Schmuckschildkröte auf Abwegen

Beobachtung aus der Landschaft vom 16.06.2021

Ich glaube ich steh im Urwald?! Oder ist es doch eine Fata Morgana?! Schmuckschildkröten – gekommen um zu bleiben

Aufgrund der für gestern prognostizierten Tageshöchsttemperaturen von über 30°C hatte ich vorsorglich auf eine Laufrunde verzichtet und bin stattdessen auf das Fahrrad umgestiegen. Als ich gegen Ende meiner Runde am NSG Blumenkamp in Bochum-Günnigfeld vorbeikomme, traute ich meinen Augen nicht, denn vor mir mitten auf dem Weg, ca. 300 Meter vom großen Gewässerbiotop entfernt, sitzt eine Gelbwangen-Schmuckschildkröte (Trachemys scripta scripta). Während die beiden Exemplare, die ich zwei Wochen zuvor im LSG Röhlinghausen gesehen hatte, tot gewesen sind, scheint diese noch lebendig zu sein, was sich daran zeigt, dass sie mit ihrem Kopf unter ihren Panzer flieht, als ich mich ihr nähere.

Ausgesetzte Schmuckschildkröte im NSG Blumenkamp in Bochum Hordel [BILD 16.06.2021].
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Beobachtung aus der Landschaft – Wasser marsch im LSG Röhlinghausen

Arbeiten am Hüller Bach im Rahmen der Emscher-Renaturierung führen zu einer saisonal-atypischen Austrocknung angrenzender Feuchtbiotope. Auch im LSG Röhlinghausen wird im Frühjahr 2021 zum Schutz der dort laichenden Amphibien eine Refill-Aktion des Gewässerbiotops notwendig!

In den zurückliegenden Jahren lag es in der Regel am trocken-warmen Klima und dem damit einhergehenden Mangel an Niederschlag, wodurch die erfolgreiche Metamorphose heimischer Amphibien – gemeint ist hiermit die Entwicklung der Amphibien von der aquatischen Larvenform zum Landlebewesen, zumindest behindert wurde. In diesem Amphibienjahr (2021) dahingegen ereilte Kröte, Frosch und Molch das Schicksal einer zu frühen Austrocknung ihres Gewässerbiotops schon bevor Laichwanderungen überhaupt flächendeckend begonnen hatten. Auch wenn das Resultat im Vergleich zu den Vorjahren sehr ähnlich scheint, ist die Ursache, obwohl ebenfalls durch Menschenhand verursacht, nicht das Klima oder der ausgebliebene Niederschlag, sondern die Renaturierung des Hüller Bachs.

Renaturierter Abschnitt des Goldhammer Bachs einem Nebenfluss des Hüller Bachs in Bochum, der so wie der Hüller Bach über Jahrhunderte als offene Kloake missbraucht wurde. [BILD März 2021].

Der Zweck heiligt trotz erheblicher Nebenwirkungen die Mittel…

In Anbetracht der positiven Auswirkungen, die die Renaturierung des größten Nebenflusses der Emscher auf die zukünftige Biodiversität in den Ökosystemen und natürlich auch die zu erwartende Steigerung der Wohn- und Lebensqualität derjenigen, die seit Jahrzehnten an und mit den Begleiterscheinungen eines schmutzwasserführenden Flusses leben, mit sich bringt, lässt die temporär begrenzten Kollateralschäden dieses Jahrhundertprojektes marginal erscheinen und hilft sie bis zu einem gewissen Punkt zu tolerieren.

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Beobachtung aus der Landschaft – die Werner Lorke-Gedächtnis-Plakette am NSG Blumenkamp im Bochumer Norden

Neues aus dem Schilderwald

An einer recht starkfrequentierten Umgehungsstraße an der Bochumer Stadtgrenze zu Herne und Gelsenkirchen befindet sich versteckt hinter Bäumen und Sträuchern eine aus Weihern und Tümpeln bestehende Landschaft, die zu Bochums kleinstem Naturschutzgebiet gehört und die man an dieser Stelle so wohl eher nicht erwartet hätte.

Das Naturschutzgebiet „Am Blumenkamp“

Zwischen den beiden Bochumer Ortsteilen Hordel und Günnigfeld, unmittelbar am Fuße der Erzbahntrasse befindet sich ein wahres Refugium für seltene Pflanzen und Tiere. Das Bochumer Naturschutzgebiet ist auf natürliche Weise durch Bergsenkung entstanden und misst gerade einmal 3,7 Hektar, was einer Fläche von knapp vier Fußballplätzen entspricht. Das Feuchtbiotop setzt sich aus mehreren voneinander getrennten Tümpeln und Weihern zusammen und verfügt über ein vielfältiges Angebot verschiedenster ökologischer Nischen, die vor allem in urbanen Ballungsräumen zunehmend seltener werden oder längst fehlen.

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Mykologische Neuentdeckung – der Scharlachrote Kelchbecherling (Sarcoscypha coccinea)

Neuigkeiten aus dem Reich der Pilze

Auf einer meiner letzten Runden durch das NSG Blumenkamp in Bochum Hordel/ Günnigfeld wartete nach längerer Zeit mal wieder eine Begegnung mit einem Vertreter aus dem Reich der Pilze. Hatte ich Pilze bisher jahreszeitlich eher mit dem feuchten Herbst in Verbindung gebracht, so zeigte mir die heutige Entdeckung, dass sie durchaus auch im Winter anzutreffen sind.

Der Scharlachrote Kelchbecherling (Sarcoscypha coccinea) vermutlich auf einem Ast der Schwarzerle im Uferbereich des großen Gewässerbiotops im NSG Blumenkams in Bochum [BILD: 02.02.2021].

Der Scharlachrote Kelchbecherling (Sarcoscypha coccinea), der auch als Zinnoberroter Prachtbecherling bekannt ist, gehört zu diesen farbenprächtigen Winterpilzen. Dank einer unverwechselbaren Optik war die Bestimmung relativ simple. Neben dem wissenschaftlichen Namen finden sich im Internet auch eher umgangssprachliche bis märchenhafte Namen wie beispielsweise Scharlachrote Elfenmütze oder Elfenbecher. Botanisch betrachtet gehört der auffällige Winterpilz zur Klasse der Schlauchpilze und gedeiht bevorzugt auf basischen Böden.

Verwechslungsgefahr – dank der becherartigen Pilzformation und der kräftigen Signalfarbe – so gut wie ausgeschlossen [BILD: 02.02.2021].

Entdeckt habe ich diese Exemplare auf einem bemoosten Ast eines nicht näher definierbaren Laubbaums im ausgetrockneten Uferbereich des großen Feuchtbiotops im NSG Blumenkamp in Bochum-Hordel/ Günnigfeld. Aufgrund der roten Farbgebung und der unnatürlichen Form ging ich zunächst davon aus, dass es sich um geschmolzenen Plastikmüll oder eine andere industrielle Hinterlassenschaft aus der modernen Wegwerfgesellschaft handeln würde. Erst bei näherer Betrachtung war zu erkennen, dass es sich bei dem künstlich scheinenden Gebilde um die Fruchtkörper eines Pilzes handelt.

Der scharlachrote Prachtbecherling sieht besser aus, als daß er schmeckt!

Der zinnoberrote Kelchbecherling gilt in ganz Deutschland als selten. In der Roten Liste der gefährdeten Großpilze steht er mit dem Status „gefährdet“. Der relativ kleine Pilz wäre theoretisch genießbar, sein Geschmack wird allerdings als neutral beschrieben. Und wegen seiner Seltenheit sollte er ohnehin verschont werden.


Fischwilderei in Herne: Erneuter Fund einer fangfähigen Angel im LSG Röhlinghausen

Eisangeln in Herne? Rückkehr der Wildangler ins LSG Röhlinghausen?

Auf der letzten Schnee-Runde durch die Landschaft von Erzbahntrasse und Hüller Bach führte mich mein Weg zu den Gewässerbiotopen im LSG Röhlinghausen an der Hofstraße. Die Stippvisite in dem Bereich wurde erforderlich, da die diesjährige Amphibienwanderung unmittelbar bevorsteht und sich die beiden Biotope in direkter örtlicher Nähe zur großen Baustelle für die Renaturierung des Hüller Bachs befinden. Im NSG Blumenkamp hatte sich in den letzten Monaten gezeigt, dass die baumaßnahmenbedingte Absenkung des Grundwasser zu einem akuten Austrocknen der Feuchtbiotope geführt hat, was das Laichgeschäft der Amphibien massiv und negativ beeinflussen würde. Die Situation im NSG Blumenkamp konnte letztendlich durch Einleitung des abgepumpten Grundwassers über ein umfangreiches Rohrleitungssystem entspannt werden. Bei der heutigen Begehung wollte also eruiert werden, inwieweit auch im LSG Röhlinghausen Handlungsbedarf bestehen würde.

Auffüllaktion im Februar 2021. Abzweigung des Rohrleitungssystems in den klienen Amphibien-Tümpel im NSG Blumenkamp. Aufgrund der Tiefsttemperaturen kurzzeitig demontiert [BILD: Feb2021].
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News aus dem Schilderwald: Neues Hinweisschild für das NSG Blumenkamp – ein Grund für die behördliche Intervention?!

Vom Naturschutzgebiet zum geschützten Landschaftsbestandteil

Neue Beschilderung für das Feuchtbiotop im NSG Blumenkamp an der Günnigfelder Straße in Bochum Hordel/ Günnigfeld. Zur gleichen Zeit herrscht in allen drei Feuchtbiotopen absolute Trockenheit. Ist das diesjährige Laichgeschäft der Amphibien in Gefahr? Gibt es einen direkten Zusammenhang zu den Baumaßnamen im Umfeld des Hüller Bachs? Verpflichtet der neuerliche Schutzstatus des Gebietes die Behörden zum schnellen Eingreifen?

Auf der gestrigen Runde durch die heimatliche Landschaft zog ein bisher noch nicht beobachtetes Hinweisschild meine Aufmerksamkeit auf sich  – inwieweit sich das dreieckige Schild in seiner Bedeutung von den beiden standardmäßigen Schildern unterscheidet, konnte ich mir zunächst nicht erklären, weshalb ich am heimischen Computer Dr. Google zu Rate ziehen musste. Wie die beiden bekannteren Schilder – das für ein Landschaftsschutz- (LSG) und dem Naturschutz-Gebiet (NSG) ist das Schild Geschützter Landschaftsteil ein weiteres Hinweisschild, das einen naturnahen Bereich als besonders schützenswert deklariert, was immer das letztendlich für das ausgewiesene  Areal hinsichtlich zutreffender Schutzmaßnahmen oder Eingriffe durch die Behörden bedeutet.

Das neue Hinweisschild steht unmittelbar an der Günnigfelder Strasse unterhalb der Erzbahntrassenbrücke [BILD: Januar 2021].

Im Internet findet sich zum geschützten Landschaftsteil (gLB):

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Beobachtungen aus der Landschaft: Totfund eines Fuchses – der Tod lauert im Straßenverkehr

Die Umgehungsstraße durch das NSG Blumenkamp im Bochumer Norden wird zur Todeszone. Straßen als anthropogene Selektioninstanz für unvorsichtige Stadttiere. Totfund eines Fuchses (vulpes vulpes).

Trotz einer eher geringen Wildtierdichte kommt es auch in unserer urbanen Landschaft zwischen Erzbahntrasse und Hüller Bach neben Tierbeobachtungen zu Wildunfällen. Vor allem wer sich, so wie ich es tue – viel und ständig durch die Landschaft bewegt und dabei nicht nur die ausgetretenen Pfade beläuft, auf denjenigen warten am Wegesrand hin und wieder schaurige Schreckmomente, z.B. wenn man unerwartet auf ein verendetes Tier trifft. Glücklicherweise ist der Fund eines Tierkadavers nicht alltäglich. Die letzte Begegnung dieser Art, bei der es sich um eine tote Katze gehandelt hatte, die ich dem Bochumer Tierschutzverein gemeldet hatte, liegt mittlerweile sieben Monate zurück („Totfund einer Hauskatze“). Auffallend ist allerdings, dass die Fundstelle der toten Katze und der heutige Fundort des toten Jungfuchses gerade einmal 500 Meter voneinander entfernt sind und sich beide Fundorte darüber hinaus an derselben Straße (Blücherstraße) befinden.

Totfund eines jungen Fuchses (vulpes vulpes) am Straßenrand der Blücherstraße auf Höhe Kirchstraße unmittelbar am Naturschutzgebiet Blumenkamp in Bochum Günnigfeld/ Hordel (BILD: 10.01.2021).

Kampf um Leben und Tod – fressen und gefressen werden

Bei Begegnungen mit dem tierischen Tod lässt sich als Laie nur in den seltensten Fällen die Todesursache auf den ersten Blick eindeutig bestimmen. Dennoch lassen sich mit etwas detektivischem Geschick aus dem Fundort und dem Zustand des Tierkadavers Informationen generieren, die es erlauben, die Todesursache und den Todeszeitpunkt grob einzugrenzen.

Spurensuche: Fraß- und Bissspuren, stumpfe Verletzungen, verfilztes Fell

Beispielsweise deutet die Nähe des Fundortes zu einer starkfrequentierten Straße zwangsläufig daraufhin, dass es sich bei dem verendeten Tier mit sehr großer Wahrscheinlichkeit um ein Verkehrsopfer handeln wird. Für den Verdacht Verkehrsopfer sprechen zumeist auch stumpfe Verletzungen, die mit einer augenscheinlichen Unversehrtheit des Tieres einhergehen. Wohingegen Fraß- und Bissspuren eher darauf hindeuten könnten, dass der Tod des Tieres als Ergebnis einer natürlichen Räuber-Beute-Interaktion zu bewerten ist. Allerdings könnten diese Spuren auch post-mortem erfolgt sein, beispielsweise wenn sich Aasfresser an dem Kadaver zu schaffen gemacht hätten.

Fuchs und Bussard – Endglieder der hiesigen Nahrungskette

Da in unseren Breitengraden die großen Raubsäuger wie beispielweise Wölfe oder Bären fehlen, und der Fuchs hierdurch mit an der Spitze der Nahrungspyramide steht, ist die Größe potentieller Beutetiere diesem Umstand angepasst. Wenn man bei uns im urbanem Ruhrgebiet auf Reste eines gerissenen Tieres stößt, handelt es sich zumeist um Tauben oder andere Kleinvögel, die zur Beute von Greifvögeln wurden oder aber einer streunenden Hauskatze zum Opfer gefallen sind.

Wiedersehen mit einem alten Bekannten

Aufgrund der im Jahresverlauf gemachten und im Blog bisher thematisierten Fuchsbeobachtungen, die allesamt während der Sommermonate erfolgten, gewährt der heutige Fundort zusätzlichen Spielraum für Spekulationen hinsichtlich der Zugehörigkeit des toten Tieres. So lässt die örtliche Nähe des Totfundes zu den Orten der beiden bisherigen Fuchs-Beobachtungen – sowohl die der säugenden Fähe vom 27.05.2020 auf dem Betriebsgelände der Emschergenossenschaft als auch die des jagenden Fuchses vom 07.06.2020 am Goldhammer Bach – vermuten, dass es sich bei dem heute totaufgefundenen Fuchs entweder um einen Nachkommen oder ein Alttier dieser beobachteten Fuchsfamilie handeln könnte. Da sich die beiden dokumentierten Ereignisse in einem Radius von unter einem Kilometer zum Fundort ereignet hatten und aufgrund der territorialen Ausdehnung eines Fuchsreviers, scheint die Vermutung naheliegend und plausibel.

Die säugende Fähe (BILD: 5/2020).

Fuchs auf Entenjagd (BILD: 6/2020).

Reportagen und Dokumentationen Freizeitgestaltung mit Mehrwert

Als ich Thorsten das Bild vom verendeten Fuchs via WhatsApp geschickt hatte, äußerte er unmittelbar seine Verwunderung über die aus seiner Sicht atypisch kurze Schnauzenform des Fuchses. Zunächst spekulierten wir über eine perspektivische Verzerrung des Bildes oder die Krafteinwirkung durch den möglichen Zusammenpralls mit einem Fahrzeug als potentielle Begründung für die Deformation. Doch dann fiel mir ein, dass ich erst neulich auf Phoenix eine Reportage über Füchse gesehen hatte, in der die Hypothese aufgestellt wurde, dass sich Stadtfüchse im Laufe des zurückliegenden Jahrhunderts nicht nur hinsichtlich ihres Verhaltens dem Menschen gegenüber sondern auch hinsichtlich anatomischer Faktoren an die Gegebenheiten und die veränderten Anforderungen im städtischen Umfeld angepasst haben.

Städte als Ausgangspunkt urbaner Evolution

Anpassung an die ökologische Nische Stadt

Über die Zeit hat der Fuchs seine Scheu vor dem Menschen abgelegt und gelernt, dass vom Menschen lediglich eine kalkulierbare Gefahr ausgeht, seine Nähe aber erhebliche Vorteile bietet. Der volle Futternapf des Stubentigers, Reste vom letzten Grill- und Saufgelage, die nach durchzechter Nacht im frühen Morgengrauen noch auf dem Terrassentisch warten oder der reich gefüllte Mülleimer, der ohne übermäßige Jagdbemühungen aber mit garantierten Erfolgsaussichten zum Plündern jeder Zeit bereitsteht, stellen für die intelligenten Tiere ein wahres Schlaraffenland dar. Es liegt allerdings auch in der Natur der Sache, dass man zum Überlisten eines Mülleimers weniger Hirnschmalz und andere Fähigkeiten gebraucht, als wenn man sein tägliches Brot bei der mühsamen Jagd nach schreckhaften und vorsichtigen Kleinnagern verdienen muss.

Domestikationsmerkmal nicht nur beim Fuchs: Abnahme der Scheu geht mit Abnahme der Kopfhöhe einher, die auf geringere Gehirnmasse hindeutet

Die veränderten Anforderungen, die die Städte an die Füchse im Vergleich zum Wald stellen, führten bei den Stadtfüchsen zunächst zu Verhaltensänderungen und im weiteren Verlauf der Koexistenz mit dem Menschen zu einer genetischen Anpassungen. Forscher sprechen in diesem Zusammenhang von einer Art „Domestizierung“, da der Stadtfuchs seine natürliche Scheu und Angst vor der Nähe zum Menschen generationenübergreifend abgelegt hat. Diese Verhaltensänderung reichen oftmals so weit, dass Stadtfüchse nicht nur zunehmend die anthropogenen Errungenschaften wie Straßen, Gärten und Wohngebiete aufsuchen, sondern den natürlichen Gegebenheiten vorziehen. Für uns Stadtmenschen bedeutet dies, dass wir in Zukunft noch öfters mit diesen faszinierenden Tieren in Kontakt kommen werden, was bedauerlicherweise nicht immer gut ausgeht. Die Kehrseite der Medaille ist, wie sich an dem heutigen Totfund erkennen lässt, dass der Fuchs durch die Verhaltensänderung auch seinen natürlichen Schutz bestehend aus Scheu und Angst vor dem Menschen abgelegt hat, der sein Überleben gerade im Straßenverkehr sichern hätte können. So ist es auch wenig überraschend, dass dieses Schicksal vor allem junge und damit unerfahrene Füchse ereilt, da sie die blecherne Gefahr schlichtweg unterschätzen.

Straßenverkehr und Bestandsjagd – als anthropogene Selektionsfaktoren

Während im natürlichen Umfeld von Land und Wald vor allem der Jagd- und Fortpflanzungserfolg die primären Selektionsinstanzen darstellen, übernimmt im Umfeld der menschlichen Zivilisation neben der jagdbedingten Bestandsdezimierung vor allem der Straßenverkehr eine wesentliche Selektionsfunktion. Wieviel Mut und Dreistigkeit optimal sind, um im menschlichen Umfeld satt zu werden, und wieviel Scheu erforderlich ist, um nicht unter den Rädern eines Fahrzeugs zu enden oder anderen anthropogenen Gefahren zum Opfer zu fallen, ist zumeist ein Drahtseilakt, der leider zu schnell tödlich endet.

Prinzipien der Evolution: Use it or losse it!

Während beim „Wald- und Landfuchs“ eine spitze Schnauze für die erfolgreiche Jagd auf kleine flinke Nager einen Vorteil bei der Jagd hat, um möglichst schnell zuschnappen zu können, benötigt der Stadtfuchs vielmehr eine kurze und robuste Nase, um Mülltonnen zu öffnen und den Müll nach Verwertbarem zu durchstöbern. Eine kurze Schnauze ermöglicht zudem eine höhere Bisskraft und ist somit für die Anforderungen im städtischen Umfeld wesentlich besser geeignet. Die genetische Anpassung, die letztendlich zur beobachteten Veränderung körperlicher Eigenschaften führt, erfolgt im Rahmen der Evolution streng nach dem Motto „Use it – or loose it“ – nach den gleichen Prinzipien wie es bei uns Menschen beispielsweise auch mit den Muskeln oder dem Gehirn erfolgen würde, wenn diese Organe nicht mehr oder weniger gebrauchen würden. Der menschliche Organismus ist in dieser Hinsicht absolut utilitaristisch veranlagt und auf maximale Effizienz programmiert. Warum sollte der Körper auch Energie oder andere Ressourcen für etwas aufbringen, wenn es ihm keinen evolutionären Mehrwert bringt.

Schlusswort:

Die Beobachtung des Totfundes hatte ich unmittelbar im Anschluss meiner Laufrunde per Email an das Ordnungsamt der Stadt Bochum gemeldet. Eine Rückmeldung hatte ich zwar nicht erhalten, doch als ich zwei Tage später erneut an der Fundstelle vorbeigelaufen bin, war am Straßenrand kein Fuchskadaver mehr zu sehen. Inwieweit an dem verendeten Fuchs irgendwelche veterinärmedizinischen Tests oder Analysen (Parasitren, Krankheiten, Umweltgifte, etc.) durchgeführt wurden, kann ich nicht beurteilen. Hinsichtlich der auf den Menschen übertragbaren Krankheiten wie Fuchsbandwurm, Tollwut oder Pseudoskabie lassen sich für NRW keine aktuellen Warnhinweise der zuständigen Behörden finden, wobei die für Nordrhein-Westfalen gefundene Zahl von bis zu 30% der Füchse, die mit dem Kleinen Fuchsbandwurm befallen sein sollen, dann doch etwas Anlass zum Nachdenken gibt und eine angepasste Vorgehensweise beim Sammeln von Pilzen, Beeren und Kräutern erforderlich werden lässt.


WEITERE INFORMATIONEN:

https://www.tierwelt.ch/news/wildtiere/stadtfuechse-zeigen-merkmale-von-domestizierung

https://www.vbio.de/aktuelles/wissenschaft/stadtfuchs-und-landfuchs-genetische-analysen-zeigen-unterschiedliche-fuchs-populationen-in-und-um-berlin-auf

Kimmig SE et all. (2019): Beyond the landscape: resistance modelling infers physical and behavioural gene flow barriers to a mobile carnivore across a metropolitan area. Molecular Ecology. DOI: 10.1111/mec.15345


* An dieser Stelle möchte ich ausdrücklich darauf hingewiesen haben, dass verendete Tiere grundsätzlich mit äußerster Vorsicht und nur mit Schutzhandschuhen berührt werden sollten. Aufgrund der Übertragbarkeit von Pathogenen auf den Menscheninsbesondere bei Füchsen, besteht ein erhebliches Infektionsrisiko, weshalb der ungeschützte Kontakt mit dem Tier zu vermeiden ist!

Landschaftliche Gedanken: Schutzlose Schutzgebiete und machtlose Behörde

Aus den Beiträgen mit dem Themenschwerpunkt Fischwilderei in Herne resultierten folgende Überlegungen und Gedanken, die ich in diesen Beitrag gepackt habe und zu einem zukünftigen Zeitpunkt möglicherweise noch einmal aufgreifen werde.

Gedanken zur Machtlosigkeit städtischer Behörden beim Schutz ausgewiesener Schutzgebiete

Grundsätzlich stellt sich mir die Frage, inwieweit die Stadt beziehungsweise die für die naturnahen Bereiche verantwortlichen Behörden überhaupt das Ziel verfolgen und ob sie in der Lage sind, ihre ausgewiesenen Landschafts- und Naturschutzgebiete auch ausreichend zu schützen. Welchen Sinn kann es machen, Gebiete als Schutzgebiete auszuweisen, aber diese Gebiete dann nicht wirklich zu schützen?!

Kontrollen in Parks ja, in Schutzgebieten aber nicht?!

Denn während die öffentlichen Herner Grünanlagen wie beispielsweise der Volksgarten in Eickel, der Wanner Stadtgarten oder auch der Park am Schloss Strünkede in Herne regelmäßig von patrouillierenden Mitarbeitern des Ordnungsamtes kontrolliert werden und sogar auch an Samstagen Präsenz gezeigt wird, ist mir in den zurückliegenden Jahren auf den naturnahen Arealen der Schutzgebiete bisher nicht eine dieser Patrouillen über den Weg gelaufen, was schlichtweg daran liegen wird, dass sie in diesen Bereichen nicht eingesetzt werden.

Warntafeln als Alleinschutz von Schutzgebieten!?

Doch welchen Mehrwert haben in dieser Hinsicht dann Warn- und Hinweistafeln mit Geboten, Verboten und der Androhung von Bußgeldern, wobei diese Tafeln in den meisten Fällen auch noch bis zur Unlesbarkeit beschmiert sind, wenn die zuständigen Behörden in diesen Bereichen des Stadtgebietes aber sowieso nicht kontrollieren und Fehlverhalten dementsprechend auch nicht sanktioniert wird?!

Problematische Ausweichtendenzen durch CORONA?!

Vor allem in den zurückliegenden Pandemiemonaten im Sommer 2020 ist mir beim Durchlaufen verschiedener Schutzgebiete (LSG Röhlinghausen, LSG Pluto V, NSG Berghalde Pluto) an und nach Wochenenden unzählige Male aufgefallen, dass in den geschützten Bereichen vermehrt Partys und Saufgelage stattgefunden haben, die zu einer massiven Verdreckung nicht nur in der Nähe der Sitzgelegenheiten geführt haben. Wobei die offensichtliche Verdreckung nicht das einzige Problem ist, die diese coronabedingten Ausweichtendenzen ins stadtnahe Grün mit sich bringen. Gefahren und Folgen durch offenes Feuer, Lärmbelästigung durch Musikbeschallung sowie Störung und Zerstörung von Flora und Fauna in sensiblen Bereichen wären als weitere Faktoren zu nennen.

Behördlicher Naturschutz endet nach Dienstschluss?!

Auch kann sich jeder potentielle Natursünder sicher sein, dass an Feiertagen, am Wochenende und vor allem zu den späten Abendstunden sowieso mit keinerlei Kontrollen zu rechnen ist, da die städtischen Mitarbeiter zu den Zeiten ihren wohlverdiente Freizeit genießen.

Unausgegoren-Diffuse Lösungsansätze

Beim Schutz der Schutzgebiete durch die verantwortlichen Behörden muste m.M.n. unbedingt nachjustiert werden. Die vom Ordnungsamt kontrollierten Bereiche sollten auf die Natur- und Landschaftsschutzgebiete unbedingt ausgeweitet werden. Vorstellbar wäre m.M.n. eine Art Fahrradstreife, die diese weitläufigen und ansonsten nur zu Fuß zu erreichenden Bereiche regelmäßig aufsuchen und kontrollieren. Unter Umständen und je nach vorhandenen finanziellen und personellen Mitteln bräuchte es einen 24h-Natur-Notdienstes (telefonisch/ email/ APP), um Meldenden auch am Wochenende in akuten Fällen einen Kontakt zu ermöglichen, der für die naturrechtlichen Belange verantwortlich ist und auch zeitnah Maßnahmen einleiten könnte. Aufgrund der oftmals gegebenen Akutheit macht es keinen Sinn, bis zum Dienstbeginn am Monatg zu warten. Darüber hinaus scheint die natürliche Scheu des Bürgers bei solchen „grünen Belangen“ die Polizei zu alarmieren, in vielen Fällen eine zu hohe Überwindungshürde darzustellen, die durch einen Natur-Notdienst herabgesetzt werden könnte. Möglicherweise könnte diese Maßnahme auch eine Melde-App flakierend unterstützen?!


Kurioses aus der Landschaft: Geocache X im NSG Blumenkamp

Jubiläum – die 10 ist voll! Und ich bin mir sicher, dass in nächster Zeit noch der ein oder andere Cache folgen wird, wobei bei der heutigen Entdeckung noch mehr Zufall im Spiel war, als es bei den vorherigen Nebenbei-Entdeckungen der Fall gewesen ist.

Wenn ich auf einer Laufrunde durch die heimische Landschaft aus Günnigfeld kommend am NSG Blumenkamp vorbeilaufe, nutze ich grundsätzlich den schmalen-trailigen Trampelpfad, der sich seitlich am Fahrbahndamm mit dem festverbauten Amphibien-Leitsystem entlangschlängelt. Die Unebenheiten des Untergrundes erfordern ein erhöhtes Maß an Konzentration und Koordination, wodurch sich im Vergleich zum überwiegend monotonen Geradeaus-auf-Asphalt-Laufen andere Trainingsreize ergeben.

Zudem hat man aus dieser tiefen Position eine andere Perspektive auf die Umgebung, sodass man Dinge wahrnimmt, die einem sonst verborgen bleiben. So wie beispielsweise irgendwelche Veränderungen oder die Schieflage eines Nadelbaums, der längere Zeit in Richtung Fahrbahndamm wegzuknicken drohte. Ein anderes Mal bescherte mir diese Streckenwahl aber auch einen wahren Schreckmoment, als ich beinahe auf eine tote Katze getreten wäre, die dort augenscheinlich zum Opfer des Straßenverkehrs wurde.

Das Unbekannte Standobjekt (USO) – ein Kandidat für die Top-3 der bisherigen Cache-Skurrilitäten

Das bunte PVC-Rohr im Gehölz des NSG Blumenkamp – Skurrilitäten aus der Landschaft [Nov. 2020].
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Kurioses aus der Landschaft: Geocache IX – No. 4 aus Bochum-Hordel

Kaum lichtet sich das Blattwerk von Baum und Busch, fällt auch die natürliche Tarnung der in der Landschaft versteckten Caches, wodurch sie jedem, der aufmerksam durch die Natur streift, regelrecht ins Auge springen. Nachdem ich in den vergangenen zwei Wochen aufgrund der im Bereich des NSG Blumenkamp gemachten Pilzbeobachtungen mehrmals im kleinen Birkenhain gewesen bin und schon zwei Caches entdeckt hatte, wurde ich schon heute wieder fündig.

Der heutige Cache befindet sich in einem Gebüsch in unmittelbarer Nähe zum Tennisverein TC Grün-Weiß Bochum und damit unweit der anderen drei Caches (Nr. 1; Nr. 2 und Nr. 3), die ich in der Gegend gefunden habe. Das dunkle Vogelhauskonstrukt hängt auch dies Mal wieder an einer Birke und da Bauweise, verwendetes Material und Sicherung ziemlich ähnlich scheinen, ist davon auszugehen, dass es sich um einen weiteren Cache des Multicaches handelt.

Neu bei dem heutigen Cache ist in jedem Fall die Tatsache, dass in einem Baum drei bis vier Meter gegenüber der Vogelhausattrappe eine mit Klebeband im Tarnfleck-Design getarnte Tupper-Dose hängt. Dass die Box zum Spiel gehört, ist an dem offiziellen Aufkleber ersichtlich. Wobei machen zwei Caches an einem Ort Sinn? Das wäre natürlich möglich, allerdings gehe ich eher davon aus, dass es sich hierbei um eine Art Belohnungsbox handelt, aus der sich jeder Spieler nach erfolgreichen Durchspielen des Multicache sein Souvenir nehmen darf.

Warum sich die Box nicht mit im Vogelhaus befindet, erklärt sich mir allerdings auch nicht. Da die Box im Gegensatz zu den entdeckten Vogelhausattrappen nicht mit einem Zahlenschloss gesichert ist, konnte ich meiner Neugierde nachgeben und die Box öffnen. In der Box befindet sich eine Plastiktüte mit 2D-Holzpokalen, auf denen der Schriftzug „PROUD TO BE NERD“ steht.


Kurioses aus der Landschaft: Geocache VIII – No. 3 aus Bochum-Hordel

Und es geht Schlag auf Schlag. Erst in der Vorwoche hatte ich beim Durchlaufen des Birkenhains im NSG Blumenkamp in Bochum-Hordel die Entdeckung eines weiteren Geocaches gemacht. Beim neuerlichen Durchlaufen des Birkenhains erblickte ich das mittlerweile bekannte Setting eines relativ tief hängenden Vogelhauses, welches sich bei näherer Betrachtung alsbald als Cache herausstellen sollte.

Nicht nur die räumliche Nähe zu den beiden anderen Caches (Nr. 1 und Nr. 2), die ich bisher in Bochum-Hordel entdeckt habe, sondern auch die Bauweise und die verwendeten Materialien sprechen sehr stark dafür, dass diese insgesamt drei Caches zu einem Multicache gehören. Wieder ist das Kasteninnere mit einem Zahlenschloss geschützt und das Gesamtkonstrukt darüber hinaus mit einem Fahrradschloss am Baum vor Diebstahl gesichert.

Aus wie vielen Stationen (Caches) der Multicache insgesamt besteht, lässt sich anhand der Bauten nicht ableiten. Um die in unserem Bereich freigeschalteten Caches sehen zu können, bedürfte es eines Accounts bei einer der Geocaching-Plattformen. Doch bisher habe ich noch keinerlei Anlass dazu erkannt, mir einen solchen Account zuzulegen, was sich in Zukunft aber durchaus noch ändern kann.


Beobachtungen aus der Landschaft – Invasion der Glückspilze

Mykorrhiza eine lohnende Partnerschaft

In den letzten Wochen hat der Herbst auch bei uns merklich Einzug erhalten, was sich nicht nur an kürzer werdenden Tagen, abnehmenden Sonnenstunden oder vermehrten Niederschlag bemerkbar gemacht hat, sondern vor allem daran zu erkennen war, dass die Kraniche trompetend über Herne in Richtung Südwest gezogen sind. Trotz der herbstlichen Vorzeichen versprach das heutige Wetter im Vergleich zu den Vortagen weniger ungemütlich zu werden, sodass einer Exkursion raus in die Landschaft an Hüller Bach und Erzbahntrasse – genauer gesagt nach Bochum-Hordel, nichts im Wege stehen sollte.

Vier junge Fliegenpilze in einer Gruppenformation im Birkenhain in BO-Hordel [Bild: 16.10.2020].

Ein Fliegenpilz kommt selten allein

Bei einer meiner letzten Laufrunden sind mir im Bereich des Birkenhains, der sich unmittelbar hinter dem ökologischen Kleingartenverein Kraut und Rüben anschließt, unzählige Fliegenpilze (Amanita muscaria) aufgefallen. Das relativ feuchte Wetter der vergangenen Tage und die zunehmende Laubdecke auf dem Boden hat sie vermehrt schießen lassen. Allerdings kann ich mich nicht dran erinnern, jemals zuvor so viele Fliegenpilzformationen an einem Ort bewusst wahrgenommen zu haben, was sicherlich auch an den eher kleinflächigen Waldgebieten liegt, die es hier im Umfeld gibt.

Pilze – ein Fotomotiversatz für die falterlose Jahreszeit

Obwohl das lokale Pilzallerlei eindeutig vom auffälligen Fliegenpilz dominiert wird, finden sich auf der 1.500 Quadratmeter großen und mittlerweile renaturierten Zechenbrache auch andere farblich dezentere Pilzarten, die aber mindestens genauso schön anzusehen sind. Teils wachsen diese Pilze aus verrottenden Baumstümpfen und teils aus dem Boden, sind aber in jedem Fall faszinierende Erscheinungen, und besitzen durchaus das Potential, ein Motiversatz zur Überbrückung der schmetterlingsfreien Zeit  zu werden.

Pilzvielfalt im im kleinen Birkenhain am NSG Blumenkamp. Links-oben: Grünblättrige Schwefelkopf (Hypholoma fasciculare); Rechts-oben: Honiggelbe Hallimasch (Armillaria mellea); Links-unten: Flaschen-Stäubling (Lycoperdon perlatum); Rechts-unten: Violette oder Amethystblaue Lacktrichterling (Laccaria amethystina); alle Bestimmungen ohne Gewähr [BILD: 16.10.2020].

Wo ein Fliegenpilz ist, muss auch eine Birke oder Fichte sein

Was die Fliegenpilze betrifft, so hatte ich, obwohl ich absolut keine Ahnung von Ökologie der Pilze habe, von Beginn an den Eindruck, als würde zwischen Birke und Pilz eine besondere Beziehung bestehen. Meine Vermutung stützte sich allerdings alleine auf die Beobachtungen, dass jede Birke gefühlt ihre eigene kleine Gruppe von Fliegenpilzen hatte. Bei der heimischen Internet-Recherche konnte ich sodann auch in Erfahrung bringen, was der Grund für diese bevorzugte Partnerschaft zwischen Birke und Pilz ist. Etwas überrascht war ich über die Tatsache, dass sogar mehr als 80 Prozent aller Landpflanzen in Symbiose mit Pilzen stehen.

Mykorrhiza – die „verpilzte Wurzel“ ein Gewinn für Baum und Pilz

Der Fliegenpilz gehört, wie rund 2000 andere in Deutschland vorkommende Pilzarten, zur Gruppe der sogenannten Mykorrhiza-Pilze. Der wissenschaftliche Fachbegriff Mykorrhiza ist aus dem Griechischen und setzt sich aus den beiden Begriffen mykes, dem Pilz, und rhiza, der Wurzel, zusammen. Der Fachbegriff Mykorrhiza kann im Deutschen mit „Pilzwurzel“ oder „verpilzter Baumwurzel“ übersetzt werden und beschreibt eine symbiotische Lebensgemeinschaft von Pilz und Baum im Bereich der Wurzeln. Da einige Pilze eine hohe Wirtspezifität aufweisen und auf bestimmte Baumarten spezialisiert sind, lässt sich dieses Wissen beim Sammeln und Bestimmen von Pilzen nutzen.

„Unter Birken, Tannen und Buchen kannst du immer Pilze suchen; unter Eschen, Erlen und Linden, wirst Du nicht viel finden“.

Im Fall des Fliegenpilzes ist die Mykorrhiza-Partnerart entweder die Birke (Betula), so wie ich es ja auch schon aufgrund der Beobachtungen vermutet hatte, oder die Fichte (Picea). Grundsätzlich scheint die Mykorrhiza für die Pflanze überall dort von Vorteil zu sein, wo die Mineralstoff- und die Wasserversorgung nicht optimal gegeben sind. Dieser Punkt trifft auf den kleinen Birkenhain auf der ehemaligen Zechenbrache in Bochum-Hordel voll und ganz zu, da der Untergrund überwiegend aus Abraummaterial besteht, dessen Speicherfähigkeit von Wasser als nicht ideal zu bewerten ist, was sich unter anderem auch an der geringen Vegetationsvielfalt zeigt, die sich zum Großteil aus Birken zusammensetzt.

Die beiden Mykorrizha-Partner – der Fliegenpilz neben seiner Birke [Bild: 16.10.2020].

Symbiose eine Win-Win-Situation für Baum und Pilz

Die Pilz-Wurzel-Baum-Wurzel-Schnittstelle (Mykorrhiza) dient in erster Linie dem Austausch von Nährstoffen. Während der Baum den Pilz mit organischen Stoffen hauptsächlich mit Kohlenhydraten und Fetten versorgt, erhält er im Gegenzug vom Pilz anorganische Bodenmineralien (z.B. Phosphat, Ammonium, Calcium, Zink, Kupfer) und Wasser. Allerdings beschränken sich die Vorteile der symbiotischen Lebensgemeinschaft nicht nur auf den Tauschhandel mit Nährstoffen. Die Partnerschaft bringt dem Baum noch weitere Vorteile, so schützt die Filterfunktion der Pilze den Baum vor giftigen Effekten, die eine Aufnahme von Schwermetallen mit sich bringen würde. Darüber hinaus sorgt die Partnerschaft beim Baum für mehr Toleranz gegenüber Frost und pathogener Bodenmechanismen, durch die Ausschüttung von Wuchsstoffen (Auxine, Gibberelline, Cytokinine) zu einem beschleunigten Wachstum.

[Bild: 16.10.2020]

So viel zu dem Thema – das sollte im Rahmen des Blogs zum Phänomen der Mykorrhiza wohl reichen. Wer sich weiter in das Thema einarbeiten möchte, der findet am Ende des Beitrages ein paar Links zu verschiedenen Internetseiten, die das Thema wesentlich ausführlicher behandeln und mir als Quelle dienten. Und wem das immer noch nicht reichen sollte, dem seien ein Gang in die Bibliothek und der Griff zum Fachbuch empfohlen.

Der Schein kann trügen

Also kommen wir nochmal kurz zurück zu den beobachteten Fliegenpilzen. Die zahlreichen Farb- und Gestaltvariationen, die sich durch die unterschiedlichen Altersstadien ergeben, die ein Piz bzw. dessen Fruchtkörper während seiner Reifung durchläuft, erfordern selbst bei der Bestimmung des vermutlich prominentesten Vertreters der Pilze – dem Fliegenpilze ein Gewisses Maß an Vorwissen und Erfahrung. Denn jedes Kind kennt zwar den Fliegenpilz als einen roten Pilz mit weißen Punkten auf dem Schirm, was in der Regel auch korrekt ist, aber trotzdem kein hinreichendes Erkennungsmerkmal zur eindeutigen Bestimmung darstellt.

Variationen des Fliegenpilzes: Links noch nicht aus dem Velum gebrochen; Rechts mit abgewaschenen Schirmen [Bild: 16.10.2020].

Fliegenpilz ist nicht gleich Fliegenpilz

Diese potentiellen Variationen innerhalb ein und derselben Pilzart erschweren die Bestimmung erheblich und können zu schwerwiegenden Missverständnissen führen. So habe ich mich bei Ortbegehung des Birkenhains in Bochum-Hordel von dieser Problematik selbst überzeugen können, indem ich Exemplare des Fliegenpilzes beobachtet habe, bei denen die charakteristischen Flocken auf der Hutoberfläche vom Regen komplett abgewaschen waren oder deren Schirme statt des typischen intensiven Rots ein Gelb bis Orange aufgewiesen haben.

Entwicklungsphasen des Fliegenpilzes [Bild: 16.10.2020].

Morphologische Vielfalt

Auch die Wachstumsphasen, in dem sich der Pilz befindet, verkomplizieren eine eindeutige Bestimmung. So ist der Fliegenpilz zu Beginn eine komplett weiße Knolle, die aus dem Boden wächst und mit dem sogenannten Velum (Haut) überzogen ist. Wobei die Reste des Velums letztendlich die weißen Flecken auf dem roten Schirm des Pilzes ausmachen. Während der „Hut“ im frühen Entwicklungsstadium noch recht kompakt wirkt, klappt der Schirm im weiteren Verlauf des Wachstums nach und nach klappt der Schirm immer weiter auf und reicht gegen Ende seines Pilszdaseins, wenn er nicht vorher von Schnecken aufgefressen oder Unwissenden zertreten wurde, über die Horizontale hinaus.

Persönliche Konsequenzen

Die zufällige Begegnung mit dem Fliegenpilz hat mein Interesse für Pilze dermaßen geweckt, dass ich mich kurzerhand dazu entschlossen habe, mir mein erstes Pilz-Fachbuch zu bestellen, um bei zukünftigen Pilzbeobachtungen auch ohne Internet eine semi-fachmännische Bestimmung durchführen zu können und vor allem für den Fall, dass ich es doch mal in den Wald zum Sammeln von Pilzen schaffen sollte, damit nur die essbare im Körbchen landen. Bei meiner Buchauswahl, die aufgrund der Vielzahl an vorhandener Fachliteratur gar nicht so einfach war, habe ich mich von einer NABU-Empfehlung leiten lassen und mich schlussendlich für das Buch von Andreas Gminder – „Handbuch für Pilzsammler: 340 Arten Mitteleuropas sicher bestimmen – entschieden. Ich denke, die 22 € sind bestens investiert.


QUELLEN & WEITERE INFOS:

https://www.spektrum.de/lexikon/biologie/mykorrhiza/44673

https://www.waldwissen.net/de/lebensraum-wald/baeume-und-waldpflanzen/pflanzenoekologie/mykorrhiza

https://www.waldwissen.net/de/lebensraum-wald/pilze-und-flechten/eine-feine-gesellschaft

https://www.nabu.de/tiere-und-pflanzen/sonstige-arten/pilze-flechten-moose/10155.html

https://pilzkunde-ruhr.de/

(Stand: 24.10.2020)

Kurioses aus der Landschaft: Geocache VI – No. 2 aus Bochum-Hordel

Bei der heutigen Pilz-Exkursion zum Birkenhain an der Hüller-Bach-Straße in Bochum Hordel habe ich neben einer faszinierenden Vielfalt an Pilzen, die ich vor Ort bestaunen durfte, auch einen weiteren Geocache entdeckt. Der Cache hat die Form eines Vogelhauses oder eines Briefkastens und hängt in einer Höhe von knapp 1,50 Meter an einer Birke. Augenscheinlich handelt es sich bei der Bauweise um dieselbe, wie ich sie schon bei dem Cache gesehen habe, den ich vor einiger Zeit in einem Waldstück unweit von diesem Standort am Kabeisemannsweg entdeckt hatte. Vermutlich handelt es sich bei diesen beiden Caches um zwei zusammengehörende Stationen eines sogenannten Multi-Caches.

Geocache im Birkenhain an der Hüller-Bach-Straße im NSG Blumenkamp in Bochum Hordel. Entdeckt und fotografiert am 17.10.2020.

Auch diesmal sichert ein Zahlenschloss den Inhalt vor unbefugtem Zugriff. Und da sich auch dieser Cache an einem entlegenen Ort befindet und die Neugier eines zufälligen Entdeckers auf sich ziehen kann, besteht grundsätzlich die Erfordernis, so wie ich von Rick erfahren habe, dass Caches öfters Mal zerstört werden oder auch ganz verschwinden, sie bestmöglich zu schützen.

Sicherheitsvorkehrungen sind aufgrund der entlegenen Standorte mehr als ratsam. Im NSG Blumenkamp sichern ein Zahlenschloss und ein Fahrradschloss den Cache. [BILD: 17.10.2020].

Aus dem Grund verwundert es auch nicht, dass der Holzkasten mit einem zusätzlichen Fahrradspiralschloss vor Diebstahl gesichert ist. Zudem hängt an der Seite das mittlerweile schon oftmals gesehene und obligatorische Hinweisschild mit QR-Code, das jeden Unbeteiligten kurz darüber informiert, dass es sich bei diesem Etwas um den Bestandteil einer digitalen Schnitzeljagd handelt.


Kurioses aus der Landschaft – Berkel-Steine, HER-Steine, Pott-Steine oder einfach nur Hidden Stones – dieses Mal ein BO-Stein

Steine findet man beim Durchlaufen der Landschaft ständig, manchmal verirrt sich auch ein Steinchen in den Schuh und piesackt einen so lange, bis man ihn wieder entfernt hat. Buntbemalte Steine findet man dahingegen eher selten, doch auf der Laufrunde heute Morgen war es für mich mal wieder an der Zeit, einen dieser sogenannten „Hidden Stones“ entdecken zu dürfen. Und wenn man mit offenen Augen durch die Landschaft läuft und darüber hinaus auch schon den einen oder anderen dieser bunten Steine gefunden hat, ist man für weitere Funde sensibilisiert.

Der Fundort des „BO-Steins“ liegt im kleinen Birkenhain hinter dem ökologischen Kleingartenverein Kraut und Rüben unmittelbar am NSG Blumenkamp in Bochum-Hordel, wo sich auch die unzähligen Fliegenpilze (Amanita muscaria) befunden haben. Ausgelegt war er auf einem von Mos bewachsenen Wurzelteller einer umgekippten Birke. Der Stein zeigt auf der gestalteten Seite passend zur Jahreszeit einen Halloween-Kürbis, auf der Rückseite befinden sich die Standard-Informationen zum Künstler und die Aufforderung sich über das Finden zu freuen, den Fund zu posten und ihn dann wieder auszusetzen.

Hatte ich bei einigen der bisher gefunden Steine an der Gestaltung etwas zu beanstanden, so überzeugt dieser Stein vollumfänglich. Das Entdecken des Steines war wie immer ein freudiges Erlebnis und eine Bereicherung meiner heutigen Laufrunde, weshalb mein Dank raus nach Bochum an N.F. geht. Nachdem ich den Fund des Kürbis-Steins via Foto dokumentiert hatte, wurde er nach ein paar Kilometern im Umfeld der Erzbahntrasse wieder ausgelegt.


Beobachtungen aus der Landschaft – Zigarette entfacht Flächenbrand

Vorboten eines fortschreitenden Klimawandels?!

Die Trockenheit der letzten Wochen hat nicht nur die Waldbrandgefahr in vielen Waldgebieten Deutschlands ansteigen lassen, auch im Revier an der Erzbahntrasse befinden sich unzählige Wiesenflächen, die extrem ausgetrocknet sind und dazu über große Mengen an leichtentzündlichem Material verfügen, was in der Summe optimale Voraussetzungen für einen potentiellen Brand darstellt. Und so ein Brand ist schneller entfacht, als man sich vorstellt. Schon eine Unachtsamkeit beim Parken des Autos, bei der Unkrautbekämpfung, beim Grillen im Freien oder eine sorglos weggeschmissene Zigarette haben das Potential, Ausgangspunkt für einen verheerenden Wald- oder Flächenbrand zu sein.

Und es passiert schneller, als man denkt!!!

So ist es in den letzten Tagen auf der Blücherstraße auf Höhe des Naturschutzgebietes Blumenkamp augenscheinlich vermutlich aufgrund von Unachtsamkeit zu einem kleineren Flächenbrand gekommen. Da der Brandbereich unmittelbar neben der Fahrbahn liegt, ist davon auszugehen, dass eine sorglos aus dem Fenster geschnippte Zigarette eines vorbeifahrenden Autos für den deutlich sichtbaren Flächenbrand gesorgt haben wird. Inwieweit die Feuerwehr zum Löschen des lokalbegrenzten Brandes herbeigerufen werden musste, kann ich nicht sagen. Denkbar ist aber auch, dass das Feuer auf der freien Wiesenfläche nach einer Weile von alleine wieder ausgegangen ist. Möglicherweise haben auch herbeigeeilte Beobachter den Brand mit einfachen Mitteln bekämpfen können.

Brandfläche neben dem Damm der Blücherstraße in unmittelbarer Nähe zum NSG Blumenkamp zwischen BO-Hordel und Bo-Günnigfeld im Auguste 2020 [BILD: 17.08.2020].

Brasilien, Russland, Kalifornien, Australien und Nordrhein-Westfalen

Diese Beobachtung kann aber in jedem Fall als ein weiterer Beleg dafür betrachtet werden, dass der Klimawandel nicht nur in weitentfernten Orten wie Australien, Kalifornien, dem Amazonas oder in Sibirien vermehrt zu Bränden führt, sondern sich ähnliche Szenarien zukünftig wohl auch vor der eigenen Haustür bedeutend öfters abspielen wird, als es aktuell noch der Fall ist. Klar ist natürlich auch, dass sich die Ausmaße dieser Naturkatastrophen nicht wirklich mit den Bränden in Deutschland vergleichen lassen – zumal die Ursachen teilweise auch ganz andere sind, dennoch zeigt es einmal mehr, das der Klimawandel langsam aber sicher auch uns erreicht.

Erste Meldungen von Waldbränden in NRW schon im April

Wenn man zudem bedenkt, dass in diesem Jahr (2020) schon im April von den ersten größeren Waldbränden sogar in NRW (Gummersbach und Viersen) in den Medien zu lesen und hören war und sich die Situation während der Sommertrockenheit auf nahezu allen Bundeländer ausgeweitet hatte, dann sollten wir doch eigentlich alles dafür tun, um schnellstmöglich Antworten zu finden, die diesen Entwicklungen mit allen uns zur Verfügung stehenden Ressourcen maximal entgegenwirken. Allerdings muss wohl auch konstatieren werden, dass von der Bundesregierung für die prekäre Ausgangslage bisher kein adäquates Engagement zu erkennen ist, um die Situation grundlegend verändern zu wollen, sodass wohl zwangsläufig davon auszugehen ist, dass sich die Meldungen von Großeinsätze der Feuerwehren zur Bekämpfung von Waldbränden in Deutschland weiter zunehmen werden.


Totfund einer Hauskatze am NSG Blumenkamp

Die heutige Laufrunde führte mich durch das NSG Blumenkamp – vorbei an dem Feuchtbiotop, wo ich vor 2 Wochen die ausgelegten Reusen bemerkt hatte, die zur Begegnung mit dem Nördlichen Kammmolch (Triturus cristatus) führten. Seit dem Wochenende bin ich schon mehrmals wieder dort gewesen, aber bis auf ein paar Kanadagänse mit ihren Küken und einem lauernden Graureiher, gab es nichts Interessantes zu beobachten. Heute  waren weder Graureiher noch Kanadagänse am Start, dafür sonnte sich im Hauptgewässer auf der anderen Trassenseite auf einem aus dem Wasser herausragenden Baumstamm eine Schmuckschildkröte neben einer Stockente. Alles war friedlich und ruhig – ungestörte Natur eben.

Krötentunnel = Krötenschutzzaun nur teurer & ganzjährig

Der spontan gewählte Laufweg führte mich zur Krötenwand, die zwischen Blücherstraße und Naturschutzgebiet verläuft. Die Krötenwand ist Teil des Amphibienschutzkonzeptes, das beim Neubau der Umgehungsstraße für viel Geld gebaut wurde. Die Krötenwand aus Beton erfüllt letztendlich dieselbe Funktion wie ein Amphibienschutzzaun. Während der temporär für die Laichwanderung aufgebaute Amphibienschutzzaun die Amphibien in Richtung Fangeimer leitet, leitet die Krötenwand die Amphibien und andere Kleinsäuger zum Krötentunnel, einem Bereich der es den Tieren ermöglicht, die Straße ohne Gefahr zu unterwandern.

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