Beobachtungen aus der Landschaft – Lenkung und Defrequentierung von Besucherströmen

Schon im vergangenen Sommer 2020 habe ich eine Beobachtung gemacht, auf die ich vor ein paar Tagen beim Durchstöbern einiger Fotoarchive wieder aufmerksam geworden bin. Beim Durchlaufen des oberen Trassenbereiches auf Höhe des Landschaftsparks Pluto V war mir damals aufgefallen, dass der parallel zum Hauptweg verlaufende Pfad mit Ästen und kleinen Birkenstämmen schwerpassierbar gemacht wurde. In kurzen Abständen hatte Jemand den kompletten Weg mit Totholz unterschiedlicher Größen blockiert. Zunächst hatte ich mir bei der Aktion nichts weiter gedacht, doch dann stellte sich mir die Frage, ob es sich hierbei um ein aus Kinderhand entstandenes Naturkunstwerk gehandelt haben wird oder ob Jemand mit der Aktion bewusst beabsichtigte, die Besucherströme aus dem Bereich fernzuhalten und in Richtung Hauptweg zu kanalisieren.

Ökologische Sperrung vom Nebenweg an der Erzbahntrasse auf Höhe des LSG Pluto V [Sommer 2020].

Intentionaler Geniestreich oder Zufallsprodukt aus Kinderhand?

Die Idee einer semi-natürlichen Wegsperrung zur Defrequentierung eines vielbefahrenen Weges mit dem Ziel einer nachhaltigen Radfahrer-Vergrämung aus sensiblen Bereichen der städtischen Natur gefiel mir auf Anhieb gut. Eine gewaltfreie Strategie, um die Nutzung eines unerwünscht parallel zum Hauptweg entstehenden Weges zumindest für Radfahrer unattraktiv werden zu lassen und damit der Natur in dem Bereich mehr Ruhe zu geben, genial! Andererseits wäre es natürlich auch denkbar, dass sich die Erschaffer überhaupt keine Gedanken gemacht haben und die Astaneinanderreihung das zufällige Produkt spielender Kinder ist?! Unabhängig von diesen Erklärungsansätzen könnte das Ast-Arrangement außer als nachhaltige Radfahr-Vergrämung auch als Trainingsbaustein zur Koordinationsschulung in einer Einheit Lauf-ABC zur Anwendung kommen.

Stadtnatur prallt auf Mix aus Nutzerinteressen

Die Stadtnatur ist flächenmäßig begrenzt, viele Akteure mit ganz unterschiedlichen Interessen prallen zwangsläufig aufeinander. Mountainbiker, die ihr Freiheitsbestreben auf unbefahrenen Strecken fernab der offiziellen Wege ausleben, Hundebesitzer, die ihre Hunde frei durch die Natur streifen lassen, Kindergruppen, die mit ihrem Ausflug in die Stadtnatur der Enge der Einrichtungen entfliehen und auf den Waldflächen Tipis aus den Boden sprießen lassen, oder Trailläufer, die Querfeldein durch die Landschaft pflügen. In vielen Bereichen des öffentlichen Grüns lässt sich in letzter Zeit vermehrt die Tendenz einer unkontrollierten Ausdehnung der offiziellen Wegesysteme erkennen. Immer häufiger führen Wege durch relativ unberührte Natur, teilweise durch Schutzgebiete, neue Strecken werden angelegt, was zur massiven Störung in diesen wichtigen Rückzugsräumen führt. In den meisten Fällen beginnt es mit Trampelpfaden, die sich anfänglich durch die Botanik schlängeln, mit der Zeit werden hier und da ein paar Äste abgebrochen und kurz über lang ist ein neuer Pfad durch das zuvor intakte Grün erschlossen.

Respekt & Rücksicht – das A & O im Umgang mit Mensch & Natur

Dass das Ausleben der eigenen Interessen in vielen Fällen im krassen Widerspruch zum Naturschutzgedanken steht, ist außer Frage. Bei vielen Beteiligten ist Rücksichtnahme gegenüber anderen Menschen aber vor allem gegenüber der Natur oftmals ein Fremdwort. Geltende Regeln werden missachtet, behördliche Kontrollen finden so gut wie nicht statt. Bleibt die behördliche Reglementierung aus – greift manch einer zur Selbstjustiz, von deren Ausmaß man teilweise sogar aus den Medien erfährt. Interessenskonflikte zwischen Jägern und Waldbesitzern und Mountainbikern – die teilweise zu regelrechten Interessenskriegen ausarten – ausgelegte Nagelbretter oder Scherben, gespannten Drähte, zerstörte Rampen und Kicker. Es ist nicht selten, dass solche Streitigkeiten vor dem Gericht oder im Krankenhaus enden. Bei dem Mix an Nutzerinteressen und des stark limitierten Raumangebotes lassen sich Konflikte nicht ganz vermeiden, wobei  zu befürchten ist, dass sie in Zukunft nicht nur in ihrer Quantität sondern auch in der Qualität weiter zunehmen werden. Dabei bedarf es nur einiger Spielregeln, Respekt und Rücksicht vor der Natur und untereinander, damit würde es auch mit dem Miteinander klappen…


2 Gedanken zu „Beobachtungen aus der Landschaft – Lenkung und Defrequentierung von Besucherströmen

  1. Hi Chris,

    da gibt es mehreres was ich dazu beitragen kann….

    Als ersteres ist dieser Nebenweg, interessanterweise, bei Komoot, von diversen Personen als Trail hinterlegt, welcher gern von entsprechenden Radlern gefahren wird…. .

    Dort oben spielen oft Kinder…. .
    Die könnten sich gestört fühlen und so verhindern, das dort durchgefahren wird….

    Des weiteren laufen da immer viele Hunde- und Spaziergänger entlang, die ws ebenfalls Interesse daran haben könnten, ungestört von Radlern, mit ihren Hunden entlang zu laufen… .

    Interessant ist aber, das wenn man das Geäst vom Weg entfernt, liegt es spätestens nach 2 Tagen wieder dort….. .

    Gefällt 1 Person

    • Moin Rick,
      also was die ebene Strecke von knapp 100 Meter als „Trail“ klassifiziert, erklärt sich mir ehrlichgesagt nicht. Und wer für die inoffizielle Vergrämungsaktion tatsächlich verantwortlich ist, weiß ich auch nicht. Kindergruppen oder Gassigeher wären denkbar, ich gehe allerdings davon aus, dass es sich um jemanden handeln wird, der mit seiner Aktion beabsichtigt, den Bereich vor zu viel Verkehr zu schützen. Wer es letztendlich ist, dazu kann ich nichts sagen, aber prinzipiell finde ich die Aktion löblich.
      Vielleicht sollte von offizieller Seite (RVR) aus mal darüber nachgedacht werden, dem Bereich langfristig beispielsweise durch Stammsperren, so wie es auf der Plutohalde versucht wurde, die Attraktivität für Radfahrer zu entziehen. Denn auf das Verständnis bei den Radfahrern zu hoffen, bleibt wohl eher ein aussichtsloses Unterfangen.
      Beste Grüße
      Christian

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