängig von der weihnachtlichen Enge und einem drohenden Koller zwingt es mich als Läufer spätestens nach den ersten beiden Tagen der weihnachtlichen Mast nicht nur zur Bewahrung des familiären Weihnachtsfriedens raus in die Landschaft. Da mein Bruder in diesem Jahr am zweiten Weihnachtsfeiertag arbeiten musste, mit Bodo aber dennoch Gassi gegangen werden musste, war meine läuferische Weihnachtsrunde schon frühzeitig gesichert. Und Bodos Gassi-Runde wartete unmittelbar nach Verlassen der Haustür mit einer kleine weihnachtlichen Überraschung.

Weihnachten und Kirche zu Zeiten von Corona [BILD: 26.12.2020].

Schon aus der Entfernung waren an einer vor dem Eingangsportal der evangelischen Kirche an der Wittenbergstraße gespannten Wäscheleine dort hängende weiße und rosafarbene Briefumschläge zu sehen. Vor dem Kirchentor aus Holz hing außerdem ein Schild der Kirchengemeinde Wanne-Eickel Bezirk Röhlinghausen, das Jedem eine frohe Weihnacht wünscht und dazu einlädt, sich einen der Umschläge mitzunehmen. Wörtlich heißt es: „Gerne dürfen Sie sich einen Umschlag mitnehmen. Frohe Weihnachten wünscht die Evangelische Kirchengemeinde Wanne-Eickel, Bezirk Röhlinghausen.“ Zu dem Zeitpunkt wusste ich zwar noch nicht, was es mit dem Umschlag auf sich hat, aber ich komme der Aufforderung unmittelbar nach, nehme mir einen weißen Umschlag von der Wäscheleine und packe ihn ungeöffnet in den Laufrucksack. An den vielen bunten Wäscheklammern, die sich umschlaglos an der Leine befunden hatten, war zu erkennen, dass das bisherige Interesse an dem kirchlichen Angebot recht groß gewesen sein musste und anscheinend schon einige Briefe mit nach Hause genommen wurden.

„Gerne dürfen Sie sich einen Umschlag mitnehmen. Frohe Weihnachten wünscht die Evangelische Kirchengemeinde Wanne-Eickel, Bezirk Röhlinghausen.“ [BILD: 26.12.2020].

Nachdem ich Bodo nach der 10km-Runde durch die heimatliche Landschaft wieder an seiner Homebase abgelieferte hatte und selbst zu Hause angekommen war, erklärte sich mir nach Öffnen des Umschlags der Grund für die Weihnachtsaktion der Kirchengemeinde. Da alle Gottesdienste aufgrund der geltenden Pandemie-Gesetzgebung und der daraus resultierten Beschränkungen nicht in Gemeinschaft gefeiert werden durften, hatten die Kirchen nach alternativen Angeboten gesucht, um den Fokus zumindest kurzzeitig auf das eigentlich Wichtige zu Weihnachten zu lenken – nein, im kommerzielle Massenkonsum liegt nicht der Ursprung für dieses christliche Fest – der wahre Grund für die weihnachtlichen Feierlichkeiten, ist vielmehr die Geburt Jesus Christus. Der Weg über die Briefumschläge, um einige Gmeindemitglieder trotz bestehender Beschränkungen zu erreichen, war für viele Gläubige ein willkommenes Angebot der Kirchen, um in Zeiten der Corona-Absurditäten zumindest ein wenig weihnachtliche Normalität zu erleben, und aus meiner Sicht war das Ganze eine mehr als gelungene Aktion!

Und der Engel sprach zu ihnen: Fürchtet euch nicht! Siehe, ich verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird; denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus, der Herr, in der Stadt Davids- Lukas 2, 10-11. [BILD: 26.12.2020].

Zusammenfassend bleibt noch zu sagen:
Dieses Weihnachtsfest war zwar in vielerlei Hinsicht anders, aber unter dem Strich den Umständen entsprechend dann doch irgendwie für Weihnachten angemessen. Auch wenn etwas mehr Normalität 2021 dann gerne wieder eingekehrt sein dürfte. Naja, wie auch immer – meine Jahresdosis religiöser Auseinandersetzung mit der Kernbotschaft des weihnachtlichen Festes habe ich dank dieser Kirchenaktion zumindest erhalten können.


Kurioses aus der Landschaft: Pottsteine – kein Meisterwerk, aber schön bunt und phantasievoll

Mittig platziert auf einem Grenzstein an der Thyssenhalde im NSG Berghalde Pluto-Wilhelm unmittelbar neben der Erzbahntrasse sprang mir dieses Exemplar von Pottstein schon aus der Entfernung ins Auge. An dem sowieso schon herrlich-sonnigen Dezembertag ging für mich ein zweites Mal die Sonne auf. Das künstlerische Potential ist zwar zugegebenermaßen noch ausbaufähig, aber dem Künstler darf zumindest attestieren werden, dass er sich bei der farbenfrohen Gestaltung durchaus Mühe gegeben hat.

Vorder- und Rückseite des Ende Dezember an der Erzbahntrasse gefundenen Pottsteins
[BILD 22. Dez 2020].

Interpretation von Pottsteinen als eine Variante des Rorschach-Tests?!

Der Stein ist von der einen Seite weißgrundiert, die andere Seite ist phantasievoll und bunt gestaltet. Neben einer eindeutig zu erkennenden Sonne, etwas Wiese und einem Gesicht lässt sich über die Intention des Erschaffers wohl wieder nur mutmaßen. Da sich die Interpretation fremder Pottsteine wohl auch als abgeänderte Variante eines * Rorschach-Tests zur tiefenpsychologischen Persönlichkeitsanalyse verwenden ließe, halte ich mich an dieser Stelle jetzt mal dezent zurück.

Ausschnitte meines tiefenpsychologisches Profils

Falls ich dem Bild einen Namen geben müsste, würde ich es wohl mit „Sonnetanken“ beschreiben wollen. Denn es scheint mir so, als würde das Strichmännchen, die Sonnenstrahlen mit einem Gefäß auffangen wollen? Vielleicht könnte man es auch als die bildhafte Umschreibung einer Photovoltaik-Anlage, oder eine Nutzungsform von Sonnenenergie deuten?! Wie ihr seht, ist der Phantasie bei der Interpretation keine Grenzen gesetzt.

* Kurz erklärt: Der Rorschach-Test ist u.a. auch als Tintenklecks-Test bekannt und stellt ein einfaches psycho-diagnostisches Verfahren dar, wobei die Gültigkeit des Tests durchaus umstritten ist.

Die Elefantenstatue vor der ZOOM-Erlebniswelt in Gelsenkirchen – ein für die Auswilderung eines gefundenen Pottsteins ideale Stelle [BILD 22. Dez. 2020].

Auswilderung an exponiert-prominenter Stelle

Letztendlich hatte der Fund des Pottsteins auch einen direkten Einfluss auf mein Training. Denn dadurch, dass ich den Stein an einer exponiert-prominenten Stelle wieder auswildern wollte, kam es zu einer unplanmäßigen Verlängerung der Laufstrecke. Als geeignete Stelle kam mir – warum auch immer – die Elefantenstatue an der ZOOM-Erlebniswelt in den Sinn. An diesem öffentlichen Ort konnte man davon ausgehen, dass der Pottstein trotz der CORONA-bedingten Schließung des ZOOMs von Irgendjemandem zeitnah entdeckt werden wird, der beabsichtigt, sich die Elefantenstatue aus der Nähe anzugucken und sich hoffentlich dann, genauso wie ich es getan habe, über den Fund des farbenfrohen Kunstwerks freuen wird, und den Stein im Idealfall weiterwandern lässt.


Kurioses aus der Landschaft: Hidden Stones – nicht immer kunstvoll

Von HER-Steine bis Pottsteine

Der letzte auf einer meiner Laufrunden durch die Landschaft gefundene POTTSTEIN war einmal mehr aus der Kategorie wenig kunstvoll. Was auf der weißgrundierten Steinseite zu sehen sein soll, lässt sich nicht eindeutig bestimmen. Meine Interpretationen der eher lieblosen Gestaltung reichen von einem Spinnentier bis zur doppelten Sonne, und mit ganz viel Fantasie lässt sich vielleicht noch das CORONA-Virus erkennen, womit sogar ein tagesaktueller Bezug zum Pandemiethema gegeben sein würde. Welche Gedanken dem Künstler bei der Schaffung inspiriert haben oder ob man sich überhaupt tiefergehende Gedanken gemacht hat, das weiß nur der Künstler selbst. Ich gehe davon aus, dass er oder sie entweder noch ganz am Anfang des künstlerischen Tuns steht oder es sich aber um einen Vertreter einer infantil-abstrakten Kunstform handelt, die beabsichtigt, dem Betrachter möglichst viel Spielraum zur individuellen Interpretation zu gewähren.

Der Pottstein, den ich Ende November auf Höhe der Halde Rheinelbe in Gelsenkirchen gefunden habe, hat meinen Geschmack nicht wirklich getroffen [BILD: Nov. 2020].

Auch was es mit dem 5/20 auf der Rückseite auf sich hat, lässt sich abschließend nicht klären. Das 5/20 könnte dafür stehen, dass das Kunstwerk im Mai entstanden ist. Denkbar wäre aber auch, dass es sich um eine Seriennummer handelt, aber so wie beim Motiv kennt nur der Künstler die wahre Bedeutung des Zahlencodes. Da mir der Stein nicht zugesagt hat, habe ich ihn zehn Meter weiter, nachdem die Belegfotos gemacht waren, wieder in exponierter Position am Geländer der Trassenbrücke „ausgewilder“. Damit zeigt sich, dass ein solch wenig gefälliger Stein zumindest für den Versteckenden den Vorteil hat, dass er vom Finder eher nicht behalten werden wird.


Beobachtung aus der Landschaft: Vom Winde verweht – entwurzelte Weide am Trassenaufgang

Die Auswirkungen des ersten Winterstürmchens zeigten sich mir auf der heutigen Runde durch die Landschaft in Form einer entwurzelten Weide. Der ehemalige Standort der Weide liegt unmittelbar am Aufgang zur Erzbahntrasse an der Hofstraße im Randgebiet vom LSG Röhlinghausen. Unter dem Strich darf man dennoch konstatieren, dass es rund um die Erzbahntrasse trotz der Warnungen des DWD erfreulich ruhig geblieben ist. Aber bis auf wenige verwehte Mülltonnen, Gelbe Müllsäcke oder anderweitiges Zeugs, das am Vorabend nicht ausreichend gesichert wurde und jetzt in der Gegend herumliegt, hat das nächtliche Lüftchen ansonsten keine gravierenderen Spuren in der Landschaft hinterlassen.

Teil einer entwurzelten Weidengruppe, die Anfang November parallel zum Weg des Afugangs zur Erzbahntrasse gelegen hatte [BILD: 19.11.2020].

Das Umkippen oder Auseinanderbrechen des Weidenstamms deutet für mich außerdem darauf hin, dass irgendwelche Vorschädigungen vorgelegen haben werden, die diese Teilentwurzlung begünstigt haben. Inwieweit die Gesamtstabilität des Baumes durch den teilweise Wegbrechen in Zukunft negativ beeinflusst wird, oder ob das Wurzelsystem des Restbaumes durch den Vorfall beeinträchtigt ist, das werden dann wohl die Sachverständiger von Stadt oder RVR klären müssen. Inwieweit die Schäden letztendlich eine komplette Beseitigung des Baumes notwendig werden lassen, kann ich nicht sagen. Da es sich bei dem möglicherweise zu fällenden Baum um eine vergleichbar schnellnachwachsende Weide handelt, wäre dieser Umstand durchaus verschmerzbar.

Die Reste der entwurzelten Weide am Aufgang der Erzbahntrasse an der Hofstraße [BILD: 06.12.2020].

Nachdem die Weide längere Zeit unbeachtet neben dem Weg des Trassenaufgangs lag, konnte ich mich mittlerweile davon überzeugen, dass auch der Rest der Weide bis auf die Wurzel gekappt wurde und in gehäckselter Form im anliegenden Gebüsch verteilt liegt. Welchen Einfluss die Trockenheit der vergangenen Monate und Jahre auf die Stabilität der Weide gehabt haben, lässt sich abschließend nicht eindeutig klären. Ebenso wie die Gründe, die zur Entscheidung des Fällens geführt haben. Da die Windgeschwindigkeiten des böigen Sturms nicht so hoch gewesen sind, dass man ihn für die Entwurzlung allein verantwortlich machen sollte, steht für mich fest, dass der Baum irgendwelche Vorschädigungen gehabt haben müsste. Letztlich wird ein Zusammenspiel mehrerer Faktoren für die Entwurzlung der Weide verantwortlich sein. Da Weiden für ihre Widerstandfähigkeit und Triebhaftigkeit bekannt sind, besteht trotz des radikalen auf den Stammsetzens dahingehend Hoffnung, dass aus den noch vorhandenen Stammstrukturen im Frühjahr wieder neue Triebe austreiben werden.


Kurioses aus der Landschaft: betörende Topfpflanze auf der Becker Deponie in Günnigfeld

Es liegt was in der Luft, ein ganz besonderer Duft…

Beim Laufen fernab des Hauptweges auf der ruhenden Becker Deponie habe ich wohl eine meiner bisher kuriosesten botanischen Entdeckung des Jahres gemacht. Neben Brombeersträuchern wird die Vegetation im oberen Bereich der Halde vor allem von Schmetterlingsflieder dominiert, weshalb die Ruderalfläche für Beobachtungen von Admiral, Tagpfauenauge und Schwalbenschwanz geradezu prädestiniert ist. Doch weder Brombeerstrauch noch Schmetterlingsflieder waren der Grund für mein botanisches Erstaunen. Erstaunt war ich vielmehr deshalb, weil sich eingebettet in eine kleine Gruppe von Schmetterlingsfliedern ein grauer Blumentopf samt Pflanze befunden hatte.

Topfpflanze im Blumentopf unter freiem Himmel in einem entlegenen Bereich einer wenigstark frequentierten ehemaligen Deponie? Das muss doch stinken?! [BILD: 27.11.2020].

Sherlock im Grünen – im Zweifelsfall war es immer der Gärtner

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Fischwilderei in Herne: Abschlussbericht der SoKo Poseidon und Aktenschluss

Wilderei im Herner Schutzgebiet. Die Machtlosigkeit der Behörden. Letzter Beitrag zum Themenschwerpunkt Fischwilderei 2020.

Die in der CHRONOLOGIE beschriebenen Geschehnisse und Beobachtungen der Wildfischerei-Aktivitäten rund um das Hochwasser-Auffangbecken im LSG Röhlinghausen erstreckten sich über einen Zeitraum von fast sechs Monaten. In diesem Zeitraum konnten große Mengen an Angelausrüstung beschlagnahmt, mehrere Täter durch die gerufene Polizei festgenommen und Unmengen an Müll aus der Natur entfernt werden. Während dieser Wildfischerei-Episode richteten sich die ersten Verdachtsmomente, was die potentiellen Täter betraf, schon zu einem frühen Zeitpunkt unserer Ermittlungen in Richtung osteuropäische Montagearbeiter. Zugegebenermaßen war und ist diese Annahme hochspekulativ. Aus diesem Grund möchte ich an dieser Stelle ausdrücklich darauf hinweisen, dass eine subjektive Interpretation einer diffusen Indizienlage zu diesem Anfangsverdacht geführt hat und deshalb mit Vorsicht zu genießen ist.

Klarstellung und Distanzierung

Zudem liegt mir nichts ferner, als im Rahmen des Beitrages irgendeine Art von „Racial-Bashing“ zu betreiben oder eine ganze Bevölkerungsgruppe zu diskreditieren. Andererseits haben sich im Laufe der Wildangelsaison neben hochspekulativen Indizien auch unwiderlegbare objektive Beweise ergeben, die den auf Spekulationen fußenden Anfangsverdacht untermauert bzw. erhärtet haben, wobei das mitgehörte Gespräch zwischen Polizei und Wildangler (1.) aus meiner Sicht zumindest hinsichtlich der Frage nach einer Nationalität der Verdächtigen keine zwei Interpretationen zulässt. Im folgenden Abschnitt sind die wesentlichen Punkte, Indizien und Beweise aufgelistet.

I. Fakten, Beweise, Indizien, Beobachtungen und Interpretationen

(1.)      Ein mitgehörtes Gespräch zwischen Polizei und einem Angler, bei dem der eine Fischdieb zur Entschuldigung seines Fehlverhaltens meinte: „Bei uns in Polen ist anders“.

(2.)      Vermehrt Montagearbeiter, die bei der Kanalisierung des Hüller Bachs und beim Bau des Pumpwerkes im Einsatz sind. Dass diese Personen an Wochenenden oder nach Feierabend viel Zeit und Langeweile haben, um Unmengen an Alkohol beim Angeln zu konsumieren, klingt für mich ziemlich plausibel und ist verständlich. Allerdings passt dieser Überlegungsansatz lediglich auf die ersten drei Personen vom 05.07.2020, die nicht überführt werden konnten, aber eher nicht unbedingt auf die vier überführten Personen, unter denen sich überraschenderweise sogar eine Frau befunden hatte.

(3.)      Unerklärlich bleibt auch der Grund dafür, dass an mehreren Tagen (08.05.2020; 14.07.2020) mehrere herrenlose Angeln am Ufer auslagen. Die Beobachtung der ausliegenden Angeln könnte dafür sprechen, dass ein möglicher Schlafplatz in unmittelbarer Nähe zum Gewässer liegt, was auf die Wohncontainer auf den angrenzenden Baustellen zur Kanalisierung des Hüller Bachs und zum Bau des Pumpwerkes zutreffen würde.

(4.)      Auch die Massen an leeren Tyskie-, Bier und Schnapsflaschen könnten für diesen Erklärungsansatz sprechen, wobei auch klar sein sollte, dass nicht nur Polen oder Osteuropäer Unmengen an Alkohol oder polnisches Bier trinken, dennoch ist die Annahme auch nicht so abwegig und die Vermutung vor allem vor dem Hintergrund der vorherigen Indizien naheliegend.

(5.)      Der am Ufer gefundene noch halbvolle Kochbeutel mit Buchweizen, den ich bis dahin noch nie gesehen hatte und nur Dank Didi überhaupt wusste, worum es sich dabei gehandelt hatte, könnte dafür sprechen, dass es sich um erfahrene Angler handelt, die eine große Palette an Köderalternativen im Angebot haben und einsetzen. Bei meiner Recherche im Internet zum Buchweizen habe ich allerdings auch erfahren, dass Buchweizen als fester Bestandteil der traditionellen osteuropäischen Küche gilt, und lange Zeit vor allem in Polen und Russland als Reisersatz gedient hat, womit sich ein weiteres Indiz für die osteuropäische Montagearbeiter-Theorie ergeben würde.

II. Asservatenkammer mit Sammlung konfiszierter Asservate

Die Bilder zeigen einen Teil der konfiszierten und mittlerweile entsorgten Tatwerkzeuge, die in den zurückliegenden sechs Monaten herrenlos im LSG Röhlinghausen an der Hofstraße durch uns aufgefunden wurden. Da nicht alle Funde bildtechnisch dokumentiert werden konnten, zeigen die Bilder lediglich einen Teil des konfiszierten Angelmaterials. Sowohl über den Fund als auch über den Verbleib wurde die Untere Naturschutzbehörde der Stadt in Kenntnis gesetzt, die uns grünes Licht für unser Vorgehen gegeben hat.

In dem sechsmonatigen Zeitraum konnte die SoKo Poseidon bei ihren sporadischen Bereichskontrollen im LSG Röhlinghausen insgesamt 9 Angeln, 1 Unterfangkescher sowie eine Sporttasche mit einem Sammelsurium an Angelequipment beschlagnahmen.

  • 3 Angeln ausliegend am Ufer (08. Mai 2020)
  • 2 Ruten am Spannungsmast (17. Mai 2020)
  • 1 Unterfangkescher (21. Juni 2020)
  • 2 Angeln hinter dem Baum (13. Juli 2020)
  • 2 herrenlose Angeln (14. Juli 2020)
  • 1 Tasche mit Equipment (21. Juli 2020)

Macht nach Adam Riese und Eva Zwerg:
9 Angeln + 1 Kescher 1 komplettes Allerlei an Angelequipment !!!


Schlussresümee und Aktenschluss

Trotz der mehr oder weniger eindeutigen Indizienlage lässt sich über die Wildfischer kein finales Urteil bilden und letztendlich ist es auch egal, ob die Täter aus Polen, Russland oder Deutschland kommen, oder ob sie als Montagearbeiter, Busfahrer oder Gärtner tätig sind. Was aber keineswegs egal sein darf, ist die Tatsache, dass diese Personen in den vergangenen sechs Monaten im LSG Röhlinghausen erhebliches Chaos angerichtet haben. Mit ihrem asozialen Verhalten haben sie in dem naturnahen Gewässerrefugium massive Störungen verursacht, weshalb feststeht, dass sie für den an Flora und Fauna begangenen Frevel unbedingt zur Rechenschaft zu ziehen sind.

Friedlich-idyllische Szenerie im Sommer 2019 – ein Graureiher teilt sich mit einer Gelbwangen-Schmuckschildkröte eine kleine Insel am Auffangbecken im LSG Röhlinghausen [BILD Juli 2019].

Immerhin ist es Didi und mir gelungen, vier der Umweltsünder der gerechten Strafe eines polizeilichen Ermittlungsverfahrens zuzuführen, was zumindest hoffen lässt, dass bei ihnen für die Zukunft eine Verhaltensänderung eintritt. Ob und wie dieses befremdliche Verhalten letztendlich durch die Justiz sanktioniert wird, liegt nicht in unserer Macht. Der Natur im LSG Röhlinghausen bleibt zum Ende der SoKo Poseidon nur noch zu wünschen, dass sich die diesjährigen Geschehnisse in 2021 nicht wiederholen werden, womit die 2020er-Akten dann auch geschlossen werden können.


Landschaftliche Gedanken: Schutzlose Schutzgebiete und machtlose Behörde

Aus den Beiträgen mit dem Themenschwerpunkt Fischwilderei in Herne resultierten folgende Überlegungen und Gedanken, die ich in diesen Beitrag gepackt habe und zu einem zukünftigen Zeitpunkt möglicherweise noch einmal aufgreifen werde.

Gedanken zur Machtlosigkeit städtischer Behörden beim Schutz ausgewiesener Schutzgebiete

Grundsätzlich stellt sich mir die Frage, inwieweit die Stadt beziehungsweise die für die naturnahen Bereiche verantwortlichen Behörden überhaupt das Ziel verfolgen und ob sie in der Lage sind, ihre ausgewiesenen Landschafts- und Naturschutzgebiete auch ausreichend zu schützen. Welchen Sinn kann es machen, Gebiete als Schutzgebiete auszuweisen, aber diese Gebiete dann nicht wirklich zu schützen?!

Kontrollen in Parks ja, in Schutzgebieten aber nicht?!

Denn während die öffentlichen Herner Grünanlagen wie beispielsweise der Volksgarten in Eickel, der Wanner Stadtgarten oder auch der Park am Schloss Strünkede in Herne regelmäßig von patrouillierenden Mitarbeitern des Ordnungsamtes kontrolliert werden und sogar auch an Samstagen Präsenz gezeigt wird, ist mir in den zurückliegenden Jahren auf den naturnahen Arealen der Schutzgebiete bisher nicht eine dieser Patrouillen über den Weg gelaufen, was schlichtweg daran liegen wird, dass sie in diesen Bereichen nicht eingesetzt werden.

Warntafeln als Alleinschutz von Schutzgebieten!?

Doch welchen Mehrwert haben in dieser Hinsicht dann Warn- und Hinweistafeln mit Geboten, Verboten und der Androhung von Bußgeldern, wobei diese Tafeln in den meisten Fällen auch noch bis zur Unlesbarkeit beschmiert sind, wenn die zuständigen Behörden in diesen Bereichen des Stadtgebietes aber sowieso nicht kontrollieren und Fehlverhalten dementsprechend auch nicht sanktioniert wird?!

Problematische Ausweichtendenzen durch CORONA?!

Vor allem in den zurückliegenden Pandemiemonaten im Sommer 2020 ist mir beim Durchlaufen verschiedener Schutzgebiete (LSG Röhlinghausen, LSG Pluto V, NSG Berghalde Pluto) an und nach Wochenenden unzählige Male aufgefallen, dass in den geschützten Bereichen vermehrt Partys und Saufgelage stattgefunden haben, die zu einer massiven Verdreckung nicht nur in der Nähe der Sitzgelegenheiten geführt haben. Wobei die offensichtliche Verdreckung nicht das einzige Problem ist, die diese coronabedingten Ausweichtendenzen ins stadtnahe Grün mit sich bringen. Gefahren und Folgen durch offenes Feuer, Lärmbelästigung durch Musikbeschallung sowie Störung und Zerstörung von Flora und Fauna in sensiblen Bereichen wären als weitere Faktoren zu nennen.

Behördlicher Naturschutz endet nach Dienstschluss?!

Auch kann sich jeder potentielle Natursünder sicher sein, dass an Feiertagen, am Wochenende und vor allem zu den späten Abendstunden sowieso mit keinerlei Kontrollen zu rechnen ist, da die städtischen Mitarbeiter zu den Zeiten ihren wohlverdiente Freizeit genießen.

Unausgegoren-Diffuse Lösungsansätze

Beim Schutz der Schutzgebiete durch die verantwortlichen Behörden muste m.M.n. unbedingt nachjustiert werden. Die vom Ordnungsamt kontrollierten Bereiche sollten auf die Natur- und Landschaftsschutzgebiete unbedingt ausgeweitet werden. Vorstellbar wäre m.M.n. eine Art Fahrradstreife, die diese weitläufigen und ansonsten nur zu Fuß zu erreichenden Bereiche regelmäßig aufsuchen und kontrollieren. Unter Umständen und je nach vorhandenen finanziellen und personellen Mitteln bräuchte es einen 24h-Natur-Notdienstes (telefonisch/ email/ APP), um Meldenden auch am Wochenende in akuten Fällen einen Kontakt zu ermöglichen, der für die naturrechtlichen Belange verantwortlich ist und auch zeitnah Maßnahmen einleiten könnte. Aufgrund der oftmals gegebenen Akutheit macht es keinen Sinn, bis zum Dienstbeginn am Monatg zu warten. Darüber hinaus scheint die natürliche Scheu des Bürgers bei solchen „grünen Belangen“ die Polizei zu alarmieren, in vielen Fällen eine zu hohe Überwindungshürde darzustellen, die durch einen Natur-Notdienst herabgesetzt werden könnte. Möglicherweise könnte diese Maßnahme auch eine Melde-App flakierend unterstützen?!