Neue Seenlandschaft im LSG Röhlinghausen an der Hofstraße

Beobachtungen aus der Landschaft vom 04.07.2021

Gewitter und anhaltender Dauerregen der vergangenen Tage haben dazu beigetragen, dass sich im LSG Röhlinghausen ein neuer See bilden konnte. Das neuentstandene Stehgewässer wird jedoch nicht von Dauer sein, denn die Freifläche im LSG Röhlinghausen stand auch in der Vergangenheit immer mal wieder unter Wasser. Dass dem so ist, ist keineswegs nur dem Wetter geschuldet, sondern Teil des Hochwasserschutzkonzeptes am Hüller Bach. Sobald am längsten Nebenfluss der Emscher ein kritisches Fassungsvermögen erreicht wird und auch die Kanalisation kein weiteres Wasser aufnehmen kann, so wie es bei Starkregenereignissen regelmäßig passiert, werden Teile der Wassermassen kontrolliert in die Bereiche der Hochwasserauffangbecken geleitet, wo sie sukzessive ins Erdreich versickern können.

Geflutetes Hochwasser-Auffangbecken an der Hofstraße [BILD: 04.07.2021]
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Mai-NEWS aus dem LSG Röhlinghausen an der Hofstraße in Herne

(1) Zwischenfazit der Baumaßnahmen zur Kanalisierung des Hüller Bachs

Die Baumaßnahen im Rahmen der Renaturierung des Hüller Bachs schreiten weiter voran. Im Bereich des LSG Röhlinghausen lassen die Bauaktivitäten schon seit Wochen nach. Die Karawane scheint weiter flussaufwärts in Richtung Bochum-Hordel gezogen zu sein. Der Großteil des Baumaschinenfuhrparks und die Unmengen an Baumaterialien, die zwischenzeitlich hier deponiert waren, sind aus dem Landschaftsbild verschwunden. Auch der Bau der beiden Gebäude scheint abgeschlossen. In den letzten Tagen wurden vor allem Massen von Erdreich bewegt und das Areal strukturell gestaltet. Terraforming-XXL beschreibt diese Aktivitäten wohl am besten.

Zugang zur Kanalsisation am Ende der Retentionsfläche im LSG Röhlinghausen [Mai 2021].

Außerdem wurde auf einem knapp 50 Meter langen Flussabschnitt der Deich des Hüller Bachs einseitig abgesenkt. Sollte es zukünftig in Folge von Starkregenereignissen zu einem übermäßigen Ansteigen des Hüller Bachs kommen, haben die Wassermassen nun noch mehr Fläche, um in diesem Bereich kontrolliert über die Ufer treten zu können. Neben der temporären Speicherfunktion konnte mit der Maßnahme auch die Versickerungsfläche vergrößert werden.

Entfernung des Deichs damit die Retentionsfläche kontrolliert geflutet werden kann [BILD Mai 2021].

Das Containerdorf, welches im letzten Sommer unmittelbar hinter dem Tierheim stand, steht dort seit einiger Zeit nicht mehr. Das Rohrleitungssystem, welches das abgepumpte Grundwasser in die beiden Auffangbecken zurückgepumpt hatte, ist ebenfalls demontiert. Und die mobilen Baustellenzäune wurden mittlerweile durch festinstallierte Zäune ersetzt. Auch auf der zweiten Baustelle im LSG Röhlinghausen, im Bereich zwischen Reiterhof und Bahngleise stehen die Gebäude kurz vor der Fertigstellung. Lange kann es also nicht mehr dauern, bis endlich wieder Ruhe ins LSG Röhlinghausen einkehren wird.

Blick auf die Baustelle von der Hofstraße aus [Mai 2021].

(2) Wildfischerei im LSG Röhlinghausen

Das leidige Problem der Wildangler im LSG Röhlinghausen ist in diesem Jahr bisher noch nicht in der Art aufgekommen, wie es im letzten Jahr der Fall gewesen ist. Vereinzelte Bierflaschen und eine frische Feuerstelle sind bis jetzt jedoch noch keine alarmierenden Indizien, dass der Bereich vermehrt zum illegalen Angeln missbraucht werden würde.

Mit Mais und Speisekartoffeln lassen sich Friedfisch wie Rotaugen, Rotfeder, Brassen und Karpfen fangen. Letztere gibt es im LSG Röhlinghausen zahlreich [Bild: Sommer 2020].

Erste Anzeichen sprechen aber dafür, dass die asozialen Akteure des Vorjahres zurück an den Tatort gekommen sind. Aus diesem Grund muss die Situation unbedingt weiter im Auge behalten werden, denn der Sommer ist noch lang und die letzten Wochen waren wettertechnisch vor allem geprägt von viel Niederschlag und ungemütlichen Temperaturen.


(Und die Befürchtungen sollten sich schon bald bestätigen!)

Beobachtung aus der Landschaft – Neugestaltung des Parkzugangs an der Rheinischen Straße

Veränderungen aus der Umgebung – es tut sich was in Röhlinghausen.

Auf einer meiner letzten Laufrunde durch die heimatliche Hood hatte ich die Neugestaltung des Zugangs an der Rheinischen Straße in die dortige Grünanlage bestaunen dürfen. Dass in dem Bereich überhaupt gebaut wurde, war mir bis zu dem Zeitpunkt allerdings gar nicht aufgefallen. Bei der besagten Grünanlage handelt es sich um einen Durchgangspark, der sich an den Friedhof an der Günnigfelder Straße und das LSG Hofstraße in Herne Röhlinghausen schmiegt.

Blickrichtung in den Park in Röhlinghausen [BILD 20.04.2021].

Kleine Grünanlage direkt am Hüller Bach & LSG Röhlinghausen gelegen

Wie die von mir gewählte Bezeichnung Durchgangspark schon erahnen lässt, ist die Grünanlage weder besonders groß noch schön. Die Anlage verfügt über einen Spielplatz mit Wippe, Schaukel, Tischtennissteinplatte und Basketballkorb. Architektonisch-auffallend ist neben der kleinen Friedhofskapelle vor allem das quadratische Gebäude des alten Pumpwerks der EGLV mit den hellblauen Außen-Fliesen. Meine persönliche Nutzung des Parks beschränkt sich deshlab auch in der Regel auf das ausschließliche Durchlaufen des Bereiches. Eine Ausnahme ergibt sich gegen Ende des Sommers, wenn die verblühte Blühwiese zum Sammeln von Saatgut einlädt.

Blickrichtung Rheinische Straße [BILD 20.04.2021].

Ökologischer Mehrwert eher überschaubar

Große Wiesenflächen teilweise mit üppigen Blühstreifen, Tulpen und Narzissen sowie die in den Randbereichen des Parks bestehenden Altbaumbestände gängiger Arten wie Ahorn, Rosskastanie, Eichen, Buchen bieten heimischen Vogelarten und auch Eichhörnchen naturnahe Lebensräume. Fledermaus-Kästen an einigen Bäumen lassen zudem vermuten, dass die vorherrschende Stille und die nächtliche Beleuchtungsfreiheit des zentralen Friedhofbereichs geeignete Rahmenbedingungen für die Anwesenheit der lautlosen Nachtjäger geschaffen haben.


Beobachtung aus der Landschaft – Wasser marsch im LSG Röhlinghausen

Arbeiten am Hüller Bach im Rahmen der Emscher-Renaturierung führen zu einer saisonal-atypischen Austrocknung angrenzender Feuchtbiotope. Auch im LSG Röhlinghausen wird im Frühjahr 2021 zum Schutz der dort laichenden Amphibien eine Refill-Aktion des Gewässerbiotops notwendig!

In den zurückliegenden Jahren lag es in der Regel am trocken-warmen Klima und dem damit einhergehenden Mangel an Niederschlag, wodurch die erfolgreiche Metamorphose heimischer Amphibien – gemeint ist hiermit die Entwicklung der Amphibien von der aquatischen Larvenform zum Landlebewesen, zumindest behindert wurde. In diesem Amphibienjahr (2021) dahingegen ereilte Kröte, Frosch und Molch das Schicksal einer zu frühen Austrocknung ihres Gewässerbiotops schon bevor Laichwanderungen überhaupt flächendeckend begonnen hatten. Auch wenn das Resultat im Vergleich zu den Vorjahren sehr ähnlich scheint, ist die Ursache, obwohl ebenfalls durch Menschenhand verursacht, nicht das Klima oder der ausgebliebene Niederschlag, sondern die Renaturierung des Hüller Bachs.

Renaturierter Abschnitt des Goldhammer Bachs einem Nebenfluss des Hüller Bachs in Bochum, der so wie der Hüller Bach über Jahrhunderte als offene Kloake missbraucht wurde. [BILD März 2021].

Der Zweck heiligt trotz erheblicher Nebenwirkungen die Mittel…

In Anbetracht der positiven Auswirkungen, die die Renaturierung des größten Nebenflusses der Emscher auf die zukünftige Biodiversität in den Ökosystemen und natürlich auch die zu erwartende Steigerung der Wohn- und Lebensqualität derjenigen, die seit Jahrzehnten an und mit den Begleiterscheinungen eines schmutzwasserführenden Flusses leben, mit sich bringt, lässt die temporär begrenzten Kollateralschäden dieses Jahrhundertprojektes marginal erscheinen und hilft sie bis zu einem gewissen Punkt zu tolerieren.

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News aus dem Schilderwald: Neues Hinweisschild für das NSG Blumenkamp – ein Grund für die behördliche Intervention?!

Vom Naturschutzgebiet zum geschützten Landschaftsbestandteil

Neue Beschilderung für das Feuchtbiotop im NSG Blumenkamp an der Günnigfelder Straße in Bochum Hordel/ Günnigfeld. Zur gleichen Zeit herrscht in allen drei Feuchtbiotopen absolute Trockenheit. Ist das diesjährige Laichgeschäft der Amphibien in Gefahr? Gibt es einen direkten Zusammenhang zu den Baumaßnamen im Umfeld des Hüller Bachs? Verpflichtet der neuerliche Schutzstatus des Gebietes die Behörden zum schnellen Eingreifen?

Auf der gestrigen Runde durch die heimatliche Landschaft zog ein bisher noch nicht beobachtetes Hinweisschild meine Aufmerksamkeit auf sich  – inwieweit sich das dreieckige Schild in seiner Bedeutung von den beiden standardmäßigen Schildern unterscheidet, konnte ich mir zunächst nicht erklären, weshalb ich am heimischen Computer Dr. Google zu Rate ziehen musste. Wie die beiden bekannteren Schilder – das für ein Landschaftsschutz- (LSG) und dem Naturschutz-Gebiet (NSG) ist das Schild Geschützter Landschaftsteil ein weiteres Hinweisschild, das einen naturnahen Bereich als besonders schützenswert deklariert, was immer das letztendlich für das ausgewiesene  Areal hinsichtlich zutreffender Schutzmaßnahmen oder Eingriffe durch die Behörden bedeutet.

Das neue Hinweisschild steht unmittelbar an der Günnigfelder Strasse unterhalb der Erzbahntrassenbrücke [BILD: Januar 2021].

Im Internet findet sich zum geschützten Landschaftsteil (gLB):

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Land unter im LSG Röhlinghausen – idyllisches Treiben endet abrupt

Die sinflutartigen Regenfälle von Freitagnacht führen im LSG Röhlinghausen zur Flutung des Hochwasserrückhaltebeckens mit beinahe dramatischen Folgen für die dort weidenden Tiere…

Dramatische Szenen müssen sich in der Nacht von Freitag auf Samstag am Hochwasserrückhaltebecken im LSG Röhlinghausen abgespielt haben. Die Hitze der vergangenen Tage mit Tagestemperaturen konstant über 30°C endeten am Freitagabend abrupt. Es folgte ein Unwetter mit heftigem Gewitter und Starkregen in einem biblischen Ausmaß.

Der Presse war zu entnehmen, dass der Schäfer, als das Wasser auf der Wiese hinter dem Überlaufbereich schlagartig anstieg, die meisten seiner Tiere in Sicherheit bringen konnte. Aufgrund des Ausmaßes der Wassermassen, die in kurzer Zeit bedingt durch den Starkregen angefallen waren und der Tatsache, dass die trockenen Böden nicht in der Lage sind große Wassermengen aufzunehmen, schwellte der Hüller Bach dermaßen an, dass er an den am Deich tiefergelegenen Überlaufbereichen unmittelbar vor dem Stauwerk übertrat und die Auslauffläche in kürzester geflutet wurde.

Am Morgen nach den Sturzfluten stehen noch große Teile des Rückhaltebeckens unter Wasser. Glücklicherweise konnten alle Tiere rechtzeitig in Sicherheit gebracht werden.

Eine Flutung dieser Bereiche kommt im Jahresverlauf sehr selten vor, aber genau für diese Ereignisse, sind sie im Falle eines hohen Aufkommens an Oberflächenwasser zur Entlastung der Deiche vorgesehen. Da sowohl Oberflächenwasser als auch Schmutzwasser bis zur Fertigstellung der Kanalisierung über den Hüller Bach abgeleitet werden, reichte der Pegel in den Biegungen des Fließgewässers zeitweise einen Meter unterhalb der Deichkante. Die Überlaufflächen des Hochwasserrückhaltebeckens dienen in diesen relativ seltenvorkommenden Ausnahmefällen dem Schutz der angrenzenden Siedlungen. Inwieweit man sich dieser potentiellen Gefahr vorab bewusst war, kann ich nicht beurteilen.

Die bei der Flutung der Fläche aufgetretenen Wassermassen hatten die Elektrozäune umgerissen, so dass sich die Tiere in der näheren Umgebung in Sicherheit bringen konnten. THW und Feuerwehr mussten zur Hilfe gerufen werden. In der Hektik und Dunkelheit der Evakuierung durch den Schäfer verteilten sich die Tiere auf dem schlecht einsehbaren Areal. Dank der Unterstützung der gerufenen Rettungskräfte konnte der Bereich ausgeleuchtet werden. Darüber hinaus kam auch eine Drohe zum Einsatz, mit der das Gebiet nach weiteren Tieren kontrolliert werden konnte. Ein verängstliches Tier konnte dem Schäfer wohlbehalten übergeben werden.

Auch am Morgen nach dem Unwetter steht das Auffangbecken in manchen Bereichen noch unter Wasser – der Großteil der Wassermassen ist zu dem Zeitpunkt allerdings schon versickert.

Auch am Morgen nach dem Unwetter mit Starkregen stehen noch große Bereiche der Überlauffläche bis zu 30 Zentimeter unter Wasser. Naja, Ende gut, alles gut! Bleibt nur zu hoffen, dass dieses Ereignis einer Wiederholung im nächsten Jahr nicht im Wege stehen wird.


Weitere Infos:

https://www.waz.de/staedte/herne-wanne-eickel/starkregen-in-herne-schafherde-droht-zu-ertrinken-id230176640.html

https://www.halloherne.de/artikel/schafe-von-wasser-eingeschlossen-46010.htm

Spätsommer Landschaftspflege im LSG Röhlinghausen – tierische Rasenmäher

In der letzten Woche wartete beim Durchqueren des LSG Hofstraße in Herne-Röhlinghausen ein ungewohnter Anblick, der bei mir unmittelbar ein Hauch von Urlaubsgefühlen aufkommen ließ. Und dies hing keineswegs mit den tropischen Temperaturen zusammen…

Landschaftspflege durch Beweidung – eine naturnahe und schonende Alternative zur maschinellen Mahd – an der Hofstraße in Herne-Röhlinghausen erstmalig beobachtet im August 2020.

Auf der großen Überlauffläche des Hochwasserauffangbeckens, die unmittelbar an den Deich des Hüller Bachs angrenzt und bei Starkregenereignissen dem Schutz der Deiche dient, gabe es ein für unsere Breitengrade ein eher seltenes Schauspiel zu bestaunen. Auf der großen Wiese tummelte sich Anfang August eine große gemischte Herde aus Schafen und Ziegen.

Die Tiere stehen zumeist dicht nebeneinander gedrängt, da die Gemeinschaft bietet nicht nur Gesellschaft, sondern vor allem Schutz und Sicherheit vor Beutegreifern. (Foto August 2020).

Die Szenerie war durchaus vielseitig und interessant anzusehen. Schreiende Lämmer in Weiß und Schwarz, säugende Muttertiere, neugierige Zicklein und stattliche Ziegenböcke mit bedrohlichen Hörnen und einer Glocke um den Hals, die so wie es schien, die Funktion des Leitbocks übernommen hatten, komplettierten die rund 100 Tiere starke Herdengemeinschaft.


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Kurioses aus der Landschaft: der ferngesteuerte Mähroboter bei der Deichpflege am Hüller Bach

Anfang Juli konnte ich bei einer meiner Laufrunde durch das Revier rund um Hüller Bach und Erzbahntrasse ein Novum bei der Deichpflege beobachten. Wer jetzt eine Beweidung der Landschaft durch Ziegen und Schafe erwartet, der liegt falsch. Denn die hatten erst ein paar Wochen später im September ihren Einsatz in der Landschaftspflege im LSG Röhlinghausen. Bei dem im Juli beobachteten Novum handelte es sich um ein ferngesteuertes und kettenbetriebenes Novum. Während auf den Hangflächen ein gewöhnlicher Aufsitzmäher mit langer Schneide zum Einsatz kommt, sorgte im Bereich unterhalb der Fußgängerbrücke ein kettenbetriebener Mähroboter für den akkuraten Rasenschnitt.

Hauptgrund für den Einsatz des Spezialwerkzeugs ist der Schutz des Mitarbeiters, der aufgrund der Steilheit und der damit einhergehenden Absturzgefahr notwendig wird. Das Hauptziel nahezu jeder Deichpflegemaßnahme ist dahingegen der Funktionserhalt der technischen Anlage Deich und damit die Gewährleistung des Schutzes der unmittelbar hinter den Deichen liegenden Wohngebiete vor Überschwemmungen.

Deichpflege – Rasenmähen für mehr Sicherheit im Hochwasserschutz

Bei uns im Dreistädteeck von Bochum, Herne und Gelsenkirchen sind es vor allem Starkregenereignissen, die die Wasserstände von Goldhammer Bach, Dorneburger Bach oder Hüller Bach innerhalb von Minuten schlagartig ansteigen lassen und das Potential haben, einen vorgeschädigten Deich zu zerstören. Denn im Fall eines starkregenbedingten Hochwassers wirken auf die Anlage für einen begrenzten Zeitraum relativ hohe Kräfte, die von der technischen Anlage kompensiert werden müssen. Auch den Anforderungen anhaltender Hochwasserlagen muss der Deich genügen. Der Untergrund des Hangs darf auch bei längerer Belastung unter keinen Umständen zu schnell aufweichen, weil ein aufgeweichter Untergrund in Kombination mit den Kräften der Wassermassen zur Destabilisierung des Deichs führen kann.

Eine gesunde Grasnarbe Grundvoraussetzung für Stabilität

Damit die Deichanlage des Hüller Bachs funktionsfähig ist und bleibt, bedarf es einer intakten und kompakten Grasnarbe, die Bodenerosionen verhindert und nur durch regelmäßige Pflegemaßnahmen zu erreichen ist. Denn jeder Gärtner weiß, dass sich auf einer Wiesen, die längere Zeit nicht gepflegt wird, nach und nach Beikräuter, Gräser und Stauden einschleichen oder es früher oder später zu kahlen Stellen und Löchern kommt, die die Kompaktheit der Fläche und damit vor allem die Fähigkeit reduziert, fließendes Wasser widerstandsarm vorbeilaufen zu lassen.

Destabilisierung des Deichs durch erodierende Einflüsse

Aus dem Grund ist im Rahmen der Deichpflege auch die gesamte Vegetation zu entfernen, die Stabilität und Funktionsfähigkeit des Deiches stören oder negativ beeinträchtigen könnten. Da mit zunehmender Bewuchshöhe auch die Kräfte zunehmen, die durch das fließende Wasser im Hochwasserfall auf die Pflanzen wirken, haben die Pflegemaßnahmen regelmäßig zu erfolgen. Kritisch wäre auch, dass blütenreichere Pflanzenarten unter Umständen Insekten anlocken, die durch ihre Bauten die Deichstabilität gefährden, was unbedingt zu vermeiden ist. Die Pflegemaßnahmen dienen darüber hinaus auch immer der visuellen Kontrolle, da sich vor allem Kleintierbauten von Hase, Fuchs und Maulwurf, aber auch Ameisenhügel nachteilig auf die Deichstabilität auswirken, wird der Bestand der relevanten Arten durch eine angepasste Vegetationspflege und Bejagung im Deichumfeld reguliert.

Anthropogener Einfluss als Ursache vieler Probleme

Während es beim heimischen Hüller Bach als größten Zufluss der Emscher die spontanen Starkregenereignisse sind, die durch den fortschreitenden Klimawandel in den nächsten Jahren in Anzahl und Intensität bedeutend zunehmen werden, haben die großen Flüsse Deutschlands wie die Donau, der Rhein, die Elbe oder die Oder regelmäßig mit steigenden Pegeln zu kämpfen. Doch das eigentliche Problem ist keinesfalls das natürliche Hochwasserereignis, das Grundproblem vieler Fließgewässer ist wieder einmal mehr der Mensch und die Tatsache, dass wir die Flüsse einbetoniert, begradigt und schiffbar gemacht haben. Zudem sind viele Flüsse zu dicht bebaut und verfügen deshalb über zu wenig Platz, um folgenlos über die Ufer austreten zu können, weshalb es Jahr für Jahr zu lokalen Überschwemmungen kommt.


Beobachtungen aus der Landschaft – gesperrte Brücke

Der Zahn der Zeit nagt

Die Brücke, die über den Hüller Bach führt und das LSG Röhlinghausen mit  dem Röhlinghauser Volkspark verbindet, ist Mal wieder gesperrt. Während ich nach Sturmtief Sabine noch eine gelöste Planke gemeldet hatte, die zeitnah wieder angebracht wurde, scheint es aktuell so, als seien die Schäden an der Brücke so massiv, dass das Betreten eine Gefahr darstellt. Was mit der Holzbrücke passiert, inwieweit sie reparabel ist oder nicht, bleibt abzuwarten. In der näheren Umgebung gibt es ähnliche Holzbrücken über den Hüller Bach, die schon seit Jahren gesperrt sind.

Die defekte Brücke untermauert aber meine Beobachtung, dass die Glanzzeiten des Parks schon einige Tage in der Vergangenheit liegen und somit auch die Erkenntnis, dass der Röhlinghauser Park spätestens nach Abschluss der Baumaßnahmen, die im Moment in Teilen des Parks im Zuge der EMSCHER-Renaturierung durchgeführt werden, generalüberholt werden müsste. Ein defektes Wegesystem, eine defekte Brücke und Lücken im Baumbestand sprechen in jedem Fall dafür.


Kurioses aus der Landschaft – blutender Fluss in Wanne-Eickel

Seltenes Naturschauspiel am Hüller Bach?

Vor einem Monat erst berichteten verschiedene Medien vom sich rotfärbenden Schnee in der Arktis. Auch in Seen rund um die Welt – im Allgäu, den Schweizer Alpen oder in Bolivien – konnte dieses farbenfrohe Naturschauspiel in der Vergangenheit schon beobachtet werden – und jetzt auch in Röhlinghausen Mitten im Ruhrgebiet?!


In der Regel sind die Gründe für dieses Farbspektakel natürlichen Ursprungs. Entweder wird die Rotfärbung durch eine Schwemme roter Algen, durch eingeleitete Farbstoffe oder eine Kombination aus Beidem verursacht. Die negativen Auswirkungen für die Umwelt sind überschaubar. Im Fall des rotgefärbten Schnees in der Arktis führt der Effekt zwar zu einer beschleunigten Schneeschmelze, weil die Farbe Rot im Vergleich zur weißen Farbe des sauberen Schnees weniger reflektierend wirkt. Der rote Schnee im Umkehrschluss einen größeren Teil des Lichtspektrums absorbiert und sich somit schneller aufheizt. Da sich dieses Phänomen aber auf eine relativ kleine Fläche begrenzt, sind die Negativwirkungen nicht von großer Relevanz.


Algenschwemme oder Farbstoff?

Eine Schwemme von roten Algen ist als Grund für die Rotfärbung des Hüller Bachs auszuschließen. Denn der Hüller Bach ist mit etwa 8,5 Kilometern der längste Nebenfluss der Emscher und durchfließt die Ruhrgebietsstädte Gelsenkirchen, Bochum und Herne. Im Gegensatz zu den Seen ist der Hüller Bach kein Stillgewässer, weshalb Algen nicht ursächlich sein sollten. Hier in der Nähe vom Mittelpunkt des Ruhrgebiets ist der Grund für die Rotfärbung wesentlich profaner.

Ein eisenhaltiger Proteinkomplex: Hämoglobin

Die zeitweise Rotfärbung des Hüller Bachs wird durch einen farbigen Stoff verursacht, der über das Abwasser in das Fließgewässer gelangt. Bei dem Farbstoff, der den Hüller Bach an manchen Tagen rötlich-braun färbt, handelt es sich um Hämoglobin. Der eisenhaltige Proteinkomplex ist nicht nur wesentlicher Bestandteil des Blutes und für den Transport des Sauerstoffs zuständig, sondern auch für die rote Farbe verantwortlich. Bei dem eingeleiteten Blut handelt es sich natürlich nicht um menschliches Blut, sondern um Tierblut, das von einem Schachthof offiziell und legal in den Bach eingeleitet wird.

Wie kann das legal sein?!

Dass dieser Vorgang offiziell und legal ist, hängt mit dem Kuriosum zusammen, dass der Hüller Bach noch immer als oberirdisch verlaufende Kloake genutzt wird. Der Hüller Bach dient als offener Abwasserkanal, durch den nicht nur Regen- und Oberflächenwasser, sondern auch ungeklärtes Schwarzwasser sowohl aus Haushalten als auch von Unternehmen hindurchfließt. Und zu den Unternehmen, die ihr Abwasser in den Hüller Bach einleiten, gehört eben auch ein Schlachthof in Bochum.


Keine Gefahren für Mensch und Umwelt

Die eingeleiteten Blutabfälle sind aus ökologischer Perspektive unbedenklich, da sich Tierblut genauso wie menschliches Blut lediglich aus Proteinen, Salzen und niedermolekularen Stoffen zusammensetzt. Und wenn man bedenkt, dass neben dem Tierblut aus dem Schlachthof auch fäkalienbelastetes Abwasser aus den angrenzenden Haushalten ungeklärt in den Bach landen, dann ist die Gefahr, die von dem Tierblut ausgeht überschaubar. In Abhängigkeit von der Wetterlage und der damit zusammenhängenden Menge an Regen- und Oberflächenwasser kann es je nach eingeleiteten Abfällen zu Geruchsbelästigungen im direkten Umfeld kommen.

Relikt aus dem Mittelalter

Der Umstand, dass im Jahre 2020 Mitten in Deutschland überhaupt noch ein natürlicher Bach als offener Abwasserkanal genutzt wird, ist mehr als unverständlich. Solche präzivilisatorischen Zustände bringt man vielleicht mit unterentwickelten Ländern der Dritten Welt in Verbindung, aber sicherlich nicht mit einer Gegend im Westen der Bundesrepublik Deutschland.

Renaturierung der Emscher schreitet voran

Aber ein Ende dieses Umweltfrevels ist zum Glück in Sicht. Denn im Zuge der fortschreitenden Maßnahmen zur Renaturierung der Emscher wird der Hüller Bach zukünftig durch einen unterirdisch verlaufenden Abwasserkanal vom Schwarzwasser befreit sein. Schon Ende 2021 soll der Hüller Bach auf der gesamten Länge von 8 km frei von Abwässern sein. Beim letzten Bauabschnitt im Rahmen des ökologischen Umbaus der Emscher ist ab 2022 dann die eigentliche Renaturierung des Nebenflusses geplant, bei der unter anderem das künstliche Flussbett aus Beton entfernt werden soll.


Lose Planke an der Brücke über den Hüller Bach

Im LSG Röhlinghausen hat sich durch eines der beiden Orkantiefs der letzten Woche eine Planke der Fußgängerbrücke über den Hüller Bach gelöst. Bei der Brücke handelt es sich um den Fußgängerübergang vom LSG Röhlingshausen in den Röhlinghauser Park am Volkshaus. Ich denke, dass es noch ein Leichtes wäre, die Planke schnell und einfach wieder zu befestigen. Allerdings bezweifle ich, dass sie noch längere Zeit dort liegen wird, wenn sie nicht alsbald wieder montiert würde. Die von der Planke ausgehende Gefahr kann aber wohl eher als gering eingeschätzt werden. Inwieweit die Emschergenossenschaft oder die Stadt zuständig ist, weiß ich nicht, aber die Meldung ist raus.