Amphibienschutz in Herne 2020. Summer-Edition Part 1 – Wasser marsch!

Alle Jahre wieder – auch 2020 war der Frühling zu niederschlagsarm und hat zur Bewahrung der aquatischen Artenvielfalt im LSG Pluto V in Wanne-Bickern eine Gewässer-Refill-Invention nötig werden lassen. Wie kommen Herner Stadtgewässer mit der klimawandelbedingten Situation klar? Um es auf den Punkt zu bringen: Da vielen Herner Feuchtbiotopen die Klimaresilienz fehlt, bleiben selbst 30 Badewannen voll mit Wasser (6000 Liter) nur ein Tropfen auf dem heißen Stein.

Mit der Datenauswertung des Krötenzaun-Projekts 2020 waren die praktischen Arbeiten für dieses „Krötenjahr“ Mitte Mai eigentlich abgeschlossen, allerdings hatte die andauernde Trockenheit zum Ende der Amphibienwandersaison zu einer angespannten Wassersituation in den Gewässerbiotopen des Landschaftsparks Pluto V geführt, weshalb es auch in der Folgezeit zwingend erforderlich wurde, die beiden Gewässer im LSG Pluto V in regelmäßigen Zeitabständen (mindestens wöchentlich) zu kontrollieren.

Klima nur ein Grund für die bestehende Problemlage

Naja, über das Wetter während der diesjährigen Krötenzaun-Saison habe ich eigentlich schon mehr als genug Worte verloren (siehe Auswertung). Dass die letzten drei Jahre zu trocken waren, ist Fakt, und dass sich Dank des Klimawandels an der Situation so schnell wohl nichts ändern wird auch. Allerdings ist das Klima mit seinen lokalen Wetterkapriolen nur eine Ursache für das wiederholt frühzeitige Austrocknen des Laichgewässers im LSG Pluto V.

Bei einer optimalen Beschaffenheit des Gewässers mit einer hinreichenden Gewässertiefe und einem damit einhergehenden größeren Füllvolumen wäre die Situation weniger prekär. Denn wenn sich zu einer klimabedingten Wetterproblematik auch noch ein „defizitäres Gewässer“ gesellt, schafft es Mutter Natur nicht mehr, die Mixtur aus natürlichem und anthropogenem Defizit zu kompensieren.

Langzeitfolgen für die lokale Faunenwelt

Und in dem Fall helfen auch keine neunmal pseudoklugen Argumente weiter, die darauf hinweisen, „dass das Austrocknen eines Gewässers Vorteile mit sich bringen würde, da sich der Teich auf diese natürliche Art und Weise vom Beutegreiferbesatz befreien würde“. Wenn ein Gewässer alle 3-5 Jahre mal frühzeitig schon Anfang Juni trocken liegt und dadurch große Teile einer nachfolgenden Amphibiengeneration verlorengehen, dann mag das vielleicht so sein, denn dann ist das für den Fortbestand der Amphibien in dem lokalbegrenzten Habitat sicherlich auch kein Problem. Wenn aber in den zurückliegenden 5 Jahren ein solcher Zustand 3-4 Mal eintritt, dann müssen im Sinne des Artenschutzes zwingend Maßnahmen ergriffen werden, die der Auslöschung der Amphibienpopulationen entgegenwirkt, da ansonsten nämlich auch die Beutegreifer zukünftig nichts mehr zum Greifen haben werden.

Irdischer Support: Untere Umweltschutzbehörde

Nach mehreren Anfragen, Bitten und Betteln konnte die Untere Naturschutzbehörde der Stadt Herne schlussendlich dazu veranlasst werden, den Füllstand des Tümpels künstlich anzuheben. Im Rahmen dieser sommerlichen Amphibienschutzmaßnahme wurden 6000 Liter Wasser angekarrt und dem Teich hinzugefügt.

Das Bild zeigt das Hauptlaichgewässer im LSG Pluto V in Wanne-Bickern wenige Stunden nach der Refill-Intervention (BILD: 02.06.2020).

Bei der riesigen Fläche des Teichs war das Volumen von 6000 Litern, was in etwa dem Volumen von 30 vollen Badewannen entspricht, nicht mehr als ein Tropfen auf dem heißen Stein. Vergleicht man die Situation vorher mit der Situation nachher, sind die Unterschiede wenn überhaupt welche festustellen sind, dann sind diese nur marginal wahrzunehmen.

Himmlischer Support: Mai-Regen bringt Segen

Dennoch konnte mit der Sofortmaßnahme zumindest etwas Zeit gewonnen werden, sodass zumindest wieder Hoffnung bestand, dass die Austrocknung des Laichgewässers noch ein paar Tage hinausverzögert werden konnte und die Metamorphose zumindest von einem Teil der Amphibien in diesem Frühjahr doch noch abgeschlossen werden konnte.

Das Bild zeigt den geringen Füllstand des Hauptlaichgewässers im LSG Pluto V in Wanne-Bickern. Zum wiederholten Male trat dieser Zustand relativ früh ein, sodass Maßnahmen zur Intervention unumgänglich wurden, um einen Teil der Amphibien zu bewahren. (BILD: 25.05.2020).

Auch wenn grundsätzlich festzuhalten bleibt, dass diese Intervention kein Allheilmittel für die Zukunft darstellen kann, ist davon auszugehen, dass durch die Auffüllaktion die Zeit gewonnen wurde, die überbrückt werden musste, bis der für Herne angekündigte Niederschlag zur Entspannung der Lage beigetragen hätte. Doch bis zum Tag des Niederschlags bleib die Situation auch weiterhin dramatisch.

Welche Maßnahmen werden für die Zukunft erforderlich?!

Von Seiten der Behörden sollte möglichst zeitnah über einen Masterplan-Kröte für Fechtbiotope auf Herner Stadtgebiet zumindest laut nachgedacht werden. Ein Zukunftsplan, der die Klimakrise und die damit einhergehenden Auswirkungen auf die heimischen Amphibien als Bewohner der Herner Feuchtbiotope berücksichtigt, müssten zeitnah erarbeitet werden. Hierzu müsste zunächst eine Art Stadtgewässer-Inventur durchgeführt werden, um im Anschluss daran ein Maßnahmen-Katalog zu eruieren, der trotz eines sich in Zukunft weiter verschärfenden Klimawandels versucht in den Herner Feuchtbiotopen für Lebensbedingungen zu sorgen, die zumindest einem Teil der aquatischen Larvengeneration die Chance zum Überleben bietet.


Grundsätzlich denkbare Gegenmaßnahmen

Grundsätzlich lassen sich potentielle Maßnahmen zur Verbesserung der Gewässersituation anhand der Kostenhöhe und der resultierenden Wirkungsdauer unterscheiden, wobei „Low-budget-Sofort-Maßnahmen“ meiner Meinung nach eher nicht zukunftsfähig sind, da sie lediglich die Symptome behandeln, aber nicht die eigentlichen infrastrukturellen Ursachen für die Probleme beheben.

Kostenintensive-langfristige Maßnahmen

  • Anpassung defizitärer Feuchtbiotope, Optimierung vorhandener Gewässer
  • Schaffung eines neuen Gewässers

Low-Budget-Akut-Maßnahmen

  • Einbringung von Wasser
  • Manuelle Evakuierung von aquatischen Lebewesen

Die Zeit drängt – die Uhr tickt gegen uns…

Feststeht, dass ohne regulierende und intervenierende Maßnahmen die Amphibienbestände an vielen Standorten im Herner Stadtgebiet und auch anderswo zunehmend dezimiert werden. Denn eins muss jedem Verantwortlichem klar sein, wenn es fortlaufend zu einem verfrühten Austrocknen einzelner Feuchtbiotope im Stadtgebiet kommt, liegt es in der Natur der Sache, dass die Amphibienarten, deren Larven bedingt durch die artspezifische Dauer der Metamorphose länger auf das Element Wasser angewiesen sind, wie beispielsweise die beiden im Habitat vorkommenden Molcharten, aber auch die Kreuzkröten, die das Laichgewässer im Vergleich zur Erdkröte in der Regel erst 6-8 Wochen später aufsuchen, dann wird dieser Umstand nicht nur eine Bestandsdezimierung fordern, sondern er wird zum Gesamtverlust der lokalen Populationen führen.

Auch andere aquatische Arten sind in ihrer Existenz bedroht

Der Klimawandel und die Gewässerbeschaffenheit bedroht aber nicht nur die Existenzgrundlage vieler heimischer Amphibien, auch Libellen und andere Wasserinsekten sind von einem wiederholt frühzeitig austrocknenden Gewässer in ihrer Existenz gefährdet. Da sich das von uns jährlich durchgeführte Arten-Monitoring aber lediglich auf die an der L639 geretteten Amphibien bezieht, fehlen belastbare Daten, die sich auf Populationsentwicklungen anderer aquatischer Lebensformen im LSG Pluto V beziehen.

Auswertung Krötenschutz 2020.

Die Betrachtung der Datenlage des diesjährigen Amphibienaufkommens an der Florastraße und die Entwicklung der Zahlen über den Zeitraum der zurückliegenden drei Jahre (2018-2020) sprechen eine eindeutige Sprache und unterstreichen die dringliche Notwendigkeit zum schnellen Handeln durch die für Natur und Umwelt verantwortlichen Behörden.


Gewässer-Inventur: Die Situation im LSG Pluto V

Auf dem Areal des Landschaftsparks Pluto V befinden sich zwei Gewässer, die als potentielle Laichgewässer theoretisch in Frage kommen, wobei das kleinere der beiden Feuchtbiotope seit mindestens fünf Jahren jeweils schon Mitte Mai ausgetrocknet war, womit ihm die Eignung als Laichgewässer für Amphibien abzuschreiben ist. Dennoch wird auch dieses Gewässer im geringen Maße von Erdkröten als Laichgewässer angenommen, was aber wenig erfolgsversprechend ist.

Das kleine Feuchtbiotop im Landschaftspark Pluto V in Wanne-Bickern

Nur dank des ehrenamtlichen Einsatzes von Didi I. konnte in den letzten Jahren ein Teil dieser Larvengenerationen durch Umsiedlungsaktionen vor der Vertrocknung gerettet werden. Dabei ist die Wassersituation auch im größeren der beiden Feuchtbiotope im LSG Pluto V nicht als ideal zu bewerten und dies ist ziemlich euphemistisch! Denn auch in diesem Hauptlaichgewässer reichte der natürliche Füllstand in diesem Jahr nur bis Anfang Juni und das trotz der Auffüllaktion Ende Mai.

Das große Feuchtbiotop im Landschaftspark Pluto V in Wanne-Bickern


Konsequenzen für die Faunenwelt im LSG Pluto V

Erdkröten: Ohne die von der Unteren Naturschutzbehörde veranlasste und durch unser Bitten und Betteln initiierte Auffüllung des Teiches mit 6000 Liter Wasser vom 28.05.2020, hätten es selbst die Larven der Erdkröten schwer gehabt, die Metamorphose (Umwandlung) zum Landlebewesen abzuschließen. Und hierbei ist unbedingt zu erwähnen, dass die Erdkröte die heimische Amphibienart darstellt, die im Vergleich zu den drei anderen im Habitat vorkommenden Amphibienarten relativ früh mit ihrem Laichgeschäft beginnt.

Berg- und Teichmolch: Bei den Amphibienarten, deren Laichgeschäft erst einige Wochen später beginnt, hat der Umstand eines zu frühzeitig austrocknenden Gewässers mit einer viel höheren Wahrscheinlichkeit zur Folge, dass die Nachfolgegenerationen noch regelmäßige vor Abschluss der Entwicklungsphase zum Landlebewesen verenden.

Kreuzkröte: Die Kreuzkröte, die im LSG Pluto V ebenfalls (noch) vorkommt, findet Anfang Juni zumeist überhaupt kein Gewässer mehr vor, ist also dazu gezwungen, entweder abzuwandern oder auf temporäre Gewässer auszuweichen, was insofern weniger problematisch ist, da sich das Entwicklungsstadium der Larven lediglich über vier Wochen erstreckt und im Vergleich zu den anderen Amphibienarten erheblich kürzer ist.

Libellen und andere Wasserinsekten: Bei einer Dauer des Larvenstadiums von ein bis zwei Jahren trifft das Schicksal des regelmäßigen Generationsverlustes alle im Habitat vorkommenden Libellenarten. Aber auch alle Wasserinsekten (Wasserläufer, Gelbrandkäfer, etc.) werden in einem Gewässer, das sechs Monate im Jahr trockenliegt, nicht existent sein.